Umgang mit Falschmeldungen Was tun gegen Fake News?

Flüchtlinge bekommen Gutscheine fürs Bordell, Grüne wollen mehr Flüchtlinge nach Deutschland holen – alles Lüge. Gezielte Falschinformationen als solche zu erkennen, ist für viele Mediennutzer nicht einfach.
25.04.2017, 06:51
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Was tun gegen Fake News?
Von Antje Stürmann

Flüchtlinge bekommen Gutscheine fürs Bordell, Grüne wollen mehr Flüchtlinge nach Deutschland holen – alles Lüge. Gezielte Falschinformationen als solche zu erkennen, ist für viele Mediennutzer nicht einfach.

Die SPD-Fraktion hatte am Montagabend in den Festsaal der Bremischen Bürgerschaft eingeladen, um über den Umgang mit sogenannten Fake News zu informieren. Von ihren Podiumsgästen wollte der medienpolitische Sprecher, Rainer Hamann, wissen: Braucht das Land strengere Gesetze und bringen die sogenannten Fake News womöglich unsere Demokratie in Gefahr?

Blogger und Politikberater Martin Fuchs glaubt: nein. Zum einen, weil es zu viele Quellen gebe. "Eine Wahlentscheidung ist komplexer als drei Fake News zu sehen." Zum anderen sei das Phänomen nicht neu: "Schon in der Demokratie des alten Griechenlands haben Politiker versucht, ihre Meinung mit Fake Newsdurchzubringen."

Neue Instanzen nötig

Damals hätten sie schnell verstanden, dass es neue Instanzen brauche, um damit umzugehen. "Wir brauchen auch heute neue Instanzen, die Inhalte prüfen und kontrollieren", fordert Fuchs. Das Konsum- und Informationsverhalten der Menschen habe sich verändert. Rund 84 Prozent, also fast jeder habe Zugang zum Internet und sei selbst Verleger. "Jeder kann ohne Grips neue Nachrichten produzieren", so Fuchs. Nachrichten könnten dank Smartphone überall konsumiert werden, sie werden schnell wahrgenommen und weiterverbreitet. Mediennutzer zwischen 14 und 29 Jahren informierten sich vor allem in sozialen Netzwerken. "Allerdings konsumieren sie klassische Nachrichtenquellen und Medien, die dort präsent sind", so Fuchs. Inzwischen nutzten 80 Prozent aller Deutschen, die online sind, soziale Medien wie Whatsapp, Facebook und Instagram. In den vergangenen Jahren sei aus dem Internet nach dem Fernsehen die wichtigste Informationsquelle geworden. Kein Wunder also, dass dubiose Plattformen wie Anonymous, Compact online oder Politically Incorrect leichtes Spiel haben. In Deutschland, so Fuchs, gebe es so gut wie gar keine Netzwerke dieser Art. Einer Studie des deutschen Hans-Bredow-Instituts zufolge habe eine sehr kleine Minderheit angegeben, dass die alleinige Quelle für ihre Informationen die sozialen Netzwerke sind.

Auf der Suche nach Lösungen sagte Journalistin Alexandra-Katharina Kütemeyer: "Ich fürchte, wir müssen entschleunigen. Die Geschwindigkeit, mit der wir unterwegs sind, verführt dazu, Fakten vorschnell als wahr zu begreifen." An die Journalisten appellierte sie, sich an ihr Handwerkszeug zu halten und die Glaubwürdigkeit von Quellen zu hinterfragen. Kütemeyer regte zudem an, Fehler transparenter zu korrigieren. Schüler müssten lernen, wie sie Fake News erkennen und Medieninhalte funktionieren. Eine Verschärfung der Auskunftspflicht eines jeden Netzwerkbetreibers hält der Dekan der Rechtswissenschaften an der Universität Bremen, Lorenz Kähler, aber für zu viel des Guten - auch zum Schutz der Meinungsfreiheit. Kähler befürwortet stattdessen die Gründung kleiner Initiativen, die im Auftrag von Geschädigten deren Rechte einklagen dürfen und ihnen so teure Prozesse ersparen. Die Medien zu regulieren, solle der Staat den Gerichten überlassen. "Diese können flexibler reagieren als eine neue Behörde", so Kähler. Martin Fuchs schlug eine von Verlagen finanzierte "Stiftung Fake-Test" vor.

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