Trockenheit

Wasserreserven in Deutschland werden knapper

Mit Beginn der Hitzewelle drohen mancherorts Engpässe bei der Versorgung mit Trinkwasser. In Hessen haben einige Gemeinden einen Notstand ausgerufen. Auch in der Region wird ein sparsamer Verbrauch angeraten.
08.08.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Wasserreserven in Deutschland werden knapper
Von Nico Schnurr
Wasserreserven in Deutschland werden knapper

In den heißen Tagen steigt der private Trinkwasserverbrauch. Doch die Reserven von Trinkwasser werden mit den heißen Temperaturen in einigen Regionen immer knapper.

Oliver Berg

Den Nordwesten erwartet ein heißes Sommerwochenende. In Bremen dürften die Temperaturen über die 30-Grad-Marke klettern. Mit der Hitze steigt auch der private Trinkwasserverbrauch. Nach zwei Dürrejahren und anhaltender Trockenheit drohen die Reserven an einigen Orten in Deutschland knapp zu werden. Mehrere Gemeinden in Hessen haben den Trinkwassernotstand ausgerufen. Mancherorts wird in Niedersachsen vorsorglich reagiert, und auch die Bremer Stadtwerke rufen dazu auf, Wasser sparsam zu verbrauchen. Denn die Corona-Krise droht die Probleme zu verschärfen.

Im niedersächsischen Barsinghausen befürchten die Stadtwerke, dass es in den kommenden Tagen zu Engpässen bei der Versorgung mit Trinkwasser kommen könnte. Damit es nicht dazu kommt, hat das kommunale Versorgungsunternehmen alle Haushalte und Unternehmen im Stadtgebiet aufgefordert, den Wasserverbrauch auf das Nötigste zu beschränken. Ab sofort ist es in Barsinghausen verboten, mit Trinkwasser den Rasen zu sprengen, die Gärten zu bewässern und den Swimmingpool zu füllen. Schon in den beiden vergangenen Jahren mussten die Barsinghäuser Wasser sparen. Besonders im Dürresommer 2018 war die Versorgung gefährdet. Nur knapp konnte damals verhindert werden, dass ganze Ortsteile von der Wasserzufuhr abgeschnitten wurden.

Trinkwassernotstand in hessischen Gemeinden ausgerufen

Um ein solches Szenario abzuwenden, haben diverse Gemeinden in Hessen nun den Trinkwassernotstand ausgerufen. Wer dort sein Auto wäscht, den Pool füllt oder den Rasen bewässert, muss mit Bußgeldern von teilweise bis zu 5000 Euro rechnen.

In der Region ist die Lage weit weniger dramatisch, doch auch hier steigt der Wasserverbrauch seit Beginn der Hitzewelle stark an. Die Folgen dürften manche Verbraucher im Bremer Umland bereits spüren, denn das Wasser sprudelt etwa im Landkreis Diepholz morgens und abends nicht mehr so kräftig wie gewohnt aus den Wasserhähnen, wie der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband mitteilt. In den Regionen, in denen es bereits zu Druckschwankungen komme, könnten sich die Probleme noch verschärfen, betont Axel Frerichs, stellvertretender Geschäftsführer des Verbands. Doch genug Wasser für den üblichen Bedarf sei weiterhin vorhanden.

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Ähnlich sieht es in Bremen aus. „Was die Trinkwasserversorgung angeht, sind wir im Grunde gut aufgestellt, auch wenn es nun draußen heißer wird und der Verbrauch etwas ansteigt“, sagt SWB-Sprecher Alexander Jewtuschenko. Damit die Versorgung auch künftig sichergestellt werden könne, müssten die Bremer achtsam mit ihrem Wasserverbrauch umgehen, betont Jewtuschenko. „Man sollte sich fragen: Ist das wirklich notwendig, den Garten mit Trinkwasser zu bewässern oder den eigenen Pool mit Tausenden Litern zu befüllen?“

Bislang, sagt Jewtuschenko, sei der private Wasserverbrauch während der Pandemie in Bremen nur leicht gestiegen. Im Corona-Sommer, so die allgemeine Befürchtung, könnte sich das ändern. Nach wie vor arbeiten viele im Homeoffice, dazu verzichten einige auf einen Urlaub in der Ferne und bauen sich stattdessen einen Pool im Garten auf.

Mehr Pools für den Garten gefragt

Beim emsländischen Unternehmen Riviera Pool etwa, einem der führenden deutschen Hersteller von Fertigschwimmbecken, werden seit Corona deutlich mehr Pools für den Garten nachgefragt als vor der Krise. Besonders beliebt seien die Kompaktpools, kleinere Schwimmbecken von etwa zwei mal vier Metern, die bis zu 20.000 Euro kosten. „Es ist immer noch genug Geld da“, sagte Riviera-Marketingleiter Uwe Rengers, „die Leute vergolden ihr Zuhause“. Allein die gestiegene Nachfrage nach Pools löst noch keine Wasserknappheit aus. Die öffentliche Wasserversorgung beansprucht laut Umweltbundesamt 2,7 Prozent der verfügbaren Wasserressourcen in Deutschland. Von einem grundsätzlichen Engpass bei der Trinkversorgung könne daher keine Rede sein.

Trotzdem betonte das Umweltbundesamt zuletzt auch: „Weitere aufeinander folgende trockene Sommer mit zusätzlich wenig Niederschlag im Winter hätten in jedem Fall negative Auswirkungen auf die Wasserverfügbarkeit.“ Die Folgen würden nicht nur die privaten Verbraucher spüren, sondern auch die Landwirtschaft, die mehr Wasser braucht, wenn die Sommer trockener werden.

Nach zwei Dürresommern zeichne sich in Niedersachsen erneut ein trockenes Jahr ab, erklärte der niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz im Juni. Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) sagte dazu: „Die ersten Anzeichen einer Wasserkrise sind da – auch wenn Niedersachsen ein wasserreiches Land ist und bleibt.“ Dass in vielen Regionen das Grundwasser knapper werde, zeige vor allem, so Lies: „Der Klimawandel ist angekommen in Niedersachsen – unübersehbar.“

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