Abakus und Bannas

Generationswechsel im Viertel

Den einen, Lothar Zumfelde, Gründer des Naturkost-Ladens „Abakus“, hat es nach Afrika gezogen, sein befreundeter Nachbar, Herbert Bannas, hat nun seine Praxis für Physiotherapie an seinen Sohn übergeben.
18.02.2021, 05:00
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Generationswechsel im Viertel
Von Sigrid Schuer

Steintor. Ziemlich beste Freunde sind sie, der Physiotherapeut Herbert Bannas und Lothar Zumfelde, langjähriger Inhaber und Gründer des Abakus-Naturkost-Ladens in der Brunnenstraße. Fast zeitgleich haben sie ihre Läden in unmittelbarer Nachbarschaft zueinander gegenüber der damals noch existierenden Post eröffnet. 1998 Zumfelde, der damals noch ein Pionier in Sachen Biokost war, 1997 Bannas, der von Anfang an ein Fan von Zumfeldes Naturkost-Konzept war, wie der Physiotherapeut betont. „Wir haben bei Abakus ein Abonnement, sodass alle unsere Mitarbeiter dort kaufen können“, erzählt Bannas.

Nun haben die beiden, die waschechte Viertelaner sind, zum Jahreswechsel den Staffelstab an die nächste Generation weitergegeben. Während sich Lothar Zumfelde bereits seit Ende Januar jenseits des Mittelmeers in Afrika befindet, war Bannas noch bis vor kurzem in seiner Praxis tätig. Schon zu seinen aktiven Zeiten hat Lothar Zumfelde für Mitglieder der Abakus-Lebensmittel-Kooperative, aber auch für andere Interessierte Reisen nach Kamerun organisiert, damit sie sich vor Ort ein Bild von dem Fair-trade-Projekt machen konnten, das Zumfelde nach wie vor in Afrika betreibt.

Der Naturkost-Laden Abakus wird nun von einem Trio geführt: Romina Wolf, die dort bereits seit zehn Jahren arbeitet und Tayfun Mutlu, seit sechs Jahren bei Abakus. Am längsten dabei ist die Dritte im Bunde, Lotta Thurm, und zwar seit 15 Jahren. Lothar Zumfelde hat das Preisgeld von 5000 Euro, das ihm vor rund einem Jahr vom Fachmagazin „Schrot und Korn“ als einer von bundesweit fünf Gold-Gewinnern mit Bestnoten in der Kategorie „Bio-Fachgeschäft“ zuerkannt wurde, darin investiert, um sein langjähriges Mitarbeiter-Team für die Aufgabe der Geschäftsführung fit machen zu lassen, wie Herbert Bannas weiß. Lothar Zumfelde hat einen bewegten Lebenslauf hinter sich, ihn reizte immer wieder die Herausforderung. Er wurde in Venezuela geboren und ist dreisprachig aufgewachsen. Erst 1972 kam er nach Deutschland. Zumfelde hat immer wieder von sich gesagt, dass er sich als Cosmopolit sieht. Zunächst absolvierte er eine kaufmännische Lehre, sattelte zum Zimmermann und schließlich zum Bio-Landwirt um. In Ostfriesland bewirtschaftete er dann einen Hof und lernte dort die Idee der Lebensmittel-Kooperative kennen.

Trio leitete nun Abakus

Herbert Bannas liebt es, in der Brunnenstraße, wie er sagt, mittendrin im Leben zu sein. In seiner Physiotherapie-Praxis ist es sein Sohn Nils, der nun in seine Fußstapfen tritt, gemeinsam mit der langjährigen Mitarbeiterin Nina von der Wiehl. „Das freut mich natürlich besonders“, sagt der Senior. „Das ist ein Beruf, den Sie mit Herzblut ausüben müssen und das gilt für Abakus genauso“. Auch während der Lockdown-Zeiten dürfen die Physiotherapie-Praxen geöffnet haben. „Wir gelten im gesundheitlichen Bereich als systemrelevant“, sagt Bannas. In den Praxen werde auf die penible Einhaltung der Hygiene-Regeln geachtet. Per Terminvergabe werde ferner darauf Acht gegeben, dass sich möglichst wenige Patienten in den Praxisräumen begegnen, alle Flächen würden ständig desinfiziert genauso wie die Hände des Personals sowie der Kundschaft. Dazu käme die Maskenpflicht. Und: Die Physiotherapeuten müssten jeden Tag neue Kleidung in der Praxis anlegen.

Wer zu Hause, womöglich am Küchentisch im Homeoffice auf einem unbequemen Stuhl sitzt, der der Ergonomie nicht gerecht wird, und unter Bewegungsmangel leidet, der weiß diese Systemrelevanz zu schätzen. Bewegung draußen an der frischen Luft sei das beste, nicht nur mentale Gegenmittel gegen den Corona-Blues, der sich durchaus auch in körperlichen Schmerzen niederschlagen könnte. „Der Mensch ist für das Gehen gemacht“, betont Bannas. Sich draußen zu bewegen, rege die Durchblutung und die Sauerstoff-Zufuhr in den Körper an. Er selbst ist leidenschaftlicher Radfahrer, verzichtet aber während des Wintereinbruchs schweren Herzens darauf. Zu genau weiß er aus eigener Anschauung, wie langwierig es ist, Sturzverletzungen an Ellenbogen und Schulter auszukurieren.

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Die Versorgung mit Sauerstoff sei nun mal existenziell, gerade auch für Schultern, Arme und Hände. Die aber käme aber bei konzentrierter Bildschirm-Arbeit zu kurz, sagt der Physiotherapeut. Der meiste Sauerstoff werde vom Gehirn in Anspruch genommen und so entstünden über kurz und lang hartnäckige Beschwerden: „Das ist Schwerstarbeit für die Rücken- und Nacken-Muskulatur“. Bannas empfiehlt als ideal für’s Büro einen höhenverstellbaren Schreibtisch, der es einem ermöglicht, jeweils eine Stunde im Sitzen und im Stehen zu arbeiten. Gesundheitsprävention ist ihm und seinem Sohn wichtig, dafür werden Tipps in der Praxis gegeben.

Sohn und Mitarbeiterin übernehmen

„Die Dynamik ist das Wichtige für die Ergonomie“, rät er. Der Mensch sei nun einmal dafür gemacht, zu laufen und nicht zu sitzen. So gebe es auch spezielle gymnastische Übungen für den Arbeitsplatz. Wichtig sei die ganzheitliche Wahrnehmung von Körper, Geist und Seele. Schön findet es Bannas, dass seit kurzer Zeit Reha-Sport in Gruppen wieder möglich ist. Im sozialen Gemeinschaftserlebnis fiele es auch leichter, den „inneren Schweinehund“ zu überwinden, sagt er. Denn: Die Abwesenheit von Krankheit sei eben nicht einfach gleichzusetzen mit Gesundheit.

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