Urlaub in Corona-Zeiten

Was wird aus den Herbstferien?

Was wird angesichts der steigenden Zahlen neuer Corona-Infektionen aus den Herbstferien? Fragen und Antworten, die Urlauber vor Reiseantritt kennen sollten.
09.10.2020, 05:00
Lesedauer: 5 Min
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Was wird aus den Herbstferien?
Von Jürgen Hinrichs
Was wird aus den Herbstferien?

Nach zuletzt wieder stark gestiegenen Infektionszahlen könnte der Herbsturlaub schwieriger werden.

Manuel Navarro /dpa-tmn

Beherbergungsverbote und Forderungen nach negativen Corona-­Tests: Für viele Reisende wird Herbsturlaub nun schwieriger – und auf manche Fragen, die sich nun stellen, sind die Antworten noch offen.

Worauf bezieht sich das Beherbergungsverbot?

Das Verbot zielt auf kommerzielle Angebote. Damit gemeint sind Hotels und Ferienwohnungen, aber auch die Stellflächen auf Campingplätzen. Wer einen privaten Gast aufnimmt, der aus einem Risikogebiet anreist, kann das tun. „Das ist in den Verordnungen zwar nicht überall eindeutig formuliert, aber solange kein Geld für die Übernachtung genommen wird, spricht nichts dagegen“, sagt Lorenz Kähler von der Universität Bremen. Der Jura-Professor betont, dass es sich bei den untersagten Beherbergungen nicht um ein pauschales Verbot handele. Gäste, die einen aktuellen und negativen Corona-Test vorweisen, könnten aufgenommen werden.

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Kann ich als Urlauber aus einem Risikogebiet meine Reise kostenfrei stornieren?

„Nein“, sagt Kähler, „erst einmal nicht.“ Die Frage sei, ob es eine zumutbare Bedingung gibt, die Reise anzutreten. Mit der Möglichkeit, vorher einen Corona-Test zu machen, sei so eine Bedingung erfüllt. Allerdings: „Gibt es kurzfristig keine Möglichkeit, sich testen zu lassen, kann die Reise nicht angetreten werden.“ Dann werde keine Leistung erbracht, ohne dass der Grund dafür beim Gast liegt. Der Deutsche Ferienhausverband stellt in Frage, ob der Test für den Gast zumutbar sei. Es gebe dazu noch keine Gerichtsurteile.

Was sagen die Hoteliers?

Die Tourismusbranche und der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) fürchten, dass viele Menschen nun auf eine kurzfristige Reise im Herbsturlaub verzichten. Der Dehoga fordert bundeseinheitliche Regeln für den Umgang mit Touristen aus Deutschland. Im Nordosten schauen die Betreiber auf die Entwicklung der Infektionszahlen in Berlin. „In traditionellen Reisezielen der Berliner wie Usedom und Rügen kommen aktuell 30 bis 40 Prozent der Buchungen aus der Bundeshauptstadt. Wenn die Corona-Ampel dort auf Rot gestellt wird, weiß ich nicht, wie die Hoteliers bei uns die geltenden Corona-Quarantäneverordnung umsetzen sollen“, sagt der Präsident des Landesverbandes, Lars Schwarz.

Welche Strafen drohen?

In Bayern wird es für Hotels, Campingplätze oder Pensionen, die Gäste aus Risikogebieten aufnehmen, teuer. Der Bußgeldkatalog sanktioniert das Vergehen dort mit 5000 Euro. Gäste aus Risiko­gebieten müssen dagegen kein Bußgeld fürchten. Die Landesregierungen in Schleswig-Holstein und Niedersachsen arbeiteten am Donnerstag noch an ihrer Verordnung.

Ist die Ansteckungsgefahr auf der Couch bei Freunden größer?

Grundsätzlich kann man sich überall infizieren. In Schleswig-Holstein sind auch Familienbesuche ohne Test möglich, in Mecklenburg-­Vorpommern bei engsten Angehörigen. Für Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) liegt der Hauptunterschied darin: In Hotels gebe es sehr viele Gäste, somit könne das gesamte Hotel ein Infektionsherd sein. „Man stelle sich vor, wir haben jetzt eine Übertragung der Infektion in touristische Gebiete. Dann ist das fast das Ende des Tourismus, und zwar dauerhaft“, warnt er.

Muss mir ein Corona-Test gewährt werden, damit ich den gebuchten Urlaub antreten kann?

Einen Anspruch, sich vor Reisebeginn auf Corona untersuchen zu lassen, haben Urlauber nicht. Vorrang haben wegen der begrenzten Kapazitäten zum Beispiel Risikogruppen, Pfleger und das Personal in den Schulen.

Was ist mit den Pendlern, die in eine Risikogebiet fahren, um zu ihrem Arbeitsplatz zu kommen?

Kähler hält das für „gerade noch zulässig“. Man dürfe sich in solchen Gebieten ja weiterhin frei bewegen. Sollte sich ein Gesetzgeber mit dieser Frage beschäftigen, würde er sicherlich zwischen dauerhaft Wohnen und sich regelmäßig Aufhalten differenzieren, um dann eine Entscheidung treffen. In Zeiten der Verordnungen müsse aber stärker pauschalisiert werden.

Wie ist die Lage in den einzelnen Bundesländern?

Die Mehrheit der Bundesländer hat sich für ein Beherbergungsverbot entschieden: Bayern, Baden-Württemberg, Rheinland-­Pfalz, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Hessen, Saarland, Brandenburg, Hamburg, Schleswig-Holstein und seit Donnerstag auch Niedersachsen, das zunächst Bedenken hatte. Bremen und Berlin scheren aus. Dort gibt es vorerst kein Beherbergungsverbot für Menschen aus Risikogebieten. Ausgeschlossen wird es für die nächsten Tagen aber nicht. Thüringen setzt auf regionale Lösungen. Mecklenburg-Vorpommern bleibt bei seinen vergleichsweise strengen Regeln mit Reisebeschränkungen, Beherbergungsverbot und der Quarantänepflicht für Besucher aus Risikogebieten. Sie dürfen darüber hinaus nur dann einreisen, wenn ein aktuelles ärztliches Attest vorliegt.

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Wie kommt man zu einem Test-Termin ?

Wer für eine bald anstehende Reise im Urlaubsgebiet einen negativen Corona-Test vorweisen muss, sollte sich zeitnah um einen Test-Termin kümmern, empfiehlt Prof. Tomas Jelinek vom Centrum für Reisemedizin (CRM) in Berlin. Er rät zu genügend Puffer zur geplanten Abreise: „Wenn die Teststelle versprechen kann, dass das Ergebnis in der Regel in 24 Stunden vorliegt, würde ich, wenn ich beispielsweise am Freitag abreise, den Termin auf Mittwoch legen.“

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Wer nur einen Tag Puffer zwischen Test und Reisetermin einplant, gehe dagegen ein kleines Risiko ein. Jelinek moniert, dass Menschen ohne tatsächliche Beschwerden „etwas in eine Lücke“ fielen: „Für Leute mit Symptomen oder Reiserückkehrer gibt es die Zentren der Kassenärztlichen Vereinigungen, aber wer wegfahren will, der hat keine klare Ansprechadresse.“ Reisewillige, die einen negativen Corona-Test brauchen, wenden sich am besten an ihren Hausarzt oder eine Praxis für Reisemedizin. Das Gesundheitsamt ist für sie nicht die richtige Adresse.

Was kostet ein Corona-Test?

Liegen keine Symptome vor, wird der Test von der gesetzlichen Krankenkasse in der Regel nicht übernommen. Die Kosten müssen Reisende dann selbst tragen. Pro Person sind das rund 120 Euro für die Laboranalyse und rund 20 Euro für den Abstrich beim Arzt.

Wie wird die 48-Stunden-Frist gezählt?

Die 48-Stunden-Frist startet in dem Moment, in dem die Maschine im Labor den Befund ausspuckt. Folglich ist es gut, wenn dieser dann schnell beim Getesteten landet – bei Jelineks Praxis zum Beispiel können die Getesteten die Befunde online herunterladen.

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Welche Storno-Gebühren gelten bei Bahn-­Tickets?

Flexpreis-Tickets der Deutschen Bahn lassen sich bis vor dem ersten Geltungstag kostenlos umtauschen oder stornieren. Sparpreis-­Tickets lassen sich bis vor dem ersten Geltungstag für 10 Euro stornieren. Passagiere erhalten dann einen Storno-Gutschein mit drei Jahren Gültigkeit, der für spätere Fahrten genutzt werden kann. Sitzplatzreservierungen lassen sich einmalig kostenlos umtauschen. Supersparpreis-Tickets dagegen sind laut Bahn vom Umtausch oder einer Stornierung ausgeschlossen.

Das gleiche gilt für Länder-­Tickets und Quer-durchs-Land-Tickets. Ausnahme sind hier Tickets, die bis einschließlich 13. März 2020 – also schon vor der Pandemie – gebucht worden sind. Die bekannten Umtausch- und Stornierungsregeln für den Supersparpreis gelten auch weiterhin, wie ein Sprecher der Bahn auf Anfrage bestätigte. Spezielle Ausnahmen angesichts der neuen Regeln für Reisende aus Corona-Risikogebieten gibt es also aktuell nicht. Die Deutsche Bahn empfiehlt das Buchen von stornierbaren Tickets.

Und welche Stornogebühren gelten bei Flugtickets?

Grundsätzlich gilt: Findet ein Flug statt, kann der Reisende nicht einfach ohne Stornogebühren sein Ticket zurückgeben. Wer einen Inlandsflug zu einem Urlaubsziel gebucht hat, der sich nun aufgrund der Regeln nicht mehr lohnt, sollte prüfen, ob er gebührenfrei umbuchen kann. Die Lufthansa etwa verweist auf die derzeit kulanten Bedingungen: Die Umbuchungsgebühren wurden bis 31. Dezember 2020 abgeschafft. Sämtliche Tarife und Ticketpreise von Lufthansa, Swiss und Austrian Airlines seien beliebig oft kostenfrei umbuchbar. Auch andere Fluggesellschaften bieten gebührenfreie Umbuchungen an.

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