Pachterhöhung für Gelände an der Juliusplate

Wassersportverein steht vor dem Aus

Juliusplate . Ein Berner Verein kämpft ums Überleben. Kurz vor seinem 40. Geburtstag im nächsten Jahr steht der Wassersportverein Juliusplate -Berne (WJB) vor dem Aus. Der Grund sind neue, aus Vereinssicht unverhältnismäßig hohe Pachtzins-Forderungen.
21.01.2010, 08:20
Lesedauer: 2 Min
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Von Hannelore Johannesdotter
Wassersportverein steht vor dem Aus

Falls sich keine Lösung für den WJB abzeichnet, könnte der Sportboothafen Juliusplate – hier im Sommer 2009 –

Johannesdottir

Juliusplate . Ein Berner Verein kämpft ums Überleben. Kurz vor seinem 40. Geburtstag im nächsten Jahr steht der Wassersportverein Juliusplate -Berne (WJB) vor dem Aus. Der Grund sind neue, aus Vereinssicht unverhältnismäßig hohe Pachtzins-Forderungen: Statt bisher 2043 Euro erwartet den Verein ab 1. Mai 2010 eine Erhöhung um 700 Prozent. 'Das können wir nicht', sagt WJB-Vorsitzender Günther Schielke.

Der Wassersportverein Juliusplate-Berne wurde im Januar 1971 gegründet. Wie den Annalen zu entnehmen ist, baute er mit erheblichen finanziellen und arbeitsmäßigen Anstrengungen aller Mitglieder seinen Naturhafen mit 32 Liegeplätzen aus. Diese Arbeiten erfolgten überwiegend in Eigenleistung und ohne finanzielle Unterstützung. Der Verein pachtete vom Domänenamt ein 17760 Quadratmeter großes Ufergrundstück und errichtete dort ein Clubhaus. Aus den alten Unterlagen geht hervor, dass der jährliche Pachtzins für das gesamte Grundstück damals 1900 Mark betrug.

Der Pachtvertrag mit dem Domänenamt wird nach Auskunft von Günther Schielke immer über sechs Jahre abgeschlossen. Jede Verlängerung ging bisher mit Erhöhungen von rund 20 Prozent einher. Sie wurden jeweils auf die Beiträge der Mitglieder umgelegt. Einen Schock verursachte die 2003 geforderte Erhöhung von 404 Prozent. Der WJB nahm sie zum Anlass, dem Domänenamt ein Kaufangebot zu unterbreiten. Für den rund 80 Mitglieder starken Verein, der vor einigen Jahren für seine besonders gute Jugendarbeit vom Kreissportbund ausgezeichnet wurde, waren geforderte 75000 Euro jedoch völlig indiskutabel.

In eindringlichen Gesprächen mit dem Domänenamt konnte die Pachterhöhung bei der Vertragsverlängerung 2003 noch einmal abgewendet werden. So ein Abkommen scheint für den am 30. April 2010 auslaufenden Vertrag diesmal nicht wieder möglich.

Auf das Argument des WJB, man könne gar nicht das gesamte Grundstück nutzen, ging die Behörde für Geoinformation, Landentwicklung und Liegenschaften (GLL) Oldenburg - wie das Domänenamt heute heißt -, insoweit ein, als sie jetzt Pacht nur für 9000 Quadratmeter, also gut die Hälfte, fordert. Der Quadratmeterpreis von 80 Cent, also ein jährlicher Pachtzins von 7200 Euro, ist für den WJB allerdings immer noch zu hoch.

'Wir sind kein Millionärsverein', bedauert der zweite WJB-Vorsitzende, Reiner Bartels. Er sieht wie Schielke keine Möglichkeit, diese Summe jährlich aufzubringen. Falls sich keine Lösung findet, 'dann ist Feierabend für den Verein'. Der erneute Versuch, einen Teil des Geländes zu erwerben, scheitert heute am Naturschutz für die Juliusplate. 'Naturschutzgebiete sind unverkäuflich, sie bleiben in Landeseigentum', erklärte Dezernatsleiter Henning Schrader.

Er erkennt seitens des GLL keinen Spielraum, um dem Wassersportverein finanziell entgegen zu kommen. 'Wir haben einen neuen Erlass des Niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums, der die Sachlage eindeutig regelt', erklärte er auf Nachfrage. 'Uns ist vorgegeben, wie viel Pacht auf für Freizeit genutzte Grundstücke zu erheben ist. An den Konditionen ist nichts zu ändern. Da sind uns die Hände gebunden.'

Von der Pacht ist die vom WJB genutzte Wasserfläche im toten Seitenarm des Warflether Arms übrigens nicht betroffen. Dort hat der Verein noch im vergangenen Jahr neue Stahlpfähle gesetzt - für ihn eine erhebliche Investition, die der Landkreis Wesermarsch mit 20 Prozent gefördert hat. Schielke: 'Die Wasserfläche gehört dem Land Bremen. Dafür zahlen wir Pacht ans Wasserwirtschaftsamt. Die ist noch nie erhöht worden.'

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