Wein und Wahrheit

Eine Flasche Ratskellerwein für 150000 Euro. Das Angebot eines Milliardärs aus China – und die Nachricht ging um die Welt.
01.02.2014, 00:00
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Wein und Wahrheit
Von Jürgen Hinrichs

Eine Flasche Ratskellerwein für 150000 Euro. Das Angebot eines Milliardärs aus China – und die Nachricht ging um die Welt. Das Fernsehen, die Zeitungen, niemand, der nicht draufsprang. Bremens Wein in aller Munde, könnte man sagen. Eine Werbung für die Stadt und ihren Ratskeller, wie es sie noch nicht gegeben hat. Und nun das: Herr Huang, der Milliardär, will nichts davon wissen. „Ich habe in Bremen nie die Absicht geäußert, Wein zu erwerben“, sagte er der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“. Rums! Das saß.

Sollte der Ratskellermeister etwa gelogen haben? Hat er die Geschichte erfunden, um seinen Ruf und den seines Kellers zu mehren? Schärfer gefragt: Ist Karl-Josef Krötz ein ruchloser Schwindler?

Krötz, nein, der nicht. Er ist ein Ehrenmann, Hand drauf. Und so darf man ihm getrost glauben, wenn er die Geschichte noch einmal erzählt: Ein Chinese zu Besuch in Bremen, der den Ratskeller besichtigen möchte. Er lässt sich das berühmte Rosefass zeigen, hört vom Wein darin, und will ihn kaufen. Eine Flasche für 150000 Euro.

Großer Wirbel nicht nur in den Medien, als die Offerte bekannt wurde. Beratungen im Senat und beim Bürgermeister, eine aufgeregte öffentliche Debatte: Dürfen wir den Wein überhaupt verkaufen? Oder sollten wir es sogar tun, weil Bremen so klamm ist und jeden Euro braucht?

Schwierig. Das Rathaus ist Weltkulturerbe, der Keller auch. Und der Wein? Man weiß es nicht. Am Ende kam jemand auf den schlauen Gedanken, zunächst mal zu klären, ob der Chinese den Wein überhaupt noch haben will. Krötz setzte ein Schreiben auf. Und Herr Huang hat jetzt geantwortet, wie der Senat gestern mitteilte.

Ein Missverständnis, so die Botschaft aus dem Reich der Mitte. Nicht der Wein aus dem Rosefass sollte es sein, sondern eine deutlich weniger teure Flasche aus der Schatzkammer des Ratskellers. Und so geht diese Geschichte zu Ende, chinesisch, wenn man so will: Alle haben ihr Gesicht gewahrt.

Jürgen Hinrichs

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