Veronika Thieme und Pierre Schäfer machen Figurentheater frei nach der Nibelungensage und nachmittags Puppenspiel für Kinder

Was Brunhild über Siegfried und Hagen weiß

Ostertor. Die Nibelungensage kommt als Kammerspiel mit Puppen auf die Bühne. Veronika Thieme und Pierre Schäfer zeigen „Looking for Brunhild“ für Jugendliche und Erwachsene am Sonnabend, 16.
11.01.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Britta Kluth

Die Nibelungensage kommt als Kammerspiel mit Puppen auf die Bühne. Veronika Thieme und Pierre Schäfer zeigen „Looking for Brunhild“ für Jugendliche und Erwachsene am Sonnabend, 16. Januar, um 20 Uhr bei „Mensch, Puppe!“ im Theaterkontor an der Schildstraße. Bereits um 15 Uhr spielen die beiden Berliner für alle ab fünf Jahren „Die Prinzessin auf der Erbse“, frei nach dem Märchen von Hans Christian Andersen. Mit Stabmarionetten von Peter Lutz und Sybille Fredenhagen und Musik von Giovanni Reber geht es auf die Suche nach der wohl wichtigsten Sache der Welt, der Liebe und dem Glück.

„Looking for Brunhild“ ist die dritte Produktion, die Veronika Thieme und Pierre Schäfer gemeinsam entwickelt haben. Die skurrilen Handpuppen stammen von Susanne Wächter. Seit zwei Jahren spielen die beiden das Stück europaweit. „Ich wollte schon immer mal die Nibelungen machen“, sagt Pierre Schäfer. „Wir haben das Stück ein wenig gegen den Strich gebürstet. Einige Texte kommen von Hebbel, andere haben wir selbst geschrieben. Es ist eine Mischung aus Schauspiel und Figurentheater, in dem sich Ernst und Komik die Balance halten.“

Insgesamt zwölf Rollen besetzen die beiden Puppenspieler. Darunter natürlich Brunhild, die hier einmal von einem Mann gespielt wird, und Siegfried, gespielt von einer Frau. „Der Rollentausch ist sicher eine Besonderheit des Stücks, die Rahmenhandlung eine weitere“, sagt Pierre Schäfer. „Ein besessener Hobby-Literaturprofessor moderiert die Szenen an. Er hat das Nibelungenlied gefunden und begibt sich auf die Suche nach Brunhild.“ Als letzte Zeitzeugin lässt sie die Bilder der Vergangenheit lebendig werden. Manches wird dabei verschwiegen, anderes neu erzählt, denn Brunhilds Gedächtnis weist Lücken auf.

So werden aus Hebbels abendfüllendem Klassiker kurzweilige 80 Minuten. „Wir haben das Stück schon vor Elf- und Zwölfklässlern gespielt“, sagt Pierre Schäfer, „die fanden das total cool.“ Er selbst saß einst im Publikum, als Rotkäppchen von Ringelnatz als Puppenspiel aufgeführt wurde. Er sattelte um, vom Medizinstudium zur Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin, um sich zum Puppenspieler ausbilden zu lassen. „Man hat dabei so viele Möglichkeiten, sich auszudrücken. Zum einen durch die verschiedenen Arten von Puppen, zum anderen durch die Technik des Spiels“, sagt er. „Ich kann durch eine Figur sprechen, aber ebenso eine eigene Rolle einnehmen.“

Im Gegensatz zum Schauspieler könne er außerdem in unterschiedlichste Figuren schlüpfen, ohne das Alter und Geschlecht beachten zu müssen. So habe er beispielsweise einmal das Gretchen aus dem Faust gegeben. Der 53-Jährige, der aus Thüringen stammt, arbeitet heute nicht nur auf der Bühne, sondern auch als Autor, Produzent und Regisseur.

Veronika Thieme lernte er 2006 kennen, als er Gastdozent an der Ernst-Busch-Hochschule war. „Veronika war meine Studentin. Wir haben schnell gemerkt, dass wir gut zusammenarbeiten können.“ Zur selben Zeit studierten zwei bekannte Bremer Puppenspieler dort: Jeannette Luft und Leo Mosler, die zum Ensemble und zu den Gründern von „Mensch, Puppe!“ gehören. So ist es auch nicht der erste Austausch zwischen Bremen und Berlin. Mit dem Kinderstück „Die Prinzessin auf der Erbse“ lässt das Duo am Nachmittag die Puppen singen und spielen. Das Märchen handelt von dem Prinzen Albert, der nach einer Prinzessin zum Heiraten Ausschau hält. „Wir haben uns bei unserer Fassung ein wenig von Shakespeare inspirieren lassen“, verrät Pierre Schäfer. Die Kinder und auch die Erwachsenen werden auf jeden Fall viel Spaß dabei haben, verspricht er. Und wer von den älteren Zuschauern mehr über menschliche Abgründe erfahren möchte, kommt gleich zur Abendvorstellung wieder, wenn Brunhild Rache schwört.

„Looking for Brunhild“ am Sonnabend, 16. Januar, 20 Uhr, und „Die Prinzessin auf der Erbse“, am Sonnabend, 16. Januar, 15 Uhr, in Mensch, Puppe! im Theaterkontor, Schildstraße 21. Eintritt bei der Abendvorstellung: 16,50, ermäßigt 12,50 Euro. Eintritt bei der Nachmittagsvorstellung: Kinder zahlen sechs Euro, Erwachsene acht Euro, die Familienkarte kostet 23 Euro (zwei Erwachsene und zwei Kinder oder ein Erwachsener und drei Kinder). Die Karten gibt es unter Telefon 79 47 82 92, werktags von 10 bis 12 Uhr sowie per E-Mail an karten@menschpuppe.de. Näheres über die beiden Puppenspieler online auf www.pierre-schaefer.de und außerdem auf www.veronikathieme.de.

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