Abschied von einem ruhelosen, großen Herz

Bremer Urgestein Uschi Fritz ist tot

Uschi Fritz ist ein Bremer Urgestein. Mitte der 1990er-Jahre hat sie das Geschäft Weihnachtsträume im Schnoor gegründet und 19 Jahre lang geführt. Nun ist sie im Alter von 78 Jahren gestorben.
28.05.2020, 05:25
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Von Matthias Holthaus
Bremer Urgestein Uschi Fritz ist tot

Uschi Fritz (hier ein Bild aus dem Jahr 2014), Gründerin des Weihnachtsladens im Schnoor, ist gestorben.

Frank Thomas Koch

Das ganze Jahr über in Weihnachtsträumen schwelgen, das ist seit mehr als zwei Jahrzehnten in der Marterburg im Schnoor möglich. Nun ist Ursel Fritz, die Gründerin des Ladens, im Alter von 78 Jahren gestorben.

Uschi Fritz, wie sie zumeist genannt wurde, sei der heiterste Mensch gewesen, den sie gekannt habe, sagt Angela Parrish, eine langjährige Freundin. „Sie hat nur für ihre Weihnachtsträume gelebt, die Weihnachtsartikel hat sie zum Teil nach eigenen Entwürfen gefertigt. Dadurch hat sie sich von anderen Anbietern abgehoben.“ Unheimlich quirlig sei sie gewesen, bis zuletzt, meint Angela Parrish. Und viel unterwegs, auch zu den Fabriken, in denen sie ihre Weihnachtsdekorationen hat fertigen lassen.

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Angefangen hat Uschi Fritz Anfang der 1990er-Jahre mit einem ganz kleinen Stand auf dem Weihnachtsmarkt. Zuvor hatte sie einen schweren Unfall, monatelang war sie auf Gehstützen angewiesen. „Weil ich aber immer etwas zu tun haben muss, habe ich Weihnachtsteller gebastelt. Freunde fanden die schön und haben mir dann vorgeschlagen, dass ich die Teller auf dem Bremer Weihnachtsmarkt verkaufe“, erzählte Uschi Fritz Ende 2013 dem WESER-KURIER. Dort auf dem Weihnachtsmarkt hat sie dann den ersten Preis für ihren Stand erhalten. Es folgte ein größerer Stand und dann das Geschäft im Schnoor, das sie 19 Jahre lang führte. „Das ist ja auch eine Attraktion für Touristen“, meint Angela Parrish, „die waren immer fasziniert. Das Geschäft hat ja auch Teile der alten Stadtmauer integriert, sodass auch regelmäßig Stadtführungen im Laden vorbeigeschaut haben.“ Aber nicht nur die alte Stadtmauer, auch durch die Qualität der angebotenen Sachen habe sich der Laden hervorgehoben. Zum Beispiel gab es jährlich neue, kupferfarbene Weihnachtssterne – „die haben immer reißenden Absatz gefunden. Das waren besondere Stücke. Es gab Leute, die diese Sterne gesammelt haben“, sagt Angela Parrish.

"Sehr eigensinnig, aber ein großes Herz"

Gelebt hat Ursel Fritz auf einem riesigen Anwesen in Gnarrenburg, zusammen mit einem bunten, tierischen Sammelsurium: Schweine waren darunter und Rinder, Hunde und Katzen. Und bis zuletzt hielt sie auch zwei Pfauen. „Immer ruhelos, immer voller Ideen“, erinnert sich Angela Parrish, „und nach der Geschäftsaufgabe war sie viel auf Reisen und hat sich die Welt angeschaut.“ Und auch Musik spielte in ihrem Leben eine große Rolle: „Sie war ein absoluter Rock-’n’-Roll-Fan, es lief immer Musik.“ Weitere Leidenschaften waren die Fotografie oder auch das Kochen: „In ihren Gewächshäusern baute sie Kräuter und Gemüse an“, und überhaupt sei sie eine richtige Macherin gewesen – „sehr eigensinnig, aber ein großes Herz.“

MIT Schnoor Marterburg Geschäft Weihnachtsträume

Das Geschäft Weihnachtsträume im Schnoor ist auch eine Touristenattraktion.

Foto: Scheitz

Ein gutes Herz, davon spricht auch Olaf Nehlsen, der seit etwa sechs Jahren Mitinhaber des Weihnachtsladens im Schnoor ist. „Vorher kannte ich Uschi Fritz gar nicht und zum Laden sind wir ein wenig wie die Jungfrau zum Kinde gekommen“, erinnert er sich. „Wir sind durch den Schnoor gelaufen und haben den Laden gesehen, vorher haben wir das Geschäft gar nicht wahrgenommen.“ Zusammen mit seiner damaligen Lebensgefährtin und jetzigen Frau habe er sich mit Uschi Fritz unterhalten und erfahren, dass sie Nachfolger für das Geschäft suche: „Innerhalb eines Tages haben wir dann beschlossen, den Laden zu übernehmen.“ Und nicht nur von dem ausgefallenen Laden, auch von Uschi Fritz seien sie ein wenig fasziniert gewesen. „Wir waren uns wechselseitig sympathisch, das hat gepasst. Und da haben wir uns gesagt, dass wir das einfach mal versuchen.“

Fritz hat den Weihnachtsladen aus vollem Herzen betrieben

Erst einmal seien sie dann zur Einarbeitung auf Uschi Fritz angewiesen gewesen – eine Zeit, in der sie sie auch besser kennenlernen konnten. „Uschi Fritz passte in den Laden. Wenn man sich eine Weihnachtsfrau vorstellt, könnte man Uschi Fritz gemalt haben. Sie hat den Laden aus vollstem Herzen betrieben.“ Dabei sei sie nicht materiell eingestellt gewesen, „wichtig war ihr, schöne Dinge zu entwickeln, zu produzieren und den Leuten zukommen zu lassen. Das war ihr Lebenswerk.“

Im Kern sei sie ein sehr feiner Mensch gewesen: „Sie wusste im Leben immer, was sie wollte. Wenn sie ein Ziel hatte, hat sie das auch verfolgt, das bewunderte ich an ihr“, sagt Olaf Nehlsen. Insgesamt sei ihr Tod ein schmerzlicher Verlust: „Obwohl wir sie nur sechs Jahre kannten, gehörte sie dazu“, meint er. „Sie wird immer in Gedanken im Laden und bei uns sein. Der Laden ist ihr Kind. Das wird immer so bleiben.“

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