Großkundgebung in Bremen

Was sie zur Bauerndemo in Bremen am Freitag wissen müssen

2000 Landwirte aus Bremen und dem Nordwesten kommen am Freitag zu einer Großkundgebung auf den Markt. Die Polizei warnt vor erheblichen Auswirkungen auf den Verkehr durch die Trecker-Demo.
16.01.2020, 16:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Nina Willborn und Marc Hagedorn
Was sie zur Bauerndemo in Bremen am Freitag wissen müssen

Ein Traktor reiht sich an den nächsten: So wird es voraussichtlich auch entlang des Bürgerparks aussehen, wenn die Landwirte in Bremen protestieren.

Sina Schuldt/DPA

Für Fans von landwirtschaftlichen Nutzfahrzeugen wird dieser Freitag ein Festtag, für normale Verkehrsteilnehmer dagegen wird er wohl eher anstrengend. Nach Aktionen in Berlin, Hamburg, Oldenburg und Hannover wollen die Landwirte nun auch in Bremen ihren Ärger über die Agrarpolitik der Bundesregierung zum Ausdruck bringen.

Freitag ab 8 Uhr wird die Parkallee gesperrt. Straßen direkt an der Weser sollten weiträumig umfahren werden.

Freitag ab 8 Uhr wird die Parkallee gesperrt. Straßen direkt an der Weser sollten weiträumig umfahren werden.

Wer kommt? Angesagt haben sich laut Jan Geerken, einem der Organisatoren der Großkundgebung, zu der das Agrarbündnis „Land schafft Verbindung“ aufgerufen hatte, mehr als 2000 Landwirte von Betrieben aller Größenordnungen aus dem ganzen Nordwesten. Ein Großteil von ihnen rollt mit Treckern und Traktoren an, erwartet werden die ersten schon am frühen Morgen. Als Sammelparkplatz dient die Parkallee. Unterstützung erhalten die Landwirte von Bauern aus den Niederlanden. Auch dort bestimmen seit Monaten Demonstrationen den Alltag. Für Bremen haben Vertreter der Farmers Defence Force (FDF) ihr Kommen angekündigt.

Die FDF hatte sich Mitte des vergangenen Jahres als eine Art Selbstverteidigungsbündnis gegen radikale Tierschützer gegründet. Inzwischen ist sie eine treibende Kraft der Bauernproteste in Holland. Dort fühlen sich die Landwirte als „Umweltverschmutzer und Subventionsgewinner“ verunglimpft. Genau wie ihre Kollegen in Deutschland fordern sie „mehr Respekt und weniger Regeln“. Die Unterstützung aus Holland ist quasi ein Gegenbesuch: Kurz vor Weihnachten hatten deutsche Bauern aus der Grenzregion zum Gelderland, etwa aus Bocholt und Kleve, die Proteste in Arnheim mit angeblich über 500 Treckern unterstützt.

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So läuft die Kundgebung: Nach ihrer Anreise machen sich die Landwirte von Schwachhausen zu Fuß auf in Richtung Marktplatz – allerdings nicht als geschlossener Demonstrationszug, sondern einzeln oder in Gruppen. Vor der Bürgerschaft beginnt um 13 Uhr die Kundgebung, bei der sie auf ihre Probleme aufmerksam machen wollen. Themen sind unter anderem die neue Düngeverordnung und strengere Auflagen zum Natur- und Tierschutz, die Bauern fürchten finanzielle Einbußen und erschwerte Arbeitsbedingungen.

Geplant sind zehn Reden, Landwirte aus der Region sprechen ebenso wie eine Kollegin aus den Niederlanden und die niedersächsischen Landtagsabgeordneten Karl-Heinz Hausmann (SPD) und Helmut Dammann-Tamke (CDU) und Christian Dürr, Fraktionsvize der FDP im Bundestag. Die bremische Politik vertritt Umweltsenatorin Maike Schaefer (Grüne). Ihr wollen die Landwirte auch ein Positionspapier überreichen. „Wir wollen mit Menschen ins Gespräch kommen“, sagt Organisator Geerken. Die Kundgebung soll bis etwa 15 Uhr dauern. Danach machen sich die Landwirte wieder auf ihre Heimwege.

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Das sind die Auswirkungen: Wenn rund 2000 Landwirte mit ihren Traktoren durch Bremen fahren, bleibt das nicht ohne Folgen für den Rest der Bevölkerung. Autofahrer sollten an diesem Freitag schon ab dem frühen Morgen mit Behinderungen auch auf den Bundesstraßen im Umland rechnen. Die Parkallee ist stadteinwärts zwischen Wetterungsweg und Am Stern ab acht Uhr gesperrt. „Wir rechnen in der gesamten Stadt mit Einschränkungen“, sagt Polizeisprecher Nils Matthiesen. Besonders eng könnte es auch rund um Osterdeich und Martinistraße werden. Die Polizei empfiehlt, diese Bereiche „weiträumig zu umfahren“. „Wann hatten wir schon mal 2000 Trecker in Bremen? Da ist bei den übrigen Verkehrsteilnehmern auch Geduld gefragt“, sagt Matthiesen.

Auch bei der Bremer Straßenbahn AG (BSAG) haben sie sich auf die Großveranstaltung eingestellt. Sonderfahrpläne für Bahnen und Busse wird es aber nicht geben, erklärt BSAG-Sprecher Andreas Holling. „Wie bei anderen Demonstrationen auch beobachten wir die Lage“, sagt er. „Wir haben an den neuralgischen Punkten Kollegen vor Ort.“ Je nach Verkehrssituation kann es passieren, dass die Fahrzeuge umgeleitet werden und Haltestellen nicht angefahren werden. Holling: „Wir hoffen, dass die Auswirkungen überschaubar bleiben.“ Das hoffen übrigens auch die Landwirte. „Es geht uns nicht darum, Autobahnen zu blockieren und wir wollen die Leute auch nicht verärgern“, sagt Jan Geerken, „aber die Schlepper sind unser Mittel zum Zweck.“

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