Nach 70 Jahren kommt das Aus Kreienborg Feinkost im Bremer Steintor schließt

Die Geschäftsleute im Steintor befinden sich in einer schwierigen Phase. Nun schließt auch der Traditionsbetrieb Kreienborg Feinkost an diesem Wochenende
21.04.2021, 21:28
Lesedauer: 3 Min
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Kreienborg Feinkost im Bremer Steintor schließt
Von Sigrid Schuer

Im Steintor geht am Wochenende eine Ära zu Ende. Das Geschäft Kreienborg Feinkost, Spezialist für Geflügel- und Wild-Delikatessen und seit mittlerweile sieben Jahrzehnten eine Institution, schließt am Sonnabend, 24. April, für immer ihre Pforten. Damit gibt ein weiterer Fachhändler im Steintor auf, das ohnehin schon mit zunehmendem Leerstand zu kämpfen hat. Einen Nachfolger aus der Branche wird es nach derzeitigem Stand nicht geben. Dem Vernehmen nach ist der Laden bereits neu vermietet, künftig soll hier vorwiegend Vegetarisches verkauft werden.

„Vor der Corona-Pandemie hatten wir so einige Interessenten, die das Geschäft gern übernehmen wollten, aber in der jetzigen, unsicheren Situation wollte niemand mehr das Risiko eingehen“, schildert Gerfried Nordloh, mit seiner Frau Sonja seit Jahrzehnten die Seele des Feinkost-Geschäftes. Nordloh stammt ursprünglich aus Wildeshausen, mehr als 110 Jahre Stammsitz des Traditionsunternehmens, das Geschäftsführer Walter Kreienborg 2019 verkauft hat.

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Wie Gerfried und Sonja Nordloh gehörte auch seine Mutter Maria zu den Stützen des Unternehmens, die viele Jahre den Laden am Steintor mit vier Fachkräften führte. Heute sind es noch zwei Fachkräfte. Schon als Bremer Butjer im Alter von sieben Jahren packte er im Geschäft mit an und guckte sich so einiges bei seiner Mutter ab. So erzählt es Nordloh. Er lernte das Geschäft sozusagen von der Pike auf. Später studierte er Betriebswirtschaft und übernahm dann den Laden im Steintor. Gerfried Nordloh ist nun fast so alt wie sein Feinkost-Geschäft. „Ich werde 70. Gern hätte ich den Laden noch weiter geführt, aber das Alter macht sich dann irgendwann doch bemerkbar“, resümiert er und angesichts der Lücken in den Regalen schwingt ein wenig Wehmut in seiner Stimme mit. Erschwerend hinzu komme das tägliche Pendeln zwischen Wildeshausen und Bremen.

Kreienborg Feinkost, der Name war Programm. Für viele Bremerinnen und Bremer war es ein Ritual, ihre Weihnachtsgans oder Wild wie Reh oder Wildschwein bei Kreienborg zu kaufen. Jahrzehntelang war das Feinkost-Geschäft auch auf den Wochenmärkten am Domshof und in Findorff präsent. In ganz Norddeutschland gab es rund ein Dutzend Filialen des Wildeshauser Stammhauses, drei davon allein in Hamburg. Doch die Lebensmittelmärkte in Kaufhäusern und letztlich auch die Discounter forderten ihren Tribut. Angesichts der dort gebotenen Dumpingpreise kann Gerfried Nordloh nur mit dem Kopf schütteln. Aber es gebe heute wieder immer mehr Kundschaft, die viel Wert auf Herkunft und Aufzuchtbedingungen der Tiere lege, deren Fleisch auf ihren Tellern landeten.

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„Den Menschen muss bewusst sein, wie arbeitsintensiv das für die Landwirte ist. Das ist nicht mal eben für'n Appel und 'n Ei zu haben“, betont er. Das fange schon bei der Auswahl des richtigen Futters an. Die Ware, die bei Kreienborg verkauft wurde, hat einen regionalen Bezug und wurde von Bauernhöfen und Jägern aus der Gegend geliefert. Ein Einkauf in dem Feinkost-Geschäft konnte gerade in Corona-Zeiten nicht nur für passionierte Hobby-Köchinnen und -Köche ein Lichtblick sein.

Und wer nicht so viel Lust zum Kochen hatte, der konnte sich schon in Vor-Corona-Zeiten vom hauseigenen Koch frisch zubereitete Gerichte mitnehmen und zu Hause oder im Büro genießen. Der Klassiker: Die Hühnersuppe, die sich als Verkaufsschlager entpuppte. Aber im Hause Kreienborg wurden noch weitere Gerichte auf Geflügelbasis kreiert: Ein weiterer Klassiker war das Hühnerfrikassee, außerdem Gulaschsuppe und Chili con Carne sowie Thai-Curry. Und, als besondere Spezialität: Wildtauben-Suppe Münsterländer Art. „Viele haben sich damit eingedeckt und gleich bis zu sieben Portionen gekauft, da sich das ja prima einfrieren ließ“, so Gerfried Nordloh. Nachschub gibt es ab dem Wochenende aus dem Hause Kreienborg nicht mehr.

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