Protest vor Polizeipräsidium in der Vahr Weiterer Marokkaner abgeschoben

Ein junger Straftäter ist am Montagmorgen nach Casablanca ausgeflogen worden. Die Demonstration von 25 Aktivisten konnte daran nichts ändern. Und: Weitere Abschiebungen sind bereits geplant.
27.02.2017, 13:08
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Weiterer Marokkaner abgeschoben
Von Jan Oppel

Ein junger Straftäter ist am Montagmorgen nach Casablanca ausgeflogen worden. Die Demonstration von 25 Aktivisten konnte daran nichts ändern. Und: Weitere Abschiebungen sind bereits geplant.

Der Traum von einem besseren Leben in Deutschland endet am Frankfurter Flughafen. Um 16:25 Uhr startet die Maschine der Royal Air Maroc in Richtung Casablanca. Für den Marokkaner H. geht es am Montag zurück in ein Land, das er vor neun Jahren als Jugendlicher verlassen hat.

Um kurz nach vier Uhr morgens wird der 22-jährige Marokkaner H. vom Präsidium in der Bremer Vahr mit dem Auto nach Frankfurt gefahren. Seit Mitte Januar saß er in Abschiebehaft, am Montag wurde er ausgeflogen. Etwa 25 Anhänger der Initiative „Stop Deportation Bremen“ demonstrieren vor der Polizeiwache gegen die Abschiebung – friedlich, darum hatte H. selbst gebeten. Für ihn gibt es keine Chance auf eine Duldung in Bremen. Selbst wenn seine Unterstützer die Abschiebung verhinderten, bliebe H. im Gefängnis. Das will er nicht. „Er hat gesagt: Lieber in Marokko auf der Straße, als in Bremen im Knast“, sagt ein Sprecher der Demonstranten.

In Bremen ist H. vor allem im Zusammenhang mit Straftaten aufgefallen: Zehn Mal wurde gegen den Marokkaner wegen Diebstählen und Körperverletzungsdelikten ermittelt, ein Mal wurde er nach Auskunft der Bremer Innenbehörde auch verurteilt. Hier wird der 22-Jährige als einer von 41 sogenannten „nordafrikanischen Intensivtätern“ geführt. Bei dieser Gruppe handelt es sich durchweg um unbegleitete Minderjährige aus Marokko und Algerien, die im Winter 2015/16 nach Bremen gekommen sind. Mehr als die Hälfte von ihnen ist inzwischen erwachsen und kann deshalb theoretisch abgeschoben werden. In der Vergangenheit scheiterte dieses Vorhaben aber an der fehlenden Kooperation ihrer Herkunftsländer. Nun scheinen die Weichen gestellt. Es ist bereits die zweite Abschiebung binnen weniger Wochen: Bereits Anfang Februar wurde ein Marokkaner ausgeflogen. Zwei weitere sollen nach Angaben der Innenbehörde in den nächsten Wochen folgen.

Wie es für H. in Marokko weiter geht, ist ungewiss. Mit 13 Jahren habe er seine Heimatstadt Tanger verlassen und seitdem in mehreren europäischen Städten gelebt, meistens auf der Straße oder bei Freunden, erzählt der Sprecher der Initiative „Stop Deportation Bremen“. In Bremen habe der Marokkaner keinerlei staatliche Unterstützung bekommen. H. habe seit seinem 18. Geburtstag weder eine Perspektive auf einen Aufenthaltstitel gehabt, noch habe er arbeiten oder eine Schule besuchen dürfen.

Dass der Abgeschobene in Bremen offenbar Straftaten begangen hat, können auch die Aktivisten von „Stop Deportation Bremen“ nicht leugnen. Ihr Protest richtet sich generell gegen Abschiebungen: „Wir lehnen das Recht, das Menschen verwehrt, sich dort aufzuhalten, wo sie sich aufhalten wollen, ab“, teilt die Gruppe mit. „Unserer Meinung nach gibt es keine Gründe, die eine Abschiebung legitimieren können.“

Nach seiner Landung in Casablanca bleiben H. 100 Euro für die 350 Kilometer lange Reise zu seiner Familie nach Tanger. Nach Angaben der Gruppe „Stop Deportation Bremen“ ist aber gar nicht klar, ob er überhaupt dorthin zurückkehren kann. Der Vater sei alkoholkrank, habe kein Geld und habe seinem Sohn davon abgeraten, nach Hause zu kommen. H.'s Unterstützer wollen nun von Bremen aus versuchen, dem jungen Mann weiterzuhelfen.

(Aktualisiert am 27.2. um 15:38 Uhr)

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