Schöner Schiet auf Wegen, Gartenmöbeln, Autos

Was Vögel in Bremen hinterlassen

Gibt es dieses Jahr besonders viel Vogelschiet in der Stadt? Der Eindruck könnte täuschen: In Bremen hat es weniger geregnet. Dennoch: Der Kot ist da und fordert Be- und Getroffene zum Handeln heraus.
11.06.2019, 05:55
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Was Vögel in Bremen hinterlassen
Von Justus Randt
Was Vögel in Bremen hinterlassen

Zack, Fleck am Lack. Vogelkot ist überall. Das liegt vermutlich weniger an der Brutzeit als am Regenmangel.

Frank Thomas Koch

Alles Gute kommt von oben. Mag sein, aber es gibt kleine Einschränkungen, zum Beispiel in Gestalt von Vogelkot, und die können sich summieren. Das ist unter Umständen ätzend und zersetzend. Auf Autolack ebenso wie an Gebäudefassaden. Bremer Experten berichten von ihren Erfahrungen.

Schöner Schiet, meint mancher Beobachter, dass es in diesem Frühjahr auch noch extra viel davon zu geben scheint. Das gibt einiges zu denken. Wer abergläubisch ist, hofft auf baldigen Kontakt mit der glückspendenden Materie, andere gehen vorsorglich in sich, wie noch gleich Omas Tipps zur spezifischen Textilbehandlung lauteten.

Viele Vögel? Das findet der Bremer Naturschutzbund-Geschäftsführer Sönke Hofmann natürlich gut. Auch mit Blick auf das Usutu-Virus, das der Amsel arg zu schaffen gemacht hatte. Dass aber mehr Vogeldreck als in früheren Jahren vom Himmel fiele, hält er doch eher für unwahrscheinlich. „In diesem Frühjahr haben wir einfach ungewöhnlich wenig Regen, das wäre meine Erklärung.“ Das heißt: Alles ist wie immer, nur wäscht es niemand weg.

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„Dass uns ein Auftrag erreicht, Vogelkot zu entfernen, geht gegen null“, sagt Gebäudereinigermeister Boris Söffge, Mitgeschäftsführer der Söffge Gebäudereinigung in Bremen. „Wir sind nur für innen zuständig. Für uns ist das eher ein visuelles Problem, wenn die Tauben Nistplätze in der City-Gate-Fassade finden. Da hat man die Vergrämung versäumt, wie früher an der Bremer Landesbank.“ Für Söffge ist Vogelkot ein Fall für Schädlingsbekämpfer.

"So einer ist Jens Bozetti, einer der Chefs der Bremer Firma BSB. Er kann bestätigen: „Das Thema Vogelkot wird von den meisten Leuten unterschätzt. Wenn ich sehe, dass immer noch Tauben gefüttert werden, denke ich manchmal, unsere Arbeit ist umsonst.“ Als beeindruckendes Beispiel am Rande führt er Fischreiher an, deren Kot „ganze Baumkolonien zerstören“ könne. Es gehe um „mehr als unangenehme optische Aspekte, Milben zum Beispiel, gerade Taubenkot ist sehr aggressiv“.

„Es gibt große regionale Unterschiede, in Bremerhaven haben wir auch schon Möwen vergrämt. Und Spatzen, die sich in einer Kornmühle niedergelassen hatten. Hier sind es meinem Eindruck nach meistens verwilderte Haustauben“, sagt Bozetti. „Das sind Schwarmvögel, die relativ viel Nahrung aufnehmen ... Schon ein Vogel kann ein Riesenproblem sein.“

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Für den privaten Balkon beispielsweise rät der Experte, „das Habitat zu verändern, sodass es für die Tiere unattraktiv wird“. Das sei der geringstmögliche Eingriff. Spikes und Netze eigneten sich nicht überall, Niedervoltanlagen „wie im Weidezaun“ seien effektiver, können aber auch für Menschen unangenehm sein. Insofern sei der private Balkon „ein sehr schwieriges Gebiet“, sagt Jens Bozetti. „Zum Problem wird Vogelkot, wo er in Mengen liegen bleibt.“

Wer mit der Wortkombination Volksmund und Vogelkot im Internet auf die Suche geht, erfährt, dass, wer getroffen wird, auf Glück hoffen dürfe. Andere Quellen wie das Online-„Lexikon der Traumsymbole“ sehen in Vogelkot „allgemein betrachtet in erster Linie eine Aufforderung an den Träumenden. Er soll sich von einem Problem, welches bisher nicht abgeschlossen oder verarbeitet ist, loslösen“.

Wie im wachen Leben kommt es auch ein bisschen darauf an, um welchen Vogel es sich handelt – und wie groß das Problem einzuschätzen ist. Geht es um Jacke, Hemd oder Hose, gehen die Haushaltstipps in eine Richtung: Den Vogeldreck gründlich trocknen lassen, dann vorsichtig ausbürsten und das Kleidungsstück wie gewohnt in die Wäsche geben. Im heimischen Garten, beispielsweise unter beliebten Schlafbäumen, kann sich sammelnder Vogelkot in hoher Konzentration zu Überdüngung führen. In der Fläche angewendet, gelten die zu Guano konzentrierten Exkremente von Pelikanen, Tölpeln und anderen Seevögeln wiederum als Superdünger und Pflanzenliebling.

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Ein anderer Liebling wiederum, das Auto, dessen sich auch viele Gartenfreunde bedienen, reagiert zumindest an der Oberfläche kritisch auf Vogelkotkontakt: „Wir haben durchaus öfter Probleme damit“, sagt Ralph Orléa. Der stellvertretende Obermeister der Bremer Innung des Kraftfahrzeugtechniker-Handwerks stellt umfangreiche Arbeiten in Aussicht, „wenn der Vogelkot länger auf Autodächern oder Motorhauben klebt und dann oft noch von der Sonne eingebrannt wird, gibt es keine andere Lösung mehr, als zu lackieren“. Pro Dach oder Haube schlage dies mit rund 1000 Euro zu Buche.

„Seitlich ist die Trefferquote am Auto ja nicht so groß.“ Autoversicherer haben in der Vergangenheit mit der Unabweisbarkeit von Lackschäden durch Vogelkot als Naturereignis argumentiert und nicht gezahlt. Um Verätzungen des Lacks zu verhindern, sollte möglichst schnell mit Wasser nachgespült und poliert werden, „dann hat man es meistens weg“, sagt Orléa.

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Gewissheit habe man ersten nach dem Polieren: „Man merkt dann, ob alles blank wird – oder ob die Stellen am Rande des Fleckes matt bleiben.“ Ähnliche Schäden, warnt der Fachmann, könne auch verursachen, wer Autolack mit Sonnencreme in Kontakt bringe: „Das brennt sich dann für Jahre ein.“ Dieser Tage soll mehr des Guten von oben über Bremen kommen. Die Wettervorhersage verspricht Wasserspülung.

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