Sport leidet unter zweitem Lockdown

Bremer Vereine fürchten Mitgliederschwund

Viele Angebote der knapp 400 Sportvereine im Land müssen bis mindestens Ende November pausieren. Den Vereinen fehlen durch den zweiten Lockdown neue Mitglieder, sie befürchten ein Minus von bis zu zehn Prozent.
16.11.2020, 05:00
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Bremer Vereine fürchten Mitgliederschwund
Von Nina Willborn
Bremer Vereine fürchten Mitgliederschwund

Wann die Beschränkungen für den Sport wieder gelockert werden, ist noch unklar.

Frank Molter /dpa

Joggen gehen, Krafttraining oder Yoga zu Hause sind noch erlaubt. Ansonsten aber ist der Freizeit- und vor allem der Teamsport in Bremen zum zweiten Mal in diesem Jahr weitgehend stillgelegt, die Trainingseinheiten und Kurse vieler der knapp 400 Sportvereine im Bundesland müssen pausieren, so sie nicht als Online-Versionen angeboten werden können. Der erneute Lockdown vergrößert die Sorgen der Vereine: Sie fürchten, dass die Pandemie ihre Schwierigkeiten, neue Mitglieder zu finden, erheblich vergrößert.

Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB), rechnet mit einem Rückgang von bis zu zehn Prozent bei den 27 Millionen Mitgliedern, die sich in einem der deutschlandweit 90.000 Vereine engagieren – das wären fast drei Millionen Menschen weniger.

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Für Bremen gibt es noch keine genauen Zahlen, wie sich das erste Corona-Jahr auf die Mitgliederzahlen auswirkt, in vielen Vereinen laufen die Kündigungsfristen noch bis zum Ende des Jahres. Die Einschätzung des DOSB-Präsidenten hält Andreas Vroom, Präsident des Landessportbundes (LSB), für realistisch. Holger Bussmann, Geschäftsführer des SV Grambke-Oslebshausen (SVGO), hält sie sogar für eher optimistisch. „Das kann auch in Richtung 20 Prozent gehen“, sagt er.

Das Problem, da sind sich die Vereinsspitzen einig, ist dabei nicht in erster Linie die wegen monatelang fehlenden Trainingsmöglichkeiten schwindende Treue der Amateur- und Hobbysportler. Allerdings sinkt die Motivation der Sportlerinnen und Sportler laut Aussagen der Verantwortlichen, wenn es keine Aussichten auf Wettkämpfe oder Shows gäbe. „Vor allem Kinder und Jugendliche arbeiten darauf hin“, sagt Bussmann. Als noch Kurse stattfinden durften, seien viele beim SVGO merklich leerer gewesen. „Die Frage ist, wie lange es dauert, bis sich die Leute ganz abmelden.“

Fluktuation von rund 400 bis 500 Aus- und Eintritten im Jahr

Schwerer wiege, sagen die Vereinschefs übereinstimmend, dass sich nun zu wenig neue Mitglieder anmeldeten, um den auch in normalen Jahren vorhandenen personellen Schwund aufzufangen. Normalerweise liegt die Fluktuation laut Bussmann beim SVGO bei rund 400 bis 500 Aus- und Eintritten im Jahr. „Jetzt haben wir nur sehr, sehr wenige Eintritte“, sagt er. „Und wir wissen nicht, ob die Leute nach dem Lockdown zurückkommen.“

Ähnlich sieht es bei Tura Bremen und Bremen 1860 aus, mit rund 6000 Mitgliedern der Verein mit den meisten Aktiven: Tura hat im Jahresverlauf rund 300 Mitglieder verloren und etwa 200 hinzugewonnen. 1860-Geschäftsführer Sebastian Stern rechnet mit einem Minus von 600 Aktiven. „Der November ist normalerweise einer unserer stärksten Monate für Eintritte“, sagt er, „die aktuelle Situation stellt uns vor Herausforderungen.“

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Die großen Vereine leiden auch deshalb in besonderem Maße unter der Pandemie, weil ihnen neben den Mitgliederbeiträgen Einnahmen aus Veranstaltungen und zum Beispiel den Kursen im Reha-Angebot fehlen, Fixkosten für festangestellte Mitarbeiter und Sporthallen jedoch weiterlaufen. Die Möglichkeit, Kurzarbeit für die Mitarbeiter anzumelden, habe 1860 geholfen, sagt Stern. Mittelfristig fürchte er eine „Abwärtsspirale“. „2021 werden wir noch klarkommen, aber 2022 werden unsere Rücklagen aufgebraucht sein, wenn es so weitergeht“, sagt der Geschäftsführer.

Fehlende Einnahmen durch Veranstaltungen beschäftigen auch Jens Steinmann, Vorstand des Grün-Gold-Clubs. Durch drei große ausgefallene Veranstaltungen fehlen den Tänzern mehr als 50.000 Euro, dazu noch einmal zwischen 30.000 und 50.000 Euro durch abgesagte Shows des A- und B-Teams.

Organisierter Sport noch nicht gefährdet

Von einer Insolvenz bedroht ist nach Angaben des LSB derzeit kein Bremer Verein. „Ich sehe den organisierten Sport im Moment noch nicht gefährdet“, sagt Präsident Vroom. Der Senat hat Soforthilfen in Höhe von einer Million Euro bereitgestellt. Bis Ende Oktober waren laut Behördensprecher Bernd Schneider knapp 500.000 Euro verteilt, landesweit wurden bislang 155 Anträge gestellt.

Wann die Beschränkungen für den Sport gelockert werden, ist unklar. Zuletzt hatte am Freitag Bayern seine Regelungen verschärft. Dort sind seitdem Indoor-Sportstätten auch für Individualsportler und Privatpersonen geschlossen. Das will Ministerpräsident Markus Söder (CSU) auf der Konferenz der Länderchefs mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) an diesem Montag als bundesweite Maßnahme vorschlagen.

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