Meine Haltestelle: Bilanz zum Abschluss der Serie / 100 Orte aus dem ganzen Stadtgebiet in einem Jahr vorgestellt Was Bremerinnen und Bremer bewegt

Bremen. Bremerinnen und Bremer bewegen sich innerhalb unsichtbarer Grenzen. Erstaunlich viele verlassen ihren Stadtteil nur aus wichtigem Grund, etwa um zur Arbeit oder zum Arzt zu fahren, und halten Ziele außerhalb des Gewohnten für schwer erreichbar, gefährlich oder unattraktiv. Unsere Serie "Meine Haltestelle" war als Anregung gedacht, innerstädtische Grenzen zu überschreiten, den eigenen Radius zu erweitern und Bremen neu zu entdecken.
02.05.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Was Bremerinnen und Bremer bewegt
Von Monika Felsing

Bremen. Bremerinnen und Bremer bewegen sich innerhalb unsichtbarer Grenzen. Erstaunlich viele verlassen ihren Stadtteil nur aus wichtigem Grund, etwa um zur Arbeit oder zum Arzt zu fahren, und halten Ziele außerhalb des Gewohnten für schwer erreichbar, gefährlich oder unattraktiv. Unsere Serie "Meine Haltestelle" war als Anregung gedacht, innerstädtische Grenzen zu überschreiten, den eigenen Radius zu erweitern und Bremen neu zu entdecken.

Und zwar mit öffentlichen Verkehrsmitteln - umweltfreundlich und verhältnismäßig kostengünstig. Die Auswahl ist größer und origineller als in vielen vergleichbaren Großstädten. Züge, Straßenbahnen und Busse auf den Linien der Bremer Straßenbahn AG (BSAG), des Verkehrsverbundes Bremen/Niedersachsen (VBN), der Deutschen Bahn und der Privatbahnen verbinden selbst weit voneinander entfernte Quartiere. Außerdem gibt es alternative, öffentlich nutzbare und sogar regionalhistorische Verkehrsmittel wie Fähren, den Moorexpress, Torfkähne oder Fahrgastschiffe.

Alle sind Aussteiger

Im Januar 2010 lief die Serie an. "Alle Menschen sind Aussteiger - wenn sie mit dem Bus oder der Straßenbahn unterwegs sind. Die Haltestellen, an denen eine Fahrt häufig endet, sind mit Erinnerungen verknüpft, mit schönen und weniger schönen", hieß es in der Ankündigung, mit der der Stadtteil-Kurier die Leserinnen und Leser bat, Haltestellen zu nennen, die ihnen wichtig sind. "Haltestellen sind Fixpunkte im Alltag einer Stadt, Freiluftwartezimmer, Treffpunkte, an denen man immer wieder dieselben Leute sieht, vertraute Unbekannte, nach denen man unwillkürlich Ausschau hält. Bei näherem Hinsehen besteht die ganze Stadt aus solchen Orten - und aus Menschen in Bewegung, die für einen kurzen Moment innehalten. Ausstiegsstellen werden gefühlsmäßig mit dem eigentlichen Ziel verbunden: mit der Schule oder der Arbeitsstelle, der Kirche oder dem Kindergarten, dem Verein oder dem Krankenhaus, dem Friedhof oder der Behörde, dem Arbeitsamt oder der Begegnungsstätte, der großen Liebe

oder Freunden, dem Theater oder der Universität."

Einige Leserinnen und Leser haben unserer Redaktion daraufhin geschrieben, was sie bewegt, und auf ihre Lieblingshaltestellen hingewiesen: Auf Haltestellen, an denen sie gerne ankommen, auf Haltestellen, die sie sich erkämpft oder deren Namen sie durchgesetzt haben. Andere erzählten spannende oder anrührende Geschichten, die sich zwischen zwei Haltestellen ereignet haben oder die mit Erinnerungen aus der Kindheit verbunden sind. Und es zeigte sich sehr schnell, dass Haltestellen auch inspirieren können: Ein Mann aus dem Peterswerder und eine Frau aus Borgfeld haben ihre Haltestellengedichte an den Stadtteil-Kurier geschickt. Ein Profimaler porträtiert, wie sich herausstellte, seit längerem Haltestellen und eine Zeichnerin Menschen in der Straßenbahn.

100 Portraits

Der Stadtteil-Kurier hat in einem Jahr insgesamt rund 100 Haltestellen aus fast allen Stadtteilen vorgestellt, die Stadt- und Regionalbushaltestellen vor dem Hauptbahnhof nicht einzeln gezählt. In der Serie kamen zahlreiche Menschen vor, die mindestens eine Stadtteilgrenze überschreiten: Bremerinnen und Bremer mit Bus und Straßenbahn auf dem Weg zur Arbeit, zur Schule oder zum Ehrenamt, zum Schwimmen und ins Theater, Seniorinnen, die zu ihrer Begegnungsstätte fahren, Malerinnen von rechts der Weser, die links der Weser ausstellen, Studis, Hobbyhistoriker, Kapitäne, Stadtplaner, eine Kirchgängerin, eine Akkodeonistin und eine Friedhofsführerin, zwei Bürgerhausleiterinnen, mehrere Theatermacherinnen und Theatermacher, Gärtner und Landschaftsplaner, einen Frosch vom Sambakarneval, einen Erzähler vom Feuerspuren-Festival, einen Werderfan, Anrainer des Hauptbahnhofs, einen Straßenbahnfahrlehrer und sogar die Stadtmusikanten. Nicht zu vergessen die Haltestelle auf dem Gelände

der Egestorffstiftung, an der weder Bus noch Straßenbahn hält, die aber verwirrten alten Menschen einen Halt bietet. Und das Kindersportkarussell auf dem Freimarkt. Wenn öffentliche Verkehrsmittel die Quartiere verbinden sollen, dann müssen sie auch barrierefrei sein. Mehrere Serienteile haben sich damit befasst: Wie sicher kommt der blinde Landesbehindertenbeauftragte über die viel befahrene Domsheide, wie beschwerlich ist der Weg vom Bahnhof St. Magnus zum Blindengarten, wie sollen Rollstuhlfahrer oder andere Gehbehinderte in Grolland die 50 Treppenstufen schaffen? Wie schwierig ist es für Schwerhörige und Menschen ohne Deutschkenntnisse, die Namen ihrer Haltestelle zu verstehen?

In Bremen liegt vieles näher als gedacht - und selbst für Alteingesessene gibt es in anderen Stadtteilen noch viel zu entdecken. Sie müssen sich nur auf den Weg machen. Und damit wäre die Serie "Meine Haltestelle" an ihrem Ziel angekommen.

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