Acht Arten im Fokus

Zweite Runde: Nabu startet Insektenzählung

Den Kleinen Fuchs, das Grüne Holzpferd und andere Insekten zählt der Nabu mit Unterstützung von Helfern. Am 31. Juli startet der Beobachtungszeitraum. Die Beobachter zählen eine Stunde lang am Ort ihrer Wahl.
27.07.2020, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Zweite Runde: Nabu startet Insektenzählung
Von Justus Randt
Zweite Runde: Nabu startet Insektenzählung

Insgesamt acht Arten sollen bei der kommenden Insektenzählung möglichst zahlreich gefunden werden.

Ralph Peters

Ob Tagpfauenauge, Admiral, Asiatischer Marienkäfer, Hainschwebfliege oder Lederwanze, Blutzikade oder Gemeine Florfliege: Die Steinhummel hat sie alle ausgestochen beim ersten Durchgang der Insektenzählung Anfang Juni. Bombus lapidarius, so ihr wissenschaftlicher Name, ist anpassungsfähig, deshalb nicht allzu selten, und sie führt die Top 100 unter den gesichteten Käfern und Wanzen, Schmetterlingen, Libellen und sonstigen Insekten an. Jetzt, am 31. Juli, startet der Naturschutzbund Nabu mit seiner Hochsommerzählung, bei der ganz andere Arten Präsenz zeigen werden.

Dabei lenkt der Nabu das Augenmerk der Beobachterinnen und Beobachter vor allem auf den Schwalbenschwanz, den Kleinen Fuchs, die Ackerhummel, die Blaue Holzbiene, den Siebenpunkt-Marienkäfer, die Streifenwanze, die Blaugrüne Mosaiklibelle und das Grüne Holzpferd. Mit rund 33.000 gebe es etwa zehn Mal mehr Insekten- als Vogelarten in Deutschland, schätzt Sönke Hofmann, der Geschäftsführer des Bremer Nabu. „Und keiner kennt sich mit allen Insekten aus: Es gibt Schmetterlingsforscher, die keine drei Käfer auseinanderhalten können, und umgekehrt.“

Ergebnisse werden online gesammelt

Deshalb konzentrieren sich die auf eine Stunde angelegten Zählungen auf acht Arten. „Der Rest ist Beifang“, sagt Hofmann über andere Insekten, die Beobachtern in der Zeit bis zum 9. August von ihrem selbst gewählten Standort aus in den Blick geraten. Der Umkreis, empfiehlt der Nabu, solle zehn Meter nicht überschreiten – auch der Übersichtlichkeit halber. Unter dem Motto „Wer, was, wann, wo und wie viele?“ sollen Insektenfreunde „zählen, was zählt“. Ergebnisse werden online gesammelt.

„Die ausgewählten Insekten sind Indikatorarten“, sagt Sönke Hofmann. „Nach zehn jährlichen Zählungen kann man vielleicht irgendwann feststellen, dass zum Beispiel die Blaue Holzbiene aus dem Süden im Norden anzutreffen ist. Oder wenn weniger Tagpfauenaugen zu sehen sind, sagt das etwas über die Brennnesseln aus.“

Auch wenn der Spitzenreiter Steinhummel „nach den trockenen Frühjahren leicht im Aufwind“ ist, wie Hofmann sagt, dürfe das nicht davon ablenken, „dass eigentlich Lebensraumverlust droht“.

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„Wir sind ganz schön besorgt, weil es kaum noch Insekten gibt“, sagt Helga Schröder aus Horn-Lehe. Das erklärt die Begeisterung, mit der ihr Mann Dieter auf den Auslöser drückte: „Ich wollte die Hummel auf der Distel fotografieren, und plötzlich flog da die Honigbiene ins Bild.“ Schröders werben in ihrer Wohnanlage für Wildblumenbeete anstelle von Rhododendron. Sie haben außerdem Futterknödel aufgehängt und beobachtet, wie sich „ganze Trupps von Meisen, auch Spechte und Eichelhäher“, darüber hermachten. Vermutlich, weil es zu wenig Mücken gibt, dachten die beiden Naturliebhaber.

Sönke Hofmann kann das aufklären: „Obwohl wir mehr Masse und Vielfalt brauchen, finden die Vögel genug Insekten, die lassen sich nur diese leicht erreichbare Nahrungsquelle nicht entgehen.“ Er freut sich über jedes den Insekten entgegengebrachte Interesse.

„Für viele Leute sind zwar Schmetterlinge schön, die meisten anderen Insekten aber irgendwie bäh: Die stechen mich und nerven“, sagt Hofmann. „Viele wissen zum Beispiel nicht, dass Libellen gar nicht stechen.“ Vielleicht ist auch deshalb die Beteiligung an der Zählung eher gering: In der ersten Runde dieses Jahres kamen 4948 Meldungen mit 46 336 Beobachtungen zusammen, bundesweit. Eigene Daten für Bremen existieren nicht. Jeder Summer zählt.

Weitere Informationen

Wer Insekten zählen möchte, kann sich auf der Homepage des Nabu, Stichwort Insektensommer, über die Details informieren und den Zählbogen finden. Außerdem lädt der Nabu Bremen zum Zählen ein: Donnerstag, 6. August, ab 15 Uhr auf sein Gelände am Vahrer Feldweg 185 ein. Telefon: 04 21/48 44 48 70.

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