Protestantische Gemeinde Vegesack legt erstes Kulturprogramm in gedruckter Form vor Weltliche Entdeckungen in der Stadtkirche

Vegesack. Ungewöhnliche Töne sind in der Vegesacker Stadtkirche des öfteren zu hören. Neben Kirchenliedern und geistlichen Konzerten hallen mit schöner Regelmäßigkeit bei Pop-Gottesdiensten ganz weltliche Klänge durch den Raum. Sogar zu wenig heiligen Jazzklängen klopften Konzertbesucher auf den Kirchenbänken schon den Takt. Aufgeschlossen für Neues zeigt sich die Vereinigte evangelisch-protestantische Kirchengemeinde Vegesack auch mit ihrem aktuellen Halbjahresprogramm.
25.06.2011, 05:00
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Von Gabriela Keller

Vegesack. Ungewöhnliche Töne sind in der Vegesacker Stadtkirche des öfteren zu hören. Neben Kirchenliedern und geistlichen Konzerten hallen mit schöner Regelmäßigkeit bei Pop-Gottesdiensten ganz weltliche Klänge durch den Raum. Sogar zu wenig heiligen Jazzklängen klopften Konzertbesucher auf den Kirchenbänken schon den Takt. Aufgeschlossen für Neues zeigt sich die Vereinigte evangelisch-protestantische Kirchengemeinde Vegesack auch mit ihrem aktuellen Halbjahresprogramm.

Das liegt jetzt erstmals als Faltblatt vor. 20 Veranstaltungen von Juli bis Dezember sind gebündelt zu Papier gebracht: Konzerte, kleine Mittagsmusiken, Führungen durch Kirche und Stadtteil. Überraschungen inklusive. Zum Festival Maritim gestaltet die Gemeinde in diesem Jahr nicht nur den Open-Air-Gottesdienst im Stadtgarten. Das Festival spielt erstmals direkt in der Stadtkirche. Am 4. August geht Pastor Volker Keller der Frage nach: "Wer entdeckte Amerika?" Dazu gibt's nordische Musik. Am 5. August lädt das Vegesack Marketing zu einem Konzert mit Gruppen aus Polen, Frankreich, Irland und Deutschland in das Gotteshaus.

Die Stadtkirche und die Seefahrt verbindet mehr als nur die schmückenden Karavellen neben dem Altar. Adolph Bermpohl, der Gründer der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger, war einst Gemeindemitglied. Und der Kirchturm gehörte zum Netz der optischen Telegrafie-Stationen, die den Kaufleuten und Reedern in Bremen das Ein- und Auslaufen von Schiffen signalisierte.

Musikalische Grenzgänger

Heute in Paris, morgen in der Stadtkirche in Vegesack-das Schné-Ensemble kommt von der Seine an die Weser. Musikalisch überschreitet die Gruppe mit Pop, Jazz, Kammermusik und Chanson ebenfalls Grenzen. Die erste CD wurde 2010 zum besten deutschsprachigen Album gewählt. Am 28. August gastiert das Sextett um Sängerin Henrike Schné in Vegesack. Durch persönliche Kontakte eines Mitglieds aus dem Organisationsteam der Stadtkirche zum Komponisten und gebürtigen Nordbremer Ingo Höricht ist es gelungen, den Fisch an Land zu ziehen.

Beziehungen zu Vegesack hat auch die Folkgruppe "Tiree". Eine der Musikerinnen arbeitete vor Jahren als Pädagogin an einer Schule in der Nachbarschaft, weiß Hartmann Vandré vom Team der Stadtkirche-Kulturmacher. Am 11. September lässt "Tiree" auf Geige, Flöte, Dudelsack, Drehleier und Bodhran "independent folk" im Gotteshaus erklingen.

Mit Konzerten wie diesen will die Stadtkirche nach den Worten von Volker Keller einen Bogen zwischen weltlicher und geistlicher Kultur schlagen. "Gute weltliche Kultur hat immer auch eine religiöse Tiefe. Die Erfahrung, dass der Einzelne eingebunden ist in das große Ganze, lässt sich auch hier machen", meint der Pastor.

Am 25. September knüpfen die Vegesacker ein musikalisches Band mit der Partnergemeinde Alt-Aumund, aus dem gemeinsamen Verbund mit der Christophorus-Gemeinde Aumund/Fähr und der reformierten Gemeinde Aumund. Bei einem Konzert in der Alt-Aumunder Kirche singen und spielen die Vegesacker Kantorei, der Chor der Christusgemeinde, das a-capella-Quartett "Consonanz" und das Streicher-"Quartetto Oscuro".

Zu einer Reise durch Raum und Zeit laden Klänge, Worte und Bilder am 6. November ein. Komponist Jörn Schipper hat aus Gedanken des Physikers und Nobelpreisträgers Steven Hawking ein audiovisuelles Projekt entwickelt. Eine Uraufführung erlebt die Stadtkirche am 13. November. Am Volkstrauertag erklingt das "Requiem für einen unbekannten Soldaten" von Ulrich "ULee" Brueck aus Osterholz-Scharmbeck. Das Werk des Kirchenmusikers, der Pop-Gottesdienste in der Stadtkirche musikalisch betreut, verspricht Spannendes: klassische und moderne Texte, unterlegt von Südstaaten-Groove. Mitglieder vom Chor der Universität Bremen, Musiker und Sänger aus der Region und der Gemeinde wirken mit.

Fünf "Mittagsmusiken" am Sonnabend unter der Leitung von Kantor Harald Göbel runden den musikalischen Reigen in der Stadtkirche ab. Die Termine: 2. Juli, 3. September, 10. Oktober, 5. November und 3. Dezember.

Mit ihrem Kulturprogramm will sich die Kirche noch stärker dem Stadtteil öffnen. Sperrangelweit steht die Tür beim Denkmaltag am 11. September offen. Peter Reinhold führt durch die Kirche und das Gemeindezentrum unter dem Dach. Es geht aber auch umgekehrt aus dem Gotteshaus hinaus in den Stadtteil. Bei einer Führung unter anderem zum früheren Armenhaus blättert der Historiker Torsten Kropp am 11. September die Sozialgeschichte Vegesacks auf. Außerdem nimmt er Besucher mit auf einen Bilder-Streifzug durch Vegesack gestern und heute. Die Führung wird am 3. Oktober wiederholt, die Bilder-Zeitreise am 14. Oktober. Was Gräber an Geschichte(n) erzählen, ist am 25. September, 30. Oktober und 19. November auf dem Friedhof an der Lindenstraße in Fähr-Lobbendorf zu erfahren.

Das Faltblatt mit dem Kulturangebot der Stadtkirche Vegesack liegt ab sofort in den Vegesacker Kulturstätten, den Verbundgemeinden und anderen Orten aus. Das Kulturbüro Bremen-Nord hat das Programm in seinen im Juli erscheinenden Veranstaltungskalender für das zweite Halbjahr aufgenommen und wird auch es auf seiner Homepage im Internet veröffentlichen.

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