Geld aus dem zentralen Fördertopf

Gute Aussichten für die Farm

Einrichtungen der offenen Kinder- und Jugendarbeit stehen Besuchern aus allen Quartieren zur Verfügung. Ihre Finanzierung ist aber meist stadteilbezogen geregelt. Das könnte sich künftig ändern.
15.06.2020, 05:05
Lesedauer: 3 Min
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Von Matthias Holthaus

1,1 Millionen Euro für den Rest des Jahres 2020 sowie 1,3 Millionen Euro für das Jahr 2021, auf diese Summe kommt Bernd Schneider, Pressesprecher der Sozialsenatorin, wenn er über das Budget des angedachten zentralen Fördertopfs für Jugendarbeit spricht. Allerdings: „Nach vorsichtiger Interpretation, ich bin zurückhaltend, was Zahlen angeht“, sagt er. Denn noch sei alles lediglich in der Planung, der Haushalt stehe erst im Juli.

Doch selbst diese vorsichtigen Schätzungen geben für viele Einrichtungen der offenen Kinder- und Jugendarbeit Anlass zur Hoffnung, sind sie doch seit Jahren unterfinanziert. Besonders der Umstand, dass Jugendtreff-Einrichtungen über die Stadtteile hinaus Besucher anziehen, macht diese zwar erfolgreich, doch je höher sie frequentiert sind, desto größer auch die finanzielle Herausforderung.

„Wir kämpfen seit Jahren dafür, dass wir in diesen Topf hineinkommen“, sagt dann auch Susanne Molis, Vorstand des Vereins Kinder- und Jugendfarm Bremen in Habenhausen. „Wir haben die Kriterien für diesen Topf seit Jahren erfüllt. Die Arbeit hier entspricht allen Anforderungen der offenen Jugendarbeit.“ Mit mehr als 30 Prozent gibt sie die Prozentzahl der Kinder und Jugendlichen an, die aus anderen Stadtteilen kommend, regelmäßig das Angebot der Farm nutzten. „In den Ferien sind es noch mehr. Da kommen einige sogar aus Bremen-Nord. Offene Jugendarbeit geht weit über den Stadtteil hinaus. “ Die Farm reagiere dabei auf die Bedürfnisse der Kinder. So etwa 2015, als sie im Rahmen der zunehmenden Flüchtlingszahlen in Bremen dafür gesorgt habe, dass Flüchtlingskinder der Enge der Unterkünfte hätten entfliehen können.

Bereits im Frühjahr dieses Jahres hatte sich die Kinder- und Jugendfarm klar positioniert, indem sie an einem Montag im Februar gestreikt hat. Der Grund: Für das laufende Jahr sollte die Farm 170 000 Euro erhalten, 7000 Euro weniger als im Jahr zuvor. Kürzungen der Honorare im Jugendbereich waren die Folge, das Kochangebot für Jugendliche wurde reduziert, eine „Lange Farmnacht“ gleich ganz abgesagt. Dabei kämpfe das Team der Kinder- und Jugendfarm in Habenhausen nicht nur für sich, sondern für den ganzen Stadtteil, sagte Susanne Molis damals dem STADTTEIL-KURIER.

Neben den unzureichenden städtischen Mitteln hat die Farm auch mit weiteren Einnahmeausfällen zu kämpfen. Sie erwirtschaftet den überwiegenden Teil ihres Budgets über ein Farmfest, Spenden oder auch Veranstaltungen. „Plötzlich fehlen 30 000 Euro, die wir aufbringen müssen“, erklärt sie ein weiteres Dilemma. Denn auch hier schlägt die Corona-Pandemie voll zu. Für die Einrichtung bedeutet das: „Die Besuche der Schulen fallen weg, Geburtstage oder Schulabschlussfeiern“, sagt sie über den Ausfall der Einnahmemöglichkeiten.

Das zusätzliche Geld käme gut an: „Wir würden damit unsere Mittel aufstocken, die uns nun fehlen. Mit diesem Minus sind wir in das Jahr gestartet und mit dem angedachten Fördertopf könnten wir unseren Standard halten.“ Und dieser Standard sei unabdingbar für die Arbeit der Farm. „Viele Schulen haben den Bedarf, die Kinder in die Natur zu bringen und dieses Angebot bieten wir ihnen.“ Und die Farm bietet in Corona-Zeiten auch ein weiteres Angebot: „Wir haben entschieden, dass wir eine sechsstündige Betreuung ab 8 Uhr morgens für Kinder berufstätiger Eltern anbieten. Das geht über das hinaus, was für den Stadtteil notwendig ist“, sagt sie.

Auch die Stadtteilfarm Huchting würde gerne an dem angedachten Fördertopf teilhaben, meint die stellvertretende Leiterin Sigrun Bösemann. „Das Thema ist, dass die Kosten steigen und der Geldtopf für die Stadtteile nicht in gleicher Höhe steigt wie die Ausgaben. Dadurch bleibt für uns weniger übrig.“ Die Farm in Huchting erwirtschafte ebenfalls einen Eigenanteil durch Vermietungen oder Gruppenbesuche von Schulen oder Kindergärten – „da fällt in diesem Jahr eine Menge aus“, sagt Bösemann. Aber auch aus einem anderen Grund sei mehr Geld für die Farm sinnvoll: „Je mehr Geld wir bekommen, desto bessere Arbeit können wir machen und desto qualifizierter ist das Personal, das wir dann einstellen können.“ Die Gelder, die die Farm erhalten würde, seien für die Stadtteilbewohner gedacht: „Und es wäre gerecht, wenn auch Geld aus dem Fördertopf für stadtteilübergreifende Angebote kommen würde.“

Sigrun Bösemann findet es gut, dass Kinder und Jugendliche aus ganz Bremen die Farm besuchen – eine wichtige Form der Kommunikation sei das. „Die Kinder lernen und profitieren voneinander. Wir machen zum Beispiel auch Radtouren mit dem ADFC.“ Da nähmen dann auch Besucher aus anderen Stadtteilen als aus Huchting teil, mit zum Teil anderem Hintergrund, was Bildung oder Finanzen angeht und das sei wichtig: „Dann lernen die Kinder auch mal die andere Seite kennen.“

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