Urteil des Oberverwaltungsgerichts Bremen

Weiter Protest gegen Affenversuche

Bremen. Von Zustimmung bis Unverständnis reicht dieBandbreite der Reaktionen auf die Entscheidung des Bremer Oberverwaltungsgerichts. Das hatte am Dienstag Versuche mit Affen an der Uni weiter erlaubt.
13.12.2012, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Rog
Weiter Protest gegen Affenversuche

Ein Makak - laut einem Gutachten leiden die Affen dabei mäßig bis erheblich.

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Bremen. Von Zustimmung bis Unverständnis reichte gestern die Bandbreite der Reaktionen auf die Entscheidung des Bremer Oberverwaltungsgerichts. Die Richter hatten am Dienstag entschieden, dass die Affenversuche des Hirnforschers Andreas Kreiter an der Universität Bremen weitergeführt werden dürfen.

"Die Entscheidung kam für mich nicht überraschend", betonte gestern Kreiter auf Nachfrage. Das Bundestierschutzgesetz spreche eine eindeutige Sprache. Tierversuche seien demnach erlaubt, soweit sie zum Vorbeugen, Erkennen oder Behandeln von Krankheiten unerlässlich seien. Ausdrücklich stelle Paragraf 7 des Gesetzes die Grundlagenforschung diesen Anliegen gleich.

"Ohne Tierversuche wäre das Leben auch für mich einfacher. so Kreiter. Aber das ist eine Idealwelt, und in der leben wir nicht." Zugleich verwies er auf Artikel 5 des Grundgesetzes, der die Freiheit für Forschung und Lehre garantiere. Das Grundrecht dürfe nicht aus ideologischen oder politischen Gründen außer Kraft gesetzt werden.

Hirnforscher Andreas Kreiter.

Hirnforscher Andreas Kreiter.

Foto: Koch

Die Bremer Grünen bedauerten die Entscheidung. "Wir lehnen die Affenexperimente an der Uni weiterhin ab." Man sei zu der Überzeugung gelangt, dass die Versuche ethisch nicht vertretbar sind, erklärte die wissenschaftspolitische Sprecherin der Grünen, Silvia Schön. Diese Haltung habe 2007 sowohl die Bürgerschaft geteilt als auch rund 80.000 Bremerinnen und Bremer in entsprechenden Bürgeranträgen. Als "nicht nachvollziehbar" bezeichnete Schön, dass das Gericht keine Revision zugelassen habe und kündigte die Prüfung einer Beschwerde dagegen an. Linda Neddermann, tierschutzpolitische Sprecherin der Partei, fügte hinzu, dass nach über zehn Jahren die Versuche an den hoch entwickelten Tieren keinen erkennbaren Nutzen für die Heilung von Krankheiten gebracht hätten. Das Urteil sei eine "herbe Enttäuschung für den Tierschutz".

Tierschützer Wolfgang Apel.

Tierschützer Wolfgang Apel.

Foto: Zoellner

Wolfgang Apel, Ehrenpräsident des Deutschen Tierschutzbundes und Vorsitzender des Deutschen Tierschutzvereins, zeigte sich "geschockt" über den Richterspruch. "Wir werden nicht nachlassen, dagegen anzugehen", betonte er gestern. Wer jetzt aufgebe, begehe Verrat an den Tieren. Magnus Buhlert (FDP) wertete die Gerichtsentscheidung dagegen "als Sieg für die Forschungsfreiheit". Rein politisch motivierte, rechtswidrige Verbote taugten nicht für "hervorragende Wissenschaft".

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