Bremer Sechs-Tage-Rennen Wende im Streit um Sixdays-Vergabe

Bremen. Im Streit um den Zuschlag für das Sechs-Tage-Rennen hat es gestern eine überraschende Wendung gegeben. Frank Minder will offenbar nicht länger der Bremsklotz für einen neuen Betreiber sein. Er hat seinen Antrag gegen die Vergabe der Veranstaltung zurückgezogen.
19.02.2011, 05:00
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Wende im Streit um Sixdays-Vergabe
Von Jürgen Hinrichs

Bremen. Im Streit um den Zuschlag für das Sechs-Tage-Rennen hat es gestern eine überraschende Wendung gegeben. Frank Minder, 40 Jahre lang das Gesicht der Sixdays, will offenbar nicht länger der Bremsklotz für einen neuen Betreiber sein. Er hat seinen Antrag gegen die Vergabe der Veranstaltung zurückgezogen. Über die genauen Gründe schweigt Minder sich aus, für eine Stellungnahme war er nicht zu erreichen.

Die Chancen, dass Minder sich vor der Vergabekammer durchsetzen könnte, waren dem Vernehmen nach zuletzt deutlich gestiegen. Sie standen bei 50:50, wie aus sicherer Quelle zu erfahren war. Minders Anwalt sprach vor zwei Wochen nach der Akteneinsicht von einem komplett neuen Stand. "Es hat eine Änderung des Vergabegegenstandes gegeben." sagte Thomas Haug, "aber dann muss man darüber auch alle Bieter unterrichten". Außerdem, so der Anwalt, seien bei der Bieterauswahl die Bewertungskriterien im Dunkeln geblieben.

Eine harsche Kritik, die offenbar nicht ohne Wirkung blieb. Die Vergabekammer wollte spätestens bis zum 4. März entscheiden, ob bei der Auswahl der neuen Betreiber alles nach Recht und Gesetz gelaufen ist. Hätte sie dem Antrag von Minder stattgegeben, wäre womöglich alles von vorne losgegangen: eine neue Ausschreibung, wieder europaweit und mit komplizierten Verfahrensfragen behaftet. Die federführende Wirtschaftsförderung Bremen (WFB) hatte im ersten Anlauf deutlich mehr Zeit gebraucht als ursprünglich veranschlagt.

Den Zuschlag bekam schließlich die Bremer Veranstaltungs- und Event GmbH (BVE) zusammen mit der WFB, die mit 24,9 Prozent an der Veranstaltergemeinschaft beteiligt ist. Dass die Stadt ins Sixdays-Geschäft einsteigt, hatte bei allen Parteien in der Bürgerschaft für erhebliche Irritationen gesorgt; es besteht die Sorge, irgendwann für ein mögliches Defizit geradestehen zu müssen.

Hinter der BVE steht Theo Bührmann, der im vergangenen Jahr erstmals die Partyhalle 7 auf dem Freimarkt bewirtschaftet hat. Neben Bührmann, Sohn des Spielautomatenaufstellers Theodor Bührmann, ist an dem Unternehmen auch die Sicherheitsfirma Elko beteiligt, die zum Geflecht der Nehlsen AG gehört.

Dass BVE und WFB nun zum Zuge kommen und nach monatelangen Verzögerungen mit den Vorbereitungen für die nächsten Sixdays beginnen können, liegt erst einmal allein am Sinneswandel von Minder, der zuletzt weitere Unterlagen einsehen durfte. "Ein ungewöhnlicher Schritt, der nur möglich war, da wir Frank Minder als zuverlässigen und fairen Partner kennen", erklären Hans-Peter Schneider von der WFB und Heiner Heseler, Staatsrat im Wirtschaftsressort, in einer gemeinsamen Pressemitteilung mit der Bremen Sportmarketing von Frank Minder. Nach der Akteneinsicht bestünden aus Minders Sicht nun keine weiteren Bedenken gegen die Bewertung der Angebote, heißt es dort weiter. "Wie die Vergabekammer die Angelegenheit entschieden hätte, wissen wir nicht", teilt Minder mit, "ich habe aber immer davor gewarnt, das Sechs-Tage-Rennen kaputtzureden".

Hans-Peter Schneider, zurzeit WFB-Geschäftsführer der Messe Bremen und designierter Chef der Bremen-Arena, weist zusammen mit Staatsrat Heseler darauf hin, dass die wirtschaftliche Bewertung der Sixdays-Bewerber erheblich komplexer ausgefallen sei, als zunächst erwartet. "Die dadurch entstandene Verzögerung des Verfahrens ist mehr als bedauerlich", lautet ein Passus in der gemeinsamen Erklärung, "andernfalls hätten wir das letzte Sechs-Tage-Rennen dazu genutzt, Herrn Minder für die gute und erfolgreiche Zusammenarbeit in den letzten 40 Jahren zu danken".

So aber war man zunächst im Unfrieden auseinandergegangen. Minder fühlte sich mies behandelt, weil das Wirtschaftsressort nach jahrelangem Stillhalten plötzlich ein von allen Seiten gut gehütetes Geheimnis gelüftet hatte - dass nämlich die Besucherzahlen beim Sechs-Tage-Rennen mitnichten so hoch seien, wie stets in der Öffentlichkeit behauptet. Minder stand als Aufschneider da, doch er war es nicht allein, die Stadt hat sein Spiel mitgespielt.

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