Corona und die Erstklässler

Zum Schulstart die erste Prüfung

Kennenlern-Tage abgesagt und Sprachtests ausgesetzt - Bremens und Niedersachsens Erstklässler starten in Corona-Zeiten unter erschwerten Bedingungen in ihre Schullaufbahn.
24.08.2020, 05:00
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Zum Schulstart die erste Prüfung
Von Marc Hagedorn
Zum Schulstart die erste Prüfung

Mit Maske in die Schule: Die neuen Erstklässler werden sich an andere Regeln halten müssen als in den Jahren zuvor.

Mascha Brichta /dpa

Abgesagte Kennenlern-Tage, ausgefallene Eingangsuntersuchungen, ausgesetzte Sprachtests, dafür aber besondere Hygiene- und Verhaltensregeln – die Pandemie sorgt dafür, dass Bremens und Niedersachsens Erstklässler zu Beginn ihrer Schulkarriere vor der ersten großen Prüfung stehen. „Das wird eine Herausforderung“, sagt Eva-Maria Osterhues-Bruns, Vorsitzende des Grundschulverbandes Niedersachsen.

Kleinkinder zählen nach Einschätzung vieler Experten schon jetzt zu den großen Verlierern der Corona-Pandemie. Kindergärten waren monatelang geschlossen oder konnten nur eine Notbetreuung anbieten. Die sozialen Kontakte zu Gleichaltrigen waren wochenlang eingeschränkt oder nicht existent. Die künftigen Grundschüler konnten sich nach dem Ende ihrer Kindergartenzeit nicht in gewohnter Weise von den Erziehern und den Einrichtungen verabschieden.

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„Für die Kindergartenkinder ist der Übergang zur Schulzeit etwas Besonderes“, sagt Osterhues-Bruns, die als Konrektorin an der Grundschule Nordholz bei Cuxhaven arbeitet. Normalerweise gebe es viele Aktionen, bei denen Kindergartenkinder vorab ihre künftigen Schulen kennenlernen könnten und umgekehrt viele Lehrer erstmals ihre künftigen Schüler träfen. „Das ist nun alles weggefallen“, sagt Osterhues-Bruns, und das könne für einige Schüler zu einem Problem werden. „Der eine oder andere fühlt sich einfach sicherer, wenn er die Schulräume schon einmal gesehen hat, wenn er weiß, wo die Toiletten sind und wie der Schulhof aussieht.“ Dass es wegen Corona besondere Laufwege und besondere Sicherheitsmaßnahmen wie das Tragen von Masken gibt, sei eine zusätzliche Herausforderung.

In Bremen zum Beispiel hat außerdem bei rund 15 Prozent der künftigen Grundschüler die obligatorische Eingangsuntersuchung nicht stattgefunden. Der Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte im öffentlichen Gesundheitsdienst (BVÖGD) geht davon aus, dass in ganz Deutschland Zehntausende Untersuchungen ausgefallen sind. Dem niedersächsischen Gesundheitsministerium liegen aktuell noch keine genauen Zahlen vor, sie werden im Moment abgefragt. Klar ist aber auch hier, dass nicht alle Kinder untersucht worden sind. Das bestätigte ein Ministeriumssprecher dem WESER- KURIER. Im Landkreis Osterholz etwa ist knapp über die Hälfte aller Kinder untersucht worden.

Gesundheitsämter haben zusätzliche Aufgaben übernommen

Zuständig für die Untersuchungen sind die Gesundheitsämter, die im vergangenen Jahr mit den Tests begonnen hatten. Dann kam ­Corona, und seitdem haben die Ämter viele zusätzliche Aufgaben übernommen, etwa die Einrichtung von Testzentren und die Durchführung von Coronatests. „Die können aber immer nur eine Sache machen und nicht gleichzeitig, und das ist das Problem“, hatte gerade erst Ute Teichert, Vorsitzende des BVÖGD, in einem Fernsehinterview erklärt. Aktuell beschäftigen vor allem die Coronatests für Reiserückkehrer die Gesundheitsämter.

Das Bremer Gesundheitsressort führt als Grund für die Unterbrechung der Untersuchungen an, dass Teile der Stadtteil-Teams zur Pandemie-Bekämpfung abgezogen worden seien. Allerdings betont ein Sprecher der Behörde, dass Kinder mit bekannten Defiziten, mit Einschränkungen oder Erkrankungen untersucht worden seien. In der Stadtgemeinde Bremen werden in diesem Jahr rund 5400 Mädchen und Jungen eingeschult. Laut Lukas Fuhrmann, Sprecher der Gesundheitsbehörde, sei aktuell geplant, die fehlenden Untersuchungen nach Schulbeginn durchzuführen. „Das kann ungefähr bis Ende September abgeschlossen werden.“

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Wie sich das Fehlen von Eingangsuntersuchungen auswirkt, sei im Moment schwer zu sagen, meint Eva-Maria Osterhues-Bruns, „aber sie sind nicht unwichtig“. Bei der Untersuchung werden vor allem medizinische Befunde erstellt, etwa zum Stand der motorischen Entwicklung und des Seh- und Hörvermögens. „Die Lehrerinnen und Lehrer an Grundschulen müssen nun besonders aufmerksam für etwaige Defizite in der gesundheitlichen und sozialen Entwicklung der Kinder sein“, teilt das niedersächsische Gesundheitsministerium mit.

Cito-Test zuletzt auch ausgesetzt

Ausgesetzt war in Bremen zuletzt auch der sogenannte Cito-Test, der die Sprachentwicklung von Kindergartenkindern überprüft. Er ist laut Bildungsressort durch Beurteilungen ersetzt worden, die die pädagogischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den Kitas abgegeben haben.

„Wir haben sehr gute Einschätzungen aus den Kitas erhalten, auf welchem Entwicklungsstand die Kinder sind“, sagt Stephanie Dehne, persönliche Referentin von Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD). „Auf diese Weise konnte sichergestellt werden, dass alle Kinder mit Förderbedarf identifiziert wurden.“ Und auch für die Kinder, die keine Kindertagesstätte besucht haben, wurde laut Behörde eine Lösung gefunden: Für sie werden die Tests im September nachgeholt.

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