Rückblick auf 2021 Weihnachtsansprache des Bremer Bürgermeisters Andreas Bovenschulte

Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte blickt auf das ablaufende Jahr. Er bezeichnet 2021 als "Wechselbad der Gefühle", das bei allen Corona-Herausforderungen auch "helle Ecken" gehabt habe.
24.12.2021, 18:00
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Von Christian Walter

Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte lässt in seiner Weihnachtsansprache das vergangene Jahr 2021 Revue passieren. Er bezeichnet das ablaufende Jahr als "schwierig" und "widersprüchlich", als "Wechselbad der Gefühle": "Niemand kann und will dieses Jahr in besonders leuchtenden Farben malen. Ich auch nicht. Aber wir sollten es auch nicht auf seine Schattenseiten reduzieren." Eine an Fahrt aufnehmende Bremer Corona-Impfkampagne im Frühjahr auf der einen Seite, die Hoffnungen und Zuversicht auf ein baldiges Ende der Pandemie machte, und die den Präsidenten des Senats mit "Stolz auf diese Leistung und den Gemeinsinn" zurückblicken lässt; zum Jahresausklang auf der anderen Seite die Aussicht auf die Virus-Variante Omikron, die auch 2022 erst einmal mit einer unsicheren Perspektive einleite.

Dennoch habe 2021 auch seine "hellen Ecken" gehabt: So erinnerte Bovenschulte an die Feierlichkeiten zum 50-jährigen Jubiläum der Bremer Universität, oder auch an 45 Jahre Städtepartnerschaft mit der polnischen Stadt Danzig. Der Bürgermeister erklärt zudem mit Blick auf die Anstrengungen im Kampf gegen die Corona-Pandemie, dass das Jahr 2021 gezeigt habe, dass die Menschen in Bremen zusammenhalten, füreinander da und solidarisch sind. Andreas Bovenschulte ist überzeugt, dass Bremen „die Pandemie wie alle Herausforderungen in der langen Bremer Geschichte“ mit dieser Solidarität bewältigen kann.

Lesen Sie hier den Wortlaut der Weihnachtsansprache des Bremer Bürgermeisters und Präsidenten des Senats in voller Länge:

Liebe Bremerinnen und Bremer,  liebe Bremerhavenerinnen und Bremerhavener,

im September war ich in einem Kindergarten in der Innenstadt zu Besuch. Ich hatte das den Kindern versprochen, nachdem wir uns im Frühjahr nur virtuell treffen konnten – Corona wegen. Aber im September konnte ich das endlich wahr machen. Und das war richtig schön, weil wir die Möglichkeit hatten, miteinander zu reden, auch miteinander zu singen und einfach eine schöne Zeit miteinander zu verbringen.

Ich erzähle Ihnen diese kleine Geschichte, weil sie gleichsam sinnbildlich für dieses Jahr steht, für 2021, für dieses schwierige, widersprüchliche Jahr.  Für dieses Wechselbad der Gefühle, das sich diese Woche ja fortsetzt. Am Dienstag, drei Tage vor Weihnachten, haben Bund und Länder aus Sorge vor der Omikron-Variante wieder Kontaktbeschränkungen beschlossen. Wir werden uns also wieder einschränken müssen. Einschränken, um das Virus  in Schach zu halten.

Wer hat sich nicht gewünscht, Weihnachten in diesem Jahr wieder unbelastet zu feiern?  Und ganz ehrlich, einige, ich will mich da gar nicht herausnehmen, hatten doch sogar fest damit gerechnet. Dass wir wieder feiern, unbelastet von der Angst, sich oder andere mit dem Virus anzustecken. Unbelastet von Sorge, dass vor allem Kinder und die Ältesten unter uns in der Pandemie leiden. Und unbelastet von der Unsicherheit, ob der Arbeitsplatz nach der Krise noch sicher ist.

Doch dieses 2021 hat uns allen viel abverlangt.  Am Anfang war da diese große Zuversicht: Mehrere Impfstoffe waren unerwartet schnell gefunden – ein Triumph der Wissenschaft.  Die Bremer Impfkampagne nahm richtig Fahrt auf. Ich war damals und bin bis heute richtig stolz auf diese Leistung und den Gemeinsinn, den Bremen hier gezeigt hat.  Und jede und jeder von ihnen darf da auch stolz drauf sein, denn das ist ja wirklich ein Gemeinschaftswerk.  Alle haben mitgemacht: die Verwaltung, die Hilfsorganisationen und die Wirtschaft, die Beschäftigten in den Impfzentren und Arztpraxen.

Und natürlich Sie alle, die sich haben impfen lassen. Ohne Sie und Ihre Solidarität der Gesellschaft gegenüber hätte die Impfkampagne kein Erfolg werden können.  Ohne Sie alle hätten die Kinder und ich im September auch nicht in der Kita zusammen singen können. Wir hätten nicht darüber reden können, was Corona ist, wie sie sich schützen können und dass das Virus vermutlich noch lange bleiben wird.

Nun sind die Sorgen wieder da. Eine neue Virusvariante ist aufgetaucht, über die wir noch nicht genau wissen, was das bedeutet. Was wir aber wissen: Mit Omikron sehen wir uns einer neuen Herausforderung gegenüber. Einer Herausforderung, die wir aber bewältigen können und bewältigen werden, wenn wir wie in der Vergangenheit auf Solidarität und Gemeinsinn setzen.

Das Jahr 2021 hatte aber trotz Corona auch eine Reihe guter Momente.  Unsere Uni hat 50 Jahre Geburtstag gefeiert und uns daran erinnert, was das für eine Erfolgsgeschichte aus schwierigem Anfang geworden ist.  Wir haben 45 Jahre Städtepartnerschaft mit Danzig gefeiert. Und kaum einer kann sich noch vorstellen, was 1976 los war, als praktisch noch Kalter Krieg war oder der gerade überwunden war und sich niemand vorstellen konnte, ein wie enger Kontakt mal mit unseren Freundinnen und Freunden in Danzig entstehen würde.  Und ich fand auch der Besuch des Bundespräsidenten und der damaligen Kanzlerin in Bremerhaven haben deutlich gemacht, welchen Stellenwert die Seestadt und das Land Bremen insgesamt im föderalen Konzert haben.

Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer,  so bleibt vielleicht: Niemand kann und will dieses Jahr in besonders leuchtenden Farben malen. Ich auch nicht. Aber wir sollten es auch nicht auf seine Schattenseiten reduzieren. 2021 hatte auch seine hellen Ecken.  Ich hoffe sehr und wünsche Ihnen, dass auch Sie das beim Blick auf Ihr ganz persönliches Jahr so sehen.  Dass auch Sie sagen können: Ich freue mich und bin dankbar dafür, dass ich dieses oder jenes erleben durfte.  Ich persönlich beispielsweise bin dankbar für diese kleine Szene im Kindergarten im September. Dass wir gemeinsam gesungen haben. "Auf der Mauer, auf der Lauer" oder "Die alte Moorhexe". Das war ein Moment der Leichtigkeit, ein Moment der Nähe und der ehrlichen Freude. Das hat mich berührt. Das hat mir Mut für die Zukunft gemacht. Und ich hoffe den Kindern auch.

Denn wenn dieses Jahr eins gezeigt hat, wenn es eine zentrale Botschaft hatte, dann doch die: Die Menschen in Bremen, die halten zusammen, die sind füreinander da, die sind solidarisch.  Und solidarisch zu sein heißt in diesen Tagen, auch wenn man doch so gerne mit seiner Familie und seinen Freunden zusammen sein möchte, solidarisch zu sein, heißt: Kontakte zu reduzieren. Solidarisch zu sein, heißt: Aufeinander acht zu geben, dass es nicht zu Ansteckungen und zu einer Verbreitung des Virus kommt.  Wenn wir dies beherzigen, dann werden wir die Pandemie wie alle Herausforderungen in der langen Bremer Geschichte auch gemeinsam bewältigen. Wir werden sie bewältigen, weil wir nicht für uns alleine stehen, sondern Teil einer Gemeinschaft sind.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen frohe Weihnachten und ein gutes Jahr 2022.

Ihr Andreas Bovenschulte

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