Am alten Pumpenhaus werden die Schleusen geöffnet

Wasserfall für die Bremer Wallanlagen

Bremen. Eine Wasserkaskade in den Wallanlagen, abends beleuchtet und schön anzusehen - das ist der eine Gedanke bei den Plänen, den Einlauf fürs Weserwasser neu zu gestalten. Der andere Gedanke zielt auf die Qualität des Wassers im Wallgraben.
03.07.2010, 06:00
Lesedauer: 3 Min
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Wasserfall für die Bremer Wallanlagen
Von Jürgen Hinrichs
Wasserfall für die Bremer Wallanlagen

Das alte Pumpenhaus in der Nähe vom Osterdeich – wie alles in den Wallanlagen steht es unter Denkmalschutz. Der Zu

Frank Thomas Koch

Bremen. Eine Wasserkaskade in den Wallanlagen, abends beleuchtet und schön anzusehen - das ist der eine Gedanke bei den jetzt bekanntgewordenen Plänen, den Einlauf fürs Weserwasser neu zu gestalten. Der andere Gedanke zielt auf die Qualität des Wassers im Wallgraben: Gerade jetzt, in der Wärme des Sommers, erstickt es fast und lechzt förmlich nach mehr Durchfluss und mehr Sauerstoff.

An manchen Stellen im Wallgraben ist vor lauter schlammigem Grün kaum noch Wasser zu sehen. Die Algen blühen und haben große Teppiche geknüpft. Kein schöner Anblick und vor allem dort zu sehen, wo die Wallanlagen nach eineinhalb Kilometern an der Contrescarpe fast zu Ende sind. Noch ein kleines Stück weiter, am Tor zur Überseestadt, fließt das Wasser in Höhe Focke-Garten zurück in die Weser. Der Wallgraben, kaum jemand weiß das, ist ein Fließgewässer.

Ein Blubbern und Gurgeln

Gespeist wird es am anderen Ende des Grabens, an einer Stelle hinter der Kunsthalle. Dort steht ein Pumpenhaus, und wer an der Brüstung zum Wasser hinabschaut, der sieht ein paar Luftblasen und hört ganz schwach das Blubbern und Gurgeln. Viel kann das in der Tat nicht sein, was frisch aus der Weser in den Wallgraben gelangt. 'Der Einlauf am Osterdeich ist zu klein dimensioniert. Und das bekommt der biologischen Vielfalt dieser innerstädtischen Oase überhaupt nicht', sagt der umweltpolitische Sprecher der SPD-Bürgerschaftsfraktion, Jens Dennhardt. Deswegen nun der Beschluss der Umweltdeputation, in die Umgestaltung des schmalbrüstigen Einlaufs zu investieren.

Das Geld, gerechnet wird mit Ausgaben von rund 150000 Euro, kommt aus verschiedenen Quellen. Mit 60000 Euro ist die Stadt dabei, 40000 Euro kommen aus den Einnahmen aus der Abwasserabgabe und 50000 Euro spendiert hanseWasser. Das Unternehmen hat im vergangenen Jahr sein zehnjähriges Bestehen gefeiert und wollte der Stadt ein Geschenk machen. Ein Wasserspiel in den Wallanlagen sollte es sein, doch diese Idee kam nicht so gut an.

Nun fließen die Mittel also in den Umbau des Einlaufs, der allerdings so gestaltet wird, dass der Plan von hanseWasser nicht vollends den Bach hinunter geht. Kein Springbrunnen oder ähnliches, das wurde als zu kitschig empfunden. Durchaus aber etwas zum Anschauen und Erleben, einen kleinen Wasserfall, wenn man so will.

'Wir holen den Einlauf nach oben', kündigt Thomas Knode vom Umweltsenator an. Es wird ein Wasservorhang sein, so wie in der kleinen Weser beim Teerhof, nur nicht so breit. Das macht optisch was her, zumal die Kaskade, wenn?s dunkel ist, illuminiert wird, und hat auch einen praktischen Nutzen: 'Das Wasser verrieselt offen und nimmt dabei Sauerstoff auf', erklärt Knode. Außerdem wird die Pumpleistung erhöht, von 80 auf 120 Liter pro Sekunde.

Zum Plan gehört außerdem die Sanierung des maroden Pumpenhauses, es ist fast flächendeckend mit Graffiti beschmiert und hat eine rissige Fassade. Die hübschen Steinreliefe mit dem Bremer Schlüssel in der Mitte fallen in diesem Zustand gar nicht mehr auf. Im Ganzen wirkt der eigentlich schöne Platz mit Blick auf die Kunsthalle ziemlich verwahrlost, auf dem Boden liegen überall die Scherben von zerschlagenen Bierflaschen.

Die Planer hoffen, dass sich diese Situation mit der Neugestaltung grundlegend ändert. Schon, weil die Ecke am Abend beleuchtet sein wird. Wann die Arbeiten starten, ist nach Auskunft der Behörde noch nicht klar, Ziel sei, rechtzeitig zur Wiedereröffnung der Kunsthalle fertig zu sein und dem Schönen dann sozusagen ein schönes Pendant zu geben.

So attraktiv dieser Ort am Ende vielleicht sein wird, wichtiger noch ist den Planern seine Funktion als Wassereinlauf für den Wallgraben. 'Karpfen, Hecht&Co. könnten es dort wirklich netter haben', meint SPD-Mann Dennhardt, 'Algen im Sommer, tonnenweise Laub im Herbst, jede Menge fettgefütterter Enten mit guter Verdauung - alles bleibt drin im Wasser und fault vor sich hin.' Das Ergebnis nennen die Experten 'Faulschlammsediment'.

Auf Sicht müsste eigentlich mal wieder ausgebaggert werden, wie zuletzt vor acht Jahren, als die Wallanlagen 200 Jahre alt wurden. Doch das wäre ein Millionenprojekt, und die Stadt hat kein Geld. Also wird das Problem jetzt ein wenig verwässert - immerhin.

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