Kreissportbund Wesermarsch "Wechsel heißt Neuanfang"

Wilfried Fugel spricht im Interview über seinen Ausstieg nach zehn Jahren als Vorsitzender des Kreissportbundes Wesermarsch.
06.05.2018, 17:07
Lesedauer: 7 Min
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Von Georg Jauken
Herr Fugel, seit zehn Jahren sind Sie der Vorsitzende im Kreissportbund Wesermarsch. Jetzt hören Sie auf. Warum?

Wilfried Fugel: Das habe ich mein Leben lang so gemacht. Auch meine Jobs habe ich nach zehn Jahren gerne gewechselt. Ich halte es für wichtig, dass es solche Wechsel gibt. Routine ist der Feind des Kreativen, Wechsel heißt Neuanfang. Hinzu kommt, dass ich im Juni 70 Jahre alt werde, da muss man auch mal an den Ruhestand denken.

Was haben Sie beruflich gemacht?

Ich war zehn Jahre in der Justiz tätig, zehn Jahre Stadtkämmerer in Nordenham und zwölf Jahre Stadtdirektor. Jetzt bin ich noch politisch tätig. 2016 bin ich in den Stadtrat von Nordenham gewählt worden und dort Vorsitzender der größten Fraktion. Von 37 Mitgliedern stellt die SPD 17. In einer Stadt mit rund 27 000 Einwohnern ist das eine gewisse Verantwortung.

Aber zuerst gibt es den Wechsel im Vorstand des KSB.

Im KSB hat es immer eine ganze Reihe an Veränderungen im Vorstand gegeben und das ist auch gut so. Sonst wäre die Neigung, ein Ehrenamt zu übernehmen, noch geringer. Als ich anfing, war zum Beispiel Hans-Werner Bergner der stellvertretende Vorsitzende und Geschäftsführer, heute macht das Peter Büsching-Czerny. Hans-Joachim Gebauer war fürs Sportabzeichen verantwortlich, das ist heute Manfred Neumann. Also, es hat viele Veränderungen gegeben, aber wir waren immer ein gutes Team.

Wie hat sich der Sportbund als Sportorganisation in den zehn Jahren unter ihrem Vorsitz weiterentwickelt?

Auf der Ebene des Landessportbundes haben wir heute zum Beispiel ein Präsidium, das ist eine Art Aufsichtsrat, und einen Vorstand, der den LSB leitet. In der Region haben wir eine Sportregion gegründet gemeinsam mit dem Ammerland und der Stadt Oldenburg. Dort sind auch unsere gemeinsamen Sportreferenten tätig. Einer macht die Übungsleiterausbildung. Neu eingestellt haben wir einen Sportreferenten für Sportorganisation und Sportentwicklung. Ein Erfolgsmodell ist das Sportabzeichen an Kindergärten. Das gab es vorher nicht, ebenso wie das jährliche Fußballturnier Kicking-Girls mit Mädchenmannschaften aus den Grundschulen. Ziel ist die Integration von Mädchen mit Migrationshintergrund. Ordentlich gelaufen ist auch, dass wir als KSB eine bessere Dotierung vom Landkreis erhalten, so dass wir einige Programme fortführen und die Übungsleiterentschädigung von 1,50 auf 2,50 Euro aufstocken konnten. Das Geld geht als Zuschuss an die Vereine, wenn sie lizenzierte Übungsleiter einsetzen.

Bleiben wir kurz bei den Sportreferenten. Warum haben sie ihren Arbeitsplatz nicht in der Wesermarsch?

Weil die Räumlichkeiten unserer Geschäftsstelle so beengt sind. Westerstede macht auch deshalb Sinn, weil dort das Ausbildungszentrum für Übungsleiter ist. Aber die Personalkosten werden durch die beiden Kreissportbünde und den Oldenburger Stadtsportbund mit einem Zuschuss vom LSB bezahlt und wir haben alle den gleichen Zugriff.

Sie haben das Stichwort Sportentwicklung schon genannt. Um die Sportentwicklungsplanung ist es ziemlich still geworden. Was genau haben Sie vor und wie ist der Stand?

Das Sportentwicklungskonzept ist unser Großprojekt, das wir zusammen mit der Universität Göttingen auf den Weg gebracht haben. Darin ist eine Sportentwicklungsperspektive für den Norden, die Mitte und den Süden der Wesermarsch erarbeitet worden.

Wie sieht es mit der Umsetzung aus?

Sie wurde erschwert durch den dreimaligen Wechsel des Sportreferenten und weil es beim letzten Mal erhebliche Zeit kostete, einen Nachfolger zu finden. Positiv gelaufen ist es für den Bereich Ovelgönne und Jade. Dort hat es einige Vereinskooperationen gegeben. Das geht bis zur Angleichung der Beiträge, und wer einen Beitrag zahlt, kann auch beim anderen Verein mitmachen, um die Vielfalt des Sportangebots zu erhalten.

Funktioniert das?

Der Praxistest kommt jetzt, aber die Vereine wollen es. Unsere Sportreferenten Hergen Fröhlich und Lena Ennen-Hansing werden mit den jeweiligen Vereinen und anderen Organisationen wie Schulen und Kindertagesstätten zusammenzuarbeiten.

Welche Neuerungen gab es sonst?

Eine weitere Neuerung ist, dass die Vereine die Beratung durch den LSB annehmen. Der SV Lemwerder hat zum Beispiel Unterstützung durch den Beraterpool erhalten. Ich glaube, ohne die Berater wäre es schwieriger geworden, den Verein zu erhalten.

Wie war der Kreissportbund daran beteiligt?

Wir haben die Beratung vermittelt. Der Notvorstand des SVL hatte sich an uns gewandt, ob wir helfen können.

Viele Fußballclubs machen es vor: Im Sport zählen andere Qualitäten als Nationalität, Hautfarbe und Religionszugehörigkeit. Wie hat sich das Dauerthema Flucht und Integration auf Ihre Arbeit ausgewirkt?

Die Frage der Integration der Zugereisten war das zweite große Thema in dieser Amtszeit. Wir haben dafür eigens zweimal ein Jahr lang einen Mitarbeiter beschäftigt. Mit unserem eigentlichen Ziel, ein Netzwerk aus Vereinen, Feuerwehren, DRK, Johanniter und so weiter aufzubauen, haben wir die Basis geschaffen. Auf dieser hat Stefanie Meyer von der Koordinierungsstelle Migration und Teilhabe beim Landkreis aufbauen können. Leider hat sie den Arbeitgeber gewechselt. Wir haben darüber hinaus in verschiedenen Veranstaltungen die Vereine beraten, wie sie die Zugezogenen integrieren können und über die Förderprogramme informiert. Die Vereine haben einen hervorragenden Job gemacht.

Welche Vereine haben sich besonders hervorgetan?

Zum Beispiel der TuS Jaderberg. Wie er das gemacht hat, ist toll. Sowohl in der Badminton-Mannschaft als auch im Fußball haben sich Asylbewerber einen festen Platz erspielt. Da sie in der Regel nicht schwimmen können, organisierte der Verein zusammen mit anderen örtlichen Organisationen Schwimmkurse. Zum Bundesturnfest 2017 in Berlin fuhr der TuS Jaderberg mit einer Gruppe, die zu 50 Prozent aus Migranten bestand. Dafür haben wir ihn dann auch beim Kreissporttag ausgezeichnet.

Viel gesprochen wird seit einigen Jahren auch über die Ausdehnung der Unterrichtszeiten an den Schulen. Wer nachmittags die Schulbank drückt, kann nicht gleichzeitig im Sportverein trainieren.

Das war ein weiteres großes Thema, wie man die Schulen und Vereine zusammenbringen kann. Vor dem Hintergrund der Ganztagsschule ist es wichtig, dass die Vereine den Schulen Angebote machen. Die Schulen sind auch sehr interessiert. Unser Handicap ist, dass wir in den Nachmittagsstunden nicht immer die Übungsleiter zur Verfügung stellen können, die die Schulen gerne hätten. Denn es gibt einen starken Rückgang bei den lizenzierten Übungsleitern zu verzeichnen, von 369 im Jahr 2016 auf 275. Bei dem eklatanten Rückgang ist es nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, dass 2017 vier Sportlerinnen und Sportler den Grundlehrgang absolviert haben.

Was ist der Grund dafür, dass die Zahl der Übungsleiter so stark sinkt?

Das wissen wir auch nicht. Vielleicht, weil der Arbeitsmarkt ein anderer ist, weil Frauen arbeiten und weniger Frührentner zur Verfügung stehen, die früher als Übungsleiter tätig waren. Vielleicht ist es auch eine andere Einstellung zum Ehrenamt. Auch wir auf dem Land merken, dass der Verein heute eher als Dienstleister betrachtet wird. Die Leute sagen, ich zahle und erwarte dafür eine Gegenleistung. Die Geselligkeit und die Bereitschaft, ein Amt zu übernehmen, treten in den Hintergrund. Es wird ja auch immer schwieriger, Vorstände zu finden. In der Flüchtlingsarbeit war das anders, da gab es viele ehrenamtliche Helfer. Aber das war befristet und mit weniger Verantwortung verbunden als zum Beispiel beim Vorstand eines Vereins. Die Bürokratie ist zweifelsohne in den vergangenen Jahren mehr geworden und auch das Haftungsrisiko. Davor scheuen viele zurück. Damit bin ich wieder bei der Sportentwicklung. Wenn Vereine kooperieren, kann man vielleicht eine gemeinsame Geschäftsstelle einrichten, in der professionelle Mitarbeiter die Vorstände entlasten. Dabei möchte ich die Vereinsvorstandsarbeit nicht mies machen. Alles in allem macht sie Freude, und wenn dann die Wertschätzung dieser Arbeit durch die Gesellschaft stimmt, um so mehr.

Was tut der KSB, damit dem Sport die Übungsleiter nicht eines Tages ganz ausgehen?

Wir haben eine Übungsleiterbörse eingeführt und kein Problem, sie zu vermitteln. Und auf unserer Klausurtagung im April war es einer der Schwerpunkte, was man diesem Trend entgegensetzen kann. Obwohl unser Modell, die Übungsleiterausbildung in Kooperation mit dem Gymnasium Brake durchzuführen, bisher noch nicht von Erfolg gekrönt war, wollen wir weiter an dem Versuch arbeiten. Dazu sollen Gespräche mit den Oberschulen und dem LSB geführt werden. Ob sie fruchtbar verlaufen, bleibt abzuwarten. Ungemein wichtig ist die Jugendleiterausbildung, sind die Jugendleiter doch die künftigen Verantwortungsträger in den Vereinen, wenn man sie entsprechend fördert.

Wie ist es denn um den Nachwuchs bestellt?

2017 haben 15 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus acht Vereinen die Jugendleiterausbildung absolviert. Wir werden uns weiterhin bemühen diese Ausbildung so attraktiv wie möglich zu gestalten, auch wenn wir zurzeit durch die Schließung der Jugendherberge in Nordenham gewisse Schwierigkeiten haben, den geeigneten Schulungsort zu finden.

Das alles hört sich nach viel Arbeit an. Wie lautet ihr Fazit am Ende ihrer zwei Amtszeiten? Hat sich der Einsatz gelohnt und was ist besonders gut gelungen?

Ob meine Arbeit für die Sportorganisation erfolgreich war, müssen andere beurteilen. Mir hat es jedenfalls Freude gemacht, insbesondere weil wir Ehrenamtler mit den Mitarbeiterinnen in der Geschäftsstelle ein gutes Team bildeten und bilden.

Am 17. Mai kommt der Kreissporttag in der Markthalle Rodenkirchen zusammen, um unter anderem ihren Nachfolger oder eine Nachfolgerin zu wählen. Wen werden Sie vorschlagen?

Lassen Sie sich überraschen.

Und was wünschen sie ihm oder ihr?

Natürlich alles Gute und dass die Partner, die sich um den Sport in der Wesermarsch und in der Sportregion kümmern, ihn tüchtig unterstützen.

Das Interview führte Georg Jauken.

Info

Zur Person

Wilfried Fugel (69)

hat sich bereits von den Kreispolitikern im Sportausschuss verabschiedet. Denn nach zwei Amtszeiten an der Spitze des Kreissportbundes (KSB) Wesermarsch kandidiert er bei der Vorstandswahl am 17. Mai nicht mehr.

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