Gastbeitrag von Schülern und Schülerinnen Wie eine Bremerhavener Schule an Sophie Scholl erinnert

Eine Influencerin oder ein feministisches Vorbild? Was Schüler und Schülerinnen der Berufsbildenden Schule Sophie Scholl in Bremerhaven heute über die Namensgeberin denken.
09.05.2021, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Petra Kinkeldey-Vollmer

Sophie Scholl war eine deutsche Studentin und Widerstandskämpferin gegen den Nationalsozialismus. Einige Schulen in Deutschland sind nach ihr benannt worden, was den Schülerinnen und Schülern hilft, sich über das frühere Leben und die damaligen Schwierigkeiten der Menschen zu informieren. Es erinnert einen daran, wie mutig Sophie damals war, gegen den Strom zu schwimmen.

Sophie setzte sich gegen Rassismus ein, was auch heutzutage eine große Rolle spielt. Dies ist sehr wichtig, denn es sollte kein Mensch wegen seiner Herkunft erniedrigt werden, denn es ist egal, welche Herkunft du hast: Jeder Mensch sollte respektvoll behandelt werden. Eine eigene Meinung zu haben und dafür einzustehen – dafür war Sophie bekannt. Sie tat nicht das, was alle anderen taten. Sie tat das, was sie für richtig hielt, auch wenn sie dafür schließlich mit dem Leben bezahlt hat. Sophie war eine Widerstandskämpferin im Nationalsozialismus. Ihr war klar, in welche Gefahr sie sich begibt, und sie hat es dennoch getan. Sie wurde vom Richter zum Tode verurteilt und noch am selben Tag hingerichtet, dies sollte nicht in Vergessenheit geraten.

Sophie Scholl hat es verdient, nicht vergessen zu werden, deshalb es ist eine gute Idee, eine Schule nach ihr zu benennen. Was Sophie gemacht hat, ist heute noch eine wichtige Lehre, zum Beispiel, dass man nicht leise sein soll, wenn man etwas unmenschlich findet. Man soll reden, kämpfen und seine Meinung sagen. Sophie ist ein Symbol der Hoffnung. Das heißt: Ganz gleich, wie schlimm die Lage ist, man soll nicht aufgeben. Sophie Scholl wollte, dass alle Menschen in Frieden leben können und keine Angst davor haben müssen, was morgen noch passieren könnte. Sie war der Meinung, dass alle Menschen gleich behandelt werden sollten.

Sophie Scholl war eine junge Frau, die sich während des Zweiten Weltkriegs an der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ beteiligte. Zusammen mit ihrem Bruder und gemeinsamen Freunden verfassten sie sechs Flugblätter, in welchen sie zum aktiven Widerstand gegen das Hitler-Regime aufriefen. Sie wollten die Menschen zum Nachdenken anregen, auf Fehler hinweisen und die herrschenden Verhältnisse verändern. Doch inwiefern lässt sich Sophie nun in Verbindung mit dem Einsatz für Frauenrechte bringen?

Ein Vorbild für Feministinnen?

Das Frauenbild in der Ideologie des Nationalsozialismus ab dem Jahr 1933 war ziemlich simpel: Sie sollte viele Kinder bekommen, die Mutterrolle übernehmen, die sogenannte deutsche Rasse verbreiten. Je mehr Kinder eine Frau bekam, umso mehr wurde sie gelobt und bekam als höchste Auszeichnung das Mutterkreuz verliehen.

Sophie Scholl interessierte sich für Politik, und hat damit nicht dem gängigen Frauenbild entsprochen – die Ablehnung gegen Hitlers Diktatur überwog. Zwar stand hierbei nicht im Fokus, das Frauenbild zu ändern, doch hinderte es sie auch nicht daran, die Flugblätter zu drucken, an das Gewissen des Einzelnen zu appellieren und auf die Schandtaten Hitlers hinzuweisen. Für diese Überzeugung bezahlte Sophie mit ihrem Leben.

Noch heute besteht innerhalb der Gesellschaft eine klare Vorstellung davon, wie eine Frau zu sein hat. Ein sexistischer Witz hier, eine unpassende Bemerkung da. Doch Sophie Scholl ist ein gutes Beispiel dafür, dass man sich als Frau nicht von gesellschaftlichen Rollenbildern beeinflussen lassen sollte. Lebe den Beruf aus, der dich glücklich macht – ob er nun von vielen Menschen als Männerberuf angesehen wird oder nicht. Du musst keine Hausfrau sein, wenn du es nicht möchtest. Sophie Scholl hat aber auch noch eines ziemlich klargemacht: dass man sich für seine Mitmenschen einsetzen sollte. Zivilcourage ist wichtig, denn jeder benötigt irgendwann mal Hilfe.

Das Schicksal der jungen Frau lässt sich leider nicht mehr ändern, doch kann man einiges von ihr lernen. Man sollte ihre Geschichte dementsprechend gut in Erinnerung behalten.

Ein modisches Vorbild?

Eine einfach geschnittene Bluse und ein schlichter Rock, eine Strickjacke dazu, das war der Stil von Sophie. Ihr Einsatz für Freiheit und Gerechtigkeit war ihr augenscheinlich wichtiger als die neusten Modetrends, damit wollte sie ihre Zeit verbringen. Sie hat sich nicht vorschreiben lassen, wie sie auszusehen hatte. Sie trug eben das, was ihr selbst am besten gefiel. Dadurch entsprach sie wohl nicht so sehr dem modischen Ideal ihrer Zeit; aus Trends schien sie sich nichts zu machen. Frauen trugen damals oft lange Haare, Sophie hatte einen kinnlangen Haarschnitt. Wie würde Sophie wohl als junge Frau von heute aussehen?

Vielleicht würde sie weit geschnittene, bequeme und eher lang ausfallende Sachen anziehen – ein bisschen oversized. Immerhin wurde sie von ihren Eltern im Sinne christlicher Werte erzogen. Vermutlich würde sie Kleidung in grau oder beige tragen und klassische Schuhe, vielleicht mit einem kleinen Absatz.

Eine Influencerin?

Damals hat sie Flugblätter verteilt, heute würde Sophie Scholl wohl das Internet für die Verbreitung ihrer Ansichten nutzen. Vielleicht hätte sie einen Blog zu sozialen und politischen Themen. So könnte sie viele Menschen erreichen. Denn: Je mehr mitmachen und je mehr öffentliche Aufmerksamkeit es gibt, desto größer ist auch die mediale Resonanz und Verbreitung der Inhalte.

Damals konnte eine Meinung nur heimlich geäußert werden, wenn sie der Mehrheitsmeinung nicht entsprach, heute gilt Meinungsfreiheit. Das heißt, man darf sich zu allem äußern und demonstrieren. Vielleicht wäre sie eine Aktivistin bei Fridays for Future, Bremerhaven bleibt bunt oder Black Lives Matter? Oder sie würde bei Tik-Tok unter dem Hashtag #respectwomen mitmachen? Der Name Sophie Scholl wurde im November am Rande einer „Querdenker“-Demo genannt, aber ist das im Sinne von Sophie? Ist dies das ein Vorbild von heute? Sicherlich gibt es unterschiedliche Meinungen über die Bedeutung ihres Lebenswerkes, aber Sophie Scholl war, ist und bleibt ein Vorbild!

Berufsfachschule Gestaltungstechnische ­Assistenz/Modedesign, (1. Ausbildungsjahr, Klasse MD20) mit Politiklehrerin Petra ­Kinkeldey-Vollmer

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