Gesundheit

Was Detox-Kuren wirklich bringen

Der Körper entschlackt und entgiftet - das versprechen sogenannte Detox-Kuren. Wissenschaftliche Nachweise dafür gibt es laut Medizinern und Ernährungsexperten nicht. Die Kuren könnten sogar schädlich sein.
01.09.2019, 06:38
Lesedauer: 2 Min
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Von Sabine Meuter
Was Detox-Kuren wirklich bringen

Für den Darm ist es laut Experten besser, sich ballaststoffreich zu ernähren. Neben Getreide- und Vollkornprodukten gehörten fünf Portionen Obst und Gemüse pro Tag dazu.

Robert Günther/dpa

Am Thema Detox scheiden sich die Geister: Die einen glauben an Entgiftungseffekte, für andere handelt es sich um reine Geldmacherei. Was bringen Detox-Kuren wirklich? Und: Gibt es Alternativen? Den Körper reinigen und von Giften befreien, das verspricht eine Detox-Kur. Solche Diäten liegen derzeit im Trend. Sie sollen dem Körper dabei helfen, Gifte und Chemikalien auszuscheiden, die er aufnimmt und von alleine angeblich nicht bewältigen kann. Der Begriff Detox kommt aus dem Englischen und heißt übersetzt Entgiftung.

Warum eine Detox-Kur notwendig sein soll? Anhänger nennen als Grund eine ungesunde Ernährung – aber auch Umweltgifte, Stress, Alkohol und Nikotin. Spezielle Produkte, die im Handel zu kaufen sind, sollen dabei helfen, den Körper zu entschlacken und den Organismus vor Übersäuerung zu schützen. Heilpraktiker René Gräber aus Preetz in Schleswig-Holstein schwört aus diesen Gründen auf Detox-Kuren.

„Zunächst gibt es drei sogenannte Entlastungstage“, beschreibt Gräber. Dabei erfolgt mithilfe von Flohsamen-Pulver eine Darmentleerung. Danach werde fünf Tage lang Wasser, Kräutertee sowie Gemüsesaft getrunken. So sollen Darm und Stoffwechsel angeregt werden. Im Anschluss an die Safttage folgen nach Angaben des Heilpraktikers drei Aufbautage mit Obst und Gemüse oder Rohkostsäften. Zur normalen Kost kehre man schließlich schrittweise zurück. Ergänzt wird eine solche Diät häufig mit Massagen und Bädern. Auch Saunagänge und Spaziergänge an der frischen Luft sowie Yogaübungen sollen das Wohlbefinden stärken.

Die Aussagen der Detox-Anhänger klingen vielversprechend – doch nach Angaben von Experten gibt es keinen wissenschaftlichen Nachweis, dass Detox-Kuren tatsächlich eine Wirkung haben. Zudem drohe der Jojo-Effekt: Nach einer strikten Diät entwickelten manche Heißhunger auf genau die Nahrungsmittel, auf die sie verzichtet hätten. Daher legten manche schnell wieder einige Kilos zu.

Während einer Detox-Kur soll auf übersäuernde Lebensmittel wie Wurst und Fleisch verzichtet werden. „Allerdings kann der Körper nicht übersäuern“, sagt der Internist Professor Johannes Georg Wechsler. Der Präsident des Bundesverbands Deutscher Ernährungsmediziner betont, dass der Körper keine Nachhilfe beim Entgiften benötige: „Der menschliche Organismus kümmert sich um seine Entgiftung selbst, nicht verwertbare Produkte scheidet er von alleine aus“.

Anders sehe es bei akuten Vergiftungen aus, etwa der versehentlichen Einnahme von Reinigungsmitteln. "Das sind Notfälle, in denen ein Arzt zum Beispiel ein Gegengift verabreicht", so Wechsler. "Natürlich kann es nicht schaden, mal eine Zeit lang keinen Alkohol zu trinken oder nicht zu rauchen", stellt der Arzt klar. Völlig unnötig seien außerdem spezielle Detox-Produkte wie beispielsweise Tabletten. „Solche Erzeugnisse sind reine Geschäftemacherei."

Ähnlich sieht das Antje Gahl von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) in Bonn. Sogenannte Detox-Tees seien oft teuer – und das ohne Grund. Denn: Oft handele es sich um übliche Kräutermischungen. Einen entgiftenden Effekt gebe es nicht. „Detox-Anhänger werben mit vielen falschen Aussagen“, betont Gahl.

So gebe es etwa den Mythos Entschlacken. „Im Darm lagern sich aber keine Schlacken ab“, betont die Expertin. Alles, was in den Darm gelange, scheide der Körper aus. Entschlacken, etwa durch Einläufe mit Öl oder Darmspülungen, sei wenig wirksam und sogar gefährlich. Eine dauerhafte Detox-Kur sei nicht empfehlenswert. „Dies kann zu einem Nährstoffmangel etwa an Protein und Fett führen.“ Eine ballaststoffreiche Ernährung sei besser für den Darm, so Gahl. Neben Getreide- und Vollkornprodukten gehörten fünf Portionen Obst und Gemüse pro Tag dazu.

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