Nabu freut sich über großen Zuspruch bei seinem ersten Weihnachtsmarkt / Photovoltaikanlage in Betrieb Weihnachtsglück in der Natur

Sebaldsbrück. Der Geruch von Holz, von Glühwein, von Eseln und Rauch zieht den Besuchern entgegen, die sich einen Weg durch die kleinen Schrebergärten in Sebaldsbrück bahnen. Die Luft ist kalt, doch das stört hier niemanden, denn die freundliche Atmosphäre lädt jeden Passanten zum Verweilen ein.
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Von Leander Löwe

Sebaldsbrück. Der Geruch von Holz, von Glühwein, von Eseln und Rauch zieht den Besuchern entgegen, die sich einen Weg durch die kleinen Schrebergärten in Sebaldsbrück bahnen. Die Luft ist kalt, doch das stört hier niemanden, denn die freundliche Atmosphäre lädt jeden Passanten zum Verweilen ein. Familien mit Kindern, Studierende, Jugendliche und Rentner: Auf dem Weihnachtsmarkt, den der Naturschutzbund Bremen für den vierten Advent im Vahrer Feldweg erstmals aufgebaut hat, ist ordentlich was los.

Hauptattraktion ist der Schmiedebereich, den man schon vom Eingang des Geländes aus sieht. Hier schwingt gerade die 23-jährige Arin Malka den Hammer. „Das wird ein Nagel“, sagt sie stolz, und hält ihr Werk in die Höhe. Nebenan steht die kleine Luise und versucht sich an ganz Großem, indem sie das Bogenschießen und das Hufeisenwerfen ausprobiert. Ein paar Meter weiter finden sich selbst geschnitzte Steckenpferde, von Behinderten gebaute Vogelhäuser, ein Schinkenverköstigungsstand, ein Esel-Reitparcours und eine Biozuckerwatte-Maschine.

Die freiwilligen Helferinnen und Helfer an den einzelnen Ständen haben mit den vielen Aktionen schon Erfahrung. „Das Bogenschießen habe ich mit Kindern schon einige Male gemacht. Im Schullandheim Dreptefarm in Wulsbüttel, die ja auch dem Nabu gehört, werden oft Kindergeburtstage organisiert. Beispielsweise mit Indianermotto. Da gehört das dazu“, erklärt der Freiwillige an der Schießscheibe.

Direkt daneben, am Rande des Geländes, befindet sich ein Naturschutzpfad, an dem verschiedene Maßnahmen zum Naturschutz vorgestellt und mit einem Ampelsystem nach „Naturnutzen“ und Aufwand bewertet ­werden. Diese Möglichkeit, sich im Themenbereich des Naturschutzes zu bilden, wird von vielen Besuchern in Anspruch genommen.

Auch die anderen angebotenen Schätze stünden laut Nabu ganz im Zeichen des Naturschutzes. Für den Schinken, der ebenfalls von der Dreptefarm kommt, werden jedes Jahr lediglich zwei Schweine geschlachtet – natürlich mit der Garantie, dass diese ein glückliches Leben mit großzügigem Auslauf genießen konnten.

Auch alles verwendete Holz komme der Umwelt zuliebe aus der Umgebung. Aber braucht man nicht für das Fladenbrot Stöcke? Klar, aber auch hier wissen die Naturschützer sich zu helfen und nutzen getrocknete Birkenäste, an die kleine Pfannen geschraubt sind. Selbst für das neue Gebäude, welches derzeit auf dem Gelände entsteht, wird nur Holz aus der Region als Baumaterial verwendet.

„Noch befindet sich dieser Eselstall im Rohbau“, erklärt Nabu-Geschäftsführer Sönke Hofmann. „Aber bald kommt noch eine neue Holzverkleidung dazu. Dann werden hier auch Bienen und der Trecker ihr neues Heim bekommen. Und wer weiß, vielleicht können dann auch Kinder in Ferienprogrammen die eine oder andere Nacht auf dem Heuboden verbringen.“

Möglich gemacht wurde das Ganze durch eine Nichte des kinderlosen Gärtnerehepaares Fördelmann, dem das Gelände einmal gehörte. Sie sollte es erben, vermachte das rund drei Hektar große Grundstück jedoch 2013 dem Naturschutzbund. Seitdem fasst der Nabu hier ständig neue Projekte ins Auge, verwirft allerdings auch einige wieder.

Viele Menschen, die in der Umgebung leben, nehmen den Weihnachtsmarkt nun als Gelegenheit wahr. So auch der Schwachhauser Joseph Rösener, der die Schafe mit Karotten füttert: „Ich stand hier schon oft vor verschlossenen Toren. Aber heute konnte ich endlich das Gelände betreten und mir ansehen, was der Nabu daraus gemacht hat.“ Die Vahrerin Susanne Görke findet es zusätzlich dazu schön, zu sehen, dass es noch Ecken in Bremen gibt, die nicht flächendeckend bebaut sind und wo die Natur wertgeschätzt wird.

Der Nabu freut sich, dass die Besucher den Markt als Gelegenheit nutzen, die Naturschützer besser kennenzulernen. „Unsere Intention, diesen kleinen Weihnachtsmarkt zu veranstalten, war aber viel profaner“, verrät Sönke Hofmann. „Ich war letztes Jahr auf dem Weihnachtsmarkt an der Schlachte. Der war extrem voll. Da habe ich mir mit meiner Frau gedacht, dass wir ja auch unseren eigenen Weihnachtsmarkt eröffnen könnten, um mal wirklich weihnachtliche Stimmung in der Adventszeit aufkommen zu lassen.“ Mithilfe des Naturschutzbundes hat er seine Idee dieses Jahr mit großem Zuspruch und Erfolg verwirklichen können.

Der Nabu kann außerdem nun dank einer Photovoltaikanlage auf dem Dach des Eselstalls im Vahrer Feldweg bei idealem Sonnenstand fast 10 000 Watt an Strom erzeugen. Das reicht für mehr als die Computer und Kaffeemaschine der Nabu-Geschäftsstelle, wie die Naturschützer erklären. Um möglichst viel eigenen Strom verbrauchen zu können, auch wenn die Sonne mal typisch bremisch nicht scheint, haben die Naturschützer einen Akku im Keller.

Die SWB hat das Projekt über den Fonds des Ökostromprodukts „SWB pro Natur“ unterstützt und damit für den chronisch klammen Umweltverein erst möglich gemacht. „Ich freue mich, dass wir dem Nabu ermöglichen können, einen Gutteil seines Stroms regenerativ zu erzeugen“, betont Iris Klauck, zuständig für „pro Natur“ bei SWB.

Rund 6600 Kilogramm Kohlendioxid könnten die 36 Solarmodule pro Jahr dem Klima ersparen, teilt der Nabu mit. „Für unseren Eselstall ist die Anlage eine echte Krönung“, freut sich Nabu-Geschäftsführer Sönke Hofmann, „ein weithin sichtbares Zeichen, dass jeder etwas gegen den Klimawandel tun kann.“

Neben den Photovoltaik-Modulen hat der Nabu außerdem auch in eine Solarbatterie investiert. Acht Kilowattstunden speichert diese im Keller zwischen. „Damit kochen wir auch bei Schietwetter hundertprozentigen Ökokaffee“, sagt Sönke Hofmann. Da die Menge von Solar- und Windstrom schwankt, müssen Spitzen abgepuffert werden. Durch diesen Akku erhöhe sich der Eigenverbrauch des erzeugten Stroms nun auf über 60 Prozent.

Für den Nabu soll es nicht die letzte Solaranlage auf seinem Gelände in Sebaldsbrück bleiben: „Wir planen noch mindestens eine Anlage, wenn wir unser Seminarhaus bauen.“ Wie auch beim Eselstall soll dafür die Architektur sonnenorientiert sein, mit einem Pultdach gen Süden.

Neben dem Zuschuss von SWB benötigte der Nabu auch die Hilfe fachkundiger Ehrenamtlicher. „Ohne unser bewährtes Elektro-Duo hätten wir uns die Anlage gar nicht leisten können“, bedankt sich der Nabu-Geschäftsführer bei Heinrich Schönke und Thomas Glandien. Beide helfen den Naturschützern bei Konzeption und Umsetzung des anspruchsvollen Energiekonzeptes für das Zentrum.

Das Nabu-Gelände befindet sich am Vahrer Feldweg 185, Kontakt: 45 82 83 64 oder www.nabu-bremen.de.
„Heute konnte ich mir ansehen, was der Nabu daraus gemacht hat.“ Joseph Rösener aus Schwachhausen
„„Für unseren Eselstall ist die Anlage eine echte Krönung.“ Nabu-Geschäftsführer Sönke Hofmann
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