Slapstick, Tanz und Wortspiele: Sweet Sugar Swing sorgen für frech-frivoles Christmas-Feeling in der Begu

Weihnachten auf Amerikanisch

Lemwerder. „Wir bringen ihre Beine zum Wippen und ihre Finger zum Schnippen“, versprechen Sweet Sugar Swing auf ihrer Homepage. Das Damentrio aus Oldenburg hatte nicht zu viel versprochen.
22.12.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Alexander Bösch
Weihnachten auf Amerikanisch

Herrlich kitschige Weihnachten auf Amerikanisch: Sweet Sugar Swing in der Begegnungsstätte Lemwerder.

Christian Kosak

„Wir bringen ihre Beine zum Wippen und ihre Finger zum Schnippen“, versprechen Sweet Sugar Swing auf ihrer Homepage. Das Damentrio aus Oldenburg hatte nicht zu viel versprochen. Mit frenetischem Applaus bedachte das Publikum in der Begegnungsstätte (Begu) Lemwerder die frech-frivolen Damen in ihren pinkschwarzen Petticoats.

Mary Kehl, Tina Meyer und Anni Heyer alias „Swingin‘ Mary“, „Sweet Tina“ und „Sugar Annie“ stehen für eine perfekt choreografierte Darbietung von Swing- und Jazzklassikern der 1930er- bis 1950er-Jahre. Sie bereichern sie mit eigenen Arrangements. In anderen Programmen lassen die drei Energiebündel gern Klassiker wie „Que sera“ oder den „Chattanooga Cha Cha“ erklingen und treten vor ihren Zuschauern schon mal in Politessenuniformen auf. In ihrem Weihnachtsprogramm „Swingin‘ Santa“ dreht sich alles um den zuckersüßen Weihnachtskitsch US-amerikanischer Machart.

Wer nun denkt, die geballte Frauenpower beließe es beim uninspirierten Heruntersingen von Standards wie „Let it snow“ oder „Rudolph the red-nosed Reindeer“, sieht sich getäuscht. Das Trio swingt und singt sich nicht nur mit perfekten Phrasierungen durch eine Auswahl bekannter und unbekannter Christmas-Klassiker, sondern nimmt in der rasanten Revue amerikanische und deutsche Weihnachtsbräuche auf die Schippe. Da sorgen clevere Pointen, deren satirischer Gehalt sich manchmal erst nach längerem Nachdenken erschließt, für eine treffsichere Abrechnung mit der Mentalität beider Länder.

Das Handlungskorsett ist schnell erklärt. Die Amerikanerin Mary – gespielt von Mary Kehl, die auch im wahren Leben aus Seattle stammt – vermisst im norddeutschen Exil die Ingredienzen eines typischen US-Weihnachtsfestes. Schon naht Trost in Form der fürsorglich-plappersüchtigen Tina und der unterkühlt-sarkastischen Annie. Beide lassen ihre Freundin an Heiligabend nicht im Stich. Da lässt sich der blonde Rauschgoldengel aus Arizona nicht lange lumpen. Barack Obamas Konterfei steht auf dem Sims des Kamins, vor dem ein künstliches Feuer lodert, der Weihnachtsbaum quillt über vor Lametta und knallbunten Girlanden, und das gemalte Fensterbild zeigt eine puderzuckerige Winterlandschaft, wie sie sich Bing Crosby nicht besser hätte ausmalen können.

Um das Warten auf einen ominösen Besucher aus London zu überbrücken, stimmen die Freundinnen amerikanische Weihnachtslieder an. Sie singen von der ewigen Sehnsucht der Bewohner von Beverley Hills, die sich statt der „Swinging Palmtrees“ zumindest am 24. Dezember einen schneeverhangenen Sehnsuchtsort wünschen, stimmen den „Jingle Bell Rock“ an oder verraten in dreistimmiger Ekstase „Santa Claus is coming to town“. In spritzigen Dialogen werden weihnachtliche Gewohnheiten hinterfragt. Warum die Amerikaner Socken vor dem Kamin aufhängen, möchte Annie wissen. Auf Marys arglose Erklärung, darin sollen Geschenke ihren Platz finden, entgegnet sie: „Und was macht ihr, wenn ihr ein Auto verschenkt?“

Der Umstand, dass Santa Claus, permanent fetthaltige Kekse verzehrend, durch irgendwelche Schornsteine kriecht, besorgt die naive Tina: „Wie soll er da noch durch die Schornsteine passen?“ In bestem „Denglisch“ arbeitet sich das Frauentrio an deutsch-amerikanischen Klischees ab. „When it‘s smelly and you‘re crying, all your cookies are burning and dying.“ Selbstredend gibt es für diese Weisheit ein deutsches Pendant: „Wenn es riecht und du bist am Flennen, sind die Kekse wohl am Brennen.“

Herrlich extrovertiert sorgt das Trio mit kulleräugigem Slapstick, ungelenken Tanzeinlagen, überdrehten Wortspielen und unerwarteten Ausflügen ins Publikum (samt erotischer Überraschung für einen Herrn aus der ersten Reihe) für jede Menge vorweihnachtliches Vergnügen. Mary Kehl, verrät Sängerin Annie Heyer, soll inzwischen nach zwei in Ostfriesland verbrachten Weihnachtsfesten sogar plattdeutsche Weihnachtslieder gelernt haben. „Natürlich mit einem herrlichen amerikanischen Akzent.“

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