Städteslogans Was die Städte uns zu sagen haben

Bremen. Die einen sehen sich als 'Stadt der Moderne', die anderen werben mit 'Unglaublich vielfältig'. Auch 'Stadt am Fluss' ist schon vergeben, genauso wie 'The place to be'. Um was es geht? Mit mehr oder weniger treffenden und witzigen Slogans werben bundesdeutsche Städte für sich. Bremen ist mit 'Bremen erleben!' dabei.
10.01.2010, 06:00
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Was die Städte uns zu sagen haben
Von Ben Zimmermann

Bremen. Die einen sehen sich als 'Stadt der Moderne', die anderen werben mit 'Unglaublich vielfältig'. Auch 'Stadt am Fluss' ist schon vergeben, genauso wie 'The place to be'. Um was es geht? Mit mehr oder weniger treffenden und witzigen Slogans werben bundesdeutsche Städte für sich. Bremen ist mit 'Bremen erleben!' dabei. Die Sprüche sollen den Orten ein positives Image verleihen. Doch ob dies immer - oder zumindest oft - gelingt, darf bezweifelt werden.

Mal ganz ehrlich: Hätten Sie gewusst, dass sich ausgerechnet Chemnitz als 'Stadt der Moderne' versteht? Oder dass sich Saarbrücken als 'unglaublich vielfältig' sieht? Und um gleich auch den Rest aufzulösen: Die 'Stadt am Fluss' (nicht unbedingt ein Alleinstellungsmerkmal) ist Mülheim an der Ruhr, und hinter dem 'Place to be' verbirgt sich die Hauptstadt Berlin.

In Zeiten, in denen geschicktes Marketing mehr denn je tatsächliche Leistung ersetzt, legt sich so ziemlich jede Stadt einen Slogan zu. Doch auch, wenn in den meisten Fällen gut bezahlte Werbeagenturen an den kurzen Sprüchen tüfteln, sind nur die wenigsten wirklich originell und dazu noch prägnant. Kaiserslautern etwa beweist mit 'Wer uns findet, findet uns gut' eine angenehme Portion Selbstironie, und Würzburg alliteriert sehr schön mit 'Welterbe. Weingenuss. Wohlgefühl'.

Und was ist mit Bremen? Mit 'Bremen erleben!' dürfte sich die Hansestadt mit Mittelfeld auf der Kreativitätsskala befinden. Klingt ganz nett, könnte aber auch für jede x-beliebige Stadt stehen. Bremerhaven hat es als Küstenort da schon besser. Mit 'Meer erleben' überflügelt die Stadt ihre größere Schwester - zumindest in sprachlicher Hinsicht. Und es lässt sich wunderbar mit dem Bremer Slogan verbinden.

Klingt so schön wie Berlin-Marzahn

Der Vorwurf der fehlenden Unverwechselbarkeit lässt sich wahrscheinlich in 80 Prozent aller Fälle erheben (siehe oben). Somit befindet sich Bremen in bester - oder schlechter - Gesellschaft. Doch auf den Slogan selbst kommt es auch gar nicht in erster Linie an, sagt zumindest Klaus Sondergeld, für Standortmarketing zuständiger Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Bremen (WFB). Deren Vorgänger, die Bremer Marketing GmbH, hatte 1999 bei einer Ausschreibung unter Werbeagenturen den Slogan 'Bremen neu erleben' entwickeln lassen. Die Stadt wollte ihr hanseatisches Image um das eines Kultur- und Wirtschaftszentrums erweitern. Einige Jahre später wurde das 'neu' gestrichen. 'Wenn man lange damit am Markt ist, ist es halt nicht mehr neu', sagt Sondergeld.

Doch der Spruch allein steht für ihn nicht im Vordergrund. Vielmehr gehe es 'um die Kreation Bild-Wort-Marke'. Und die besteht aus zwei Quadraten in den Bremer Traditionsfarben Rot und Weiß. Im ersten Kästchen finden sich die Bremer Stadtmusikanten und das Wort 'Bremen' wieder, im zweiten ist über dem 'erleben' noch Platz für Erweiterungen. Bei der Bewerbung als 'Kulturhauptstadt' hat man eben jenes Wort noch hinzugefügt, genauso wie 'Stadt der Wissenschaft' im Jahr 2005.

'Das Wichtigste ist die visuelle Wiedererkennbarkeit', sagt Sondergeld über das Logo. Die Stadtmusikanten sorgten dabei für die Einzigartigkeit. Wie 'mit einem Gütesiegel' können die Stadt und verschiedene Einrichtungen, wie etwa Museen, damit werben. Und weil man sehr zufrieden mit dem Signet sei, werde man es auch 'noch lange beibehalten'. Andere Städte dagegen sollten sich vielleicht doch mal überlegen, sich einen neuen Slogan zuzulegen. So klingt 'Leben. Im Quadrat' (Mannheim) im besten Falle rätselhaft, im schlechteren nur abtörnend. Nicht besser ist es bei der 'Einkaufsstadt' Essen. Hört sich an wie ein Shoppingcenter an der Autobahn.

Dabei haben es einige Städte ja auch wirklich schwer; aus einem hässlichen Entlein ist nun mal kein schöner Schwan zu machen. An Bottrop oder Herne werden sich selbst die Kreativen der Agentur 'Jung von Matt' die Zähne ausbeißen. Man kann natürlich auch der Wahrheit einfach ins Gesicht schauen, wie Neuss bei Düsseldorf. Doch 'Soziale Großstadt' verströmt genauso viel Esprit wie Berlin-Marzahn.

Wirklich Überzeugendes bieten auch die wenigsten Bundesländer. Das niedersächsische 'Immer eine gute Idee' kommt etwas bieder daher; da klingen die Sprüche, die künftig auf Lkw für das Land als Logistikstandort werben, origineller: 'Niedersachsen: Wir haben viele Anhänger' oder 'Niedersachsen sind wie die Stones: immer auf Tour'. Einen echten Volltreffer landete Baden-Württemberg. Sein 'Wir können alles. Außer Hochdeutsch.' ist wahrscheinlich der witzigste und - vielleicht gerade deshalb - bekannteste Slogan. Ironie der Geschichte: Auch Sachsen war er angeboten worden. Doch dort bewies man weniger Souveränität beim Umgang mit dem eigenen Dialekt. Nun müssen die Bewohner mit 'Land von Welt' leben - gähn.

Es zeigt sich also: Mit einer gehörigen Portion Selbstironie hat man schon fast gewonnen. Vielleicht sollte es Flensburg mal mit 'Bei uns können Sie punkten' probieren. Und in Anbetracht der vielen Jahrezehnte, die die Fans von Schalke 04 schon vergebens auf die Meisterschaft warten, könnte Gelsenkirchen werben mit 'Stadt im Pott - aber ohne Schale'. Zumindest die Bremer würden sich darüber freuen.

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