Liza Ferschtman erzählt bei „Rhapsody in school“ in der Schule am Pulverberg von ihrer Musik und ihrem Leben Weltklasse-Geigerin trifft auf Grundschüler

Das Format "Rhapsody in school", das vor acht Jahren von dem Weltklasse-Pianisten Lars Vogt ins Leben gerufen wurde, bringt Klassik-Stars zum Anfassen auch in Bremer Schulen. Die Geigerin Liza Ferschtman war jetzt in der Schule am Pulverberg zu Gast.
14.04.2013, 05:00
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Das Format "Rhapsody in school", das vor acht Jahren von dem Weltklasse-Pianisten Lars Vogt ins Leben gerufen wurde, bringt Klassik-Stars zum Anfassen auch in Bremer Schulen. Die Geigerin Liza Ferschtman war jetzt in der Schule am Pulverberg zu Gast.

VON SIGRID SCHUER

Oslebshausen. "Kannst Du auch den ’Fluch der Karibik spielen ?’" Na klar kann Liza Ferschtman, auch wenn sie das Stück überhaupt nicht kennt und die schnell herbei geholten Noten gerade eben erst vom Blatt spielt. "Ihr müsst aber alle mitsingen!", fordert die Geigerin, die auf den bedeutendsten Konzertpodien der Welt zu Hause ist, die rund 20 Dritt- und Viertklässler der Streicherklasse der Schule am Pulverberg auf. Noch an den beiden Abenden zuvor hat sie das Publikum gemeinsam mit den Bremer Philharmonikern mit ihrer virtuosen Interpretation von Josef Suks Fantasie g-moll für Violine und Orchester zu Beifallsstürmen hingerissen. In der ersten Reihe des neunten Philharmonischen Doppelkonzertes mit dabei: 20 Schülerinnen und Schüler aus Walle, begleitet von ihren Eltern, die ihre Kinder zum ermäßigten Preis begleiten konnten. "Das war toll", schwärmen die achtjährige Imke, die Cello spielt, und die ein Jahr ältere Joelle, die selbst Geigerin ist. "Das war total spannend, wie Liza ganz schnell auf ihrer Geige gespielt hat."

Dass Liza Ferschtman geübt im musikalischen Umgang mit Kindern und Jugendlichen ist, merkt man der Vollblutmusikerin an. Sie geht ganz natürlich auf die Mädchen und Jungen zu, ist gleich mit ihnen per Du und beantwortet geduldig ihre vielen Fragen. Dabei ist es der erste Auftritt der 33-Jährigen bei "Rhapsody in school", jenem Format, dass der Weltklasse-Pianist Lars Vogt vor acht Jahren mit Projektleiterin Sabine von Imhoff ins Leben rief. Das Konzept: Große Künstler gehen in die Schulen, um sich den Fragen von Kindern und Jugendlichen zu stellen und für sie ein kleines Privatkonzert zu geben. Eigentlich ist ’Der Fluch der Karibik’, einer der Standardtitel von Crossover-Geiger David Garrett, nicht Liza Ferschtmans Welt. Mit geschlossenen Augen, beginnt sie voller Hingabe ein Präludium von Bach zu spielen und zieht die Schülerinnen und Schüler mit dieser ernsten Musik so in den Bann, dass sie kaum genug davon bekommen können. Gemeinsam tauchen sie in Bachs musikalischen Kosmos ein. "So, und nun schließen wir beim Hören alle die Augen", sagt sie. Die Konzentration auf das Hören liegt förmlich in der Luft, eine Gruppe von Mädchen lauscht aneinandergekuschelt der glasklaren Bach-Musik. Dann überraschen die Schülerinnen und Schüler die Violinistin sogar mit einer Hommage an Bachs "Badinerie", der H-Moll-Suite. "’Badinerie’ ist ein Stück von Bach geschrieben, galant und lustvoll", sprechen sie im Chor. "Wow", Liza Ferschtman staunt nicht schlecht und erfährt so ganz nebenbei, dass die Streicherklasse unter der Leitung von Christel Blank-Meine schon vor einiger Zeit einen Bach-Wettbewerb gewonnen hat. Anders als bei Kindern, die noch nie mit klassischer Musik in Kontakt gekommen sind, kann die aus einer russischen Musikerfamilie stammende und in Amsterdam aufgewachsene Geigerin die kleinen Fast-Profis, die selbst Geige und Cello spielen, schon in die Geheimnisse des zweistimmigen Doppelgriff-Spiels, mit der Bachs Musik noch spannender klingt, und des Vibratos einführen. "Die Geige ist der menschlichen Stimme ganz ähnlich im An- und Abschwellenlassen eines Tones", erläutert sie. "Zwar möchten wir Kindern auch den Erstkontakt zur klassischen Musik vermitteln. Aber wir möchten auch den Einsatz derjenigen belohnen, die für die Musik brennen und viel üben", unterstreicht Sabine von Imhoff. Diese Ausgabe von "Rhapsody in school" ist auch ein Abschiedsgeschenk an Christel Blank-Meine, die in diesem Jahr in Ruhestand geht und an deren ehemaliger Schule an der Stader Straße vor einigen Jahren zum ersten Mal das "Rhapsody"-Format in Bremen überhaupt lief. Zu Gast damals: Emanuel Pahud, Solo-Querflötist bei den Berliner Philharmonikern. Ums nicht gerade spannende Üben kommen weder Pahud noch Ferschtman herum: "Man muss einfach dran bleiben, um tolle Stücke spielen zu können", seufzt die Geigerin, die im Alter von fünf Jahren ihr Instrument zu spielen begann und sagt: "Ich werde das machen bis ich 100 bin, hoffe ich!"

Klar, dass sich Musiker im Takt der Werke, die sie spielen, bewegen. "Man kann es aber auch übertreiben", sagt die Geigerin und demonstriert, wie das aussieht, wenn Ihre Lockenmähne im Takt der Musik fliegt. Jetzt lässt sie den Bogen über ihr Instrument tanzen und spielt eine heitere Gavotte, Tanzmusik von Bach, fast 300 Jahre alt. Aber auch Selbstironie ist Liza Ferschtmans Ding: "Ich habe eigentlich keine gute Koordination, sodass ich nicht tanzen kann und für das Klavier habe ich zwei linke Hände. Da ist es eigentlich ein Wunder, dass ich Geige spielen kann." Finanzexperte Andreas Hüchting und Katharina Janssen, die ab sofort die "Rhapsody in school"-Koordination in Norddeutschland übernimmt, wollen das Format mit Hilfe von Sponsoren noch auf mehrere Schulen ausweiten und auch Solisten, die bei der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen auftreten, für Schulbesuche gewinnen.

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