Kostenloses Internet im ÖPNV

Wenig Netz in Bremer Bussen und Bahnen

Bremen bietet in Bus und Bahn kaum kostenloses Internet an. Für die BSAG hat das Kostengründe. Niedersachsen baut dagegen sein WLAN-Angebot aus.
28.02.2020, 21:35
Lesedauer: 3 Min
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Wenig Netz in Bremer Bussen und Bahnen
Von Jürgen Hinrichs
Wenig Netz in Bremer Bussen und Bahnen

WLAN in Bussen und Bahnen. In Bremen ist dies aktuell nur in 30 Bussen und Bahnen vorhanden.

Frank Thomas Koch

Wer in Bremen mit Bus und Bahn unterwegs ist, darf vorerst nicht auf einen kostenlosen und leistungsfähigen Zugang zum Internet hoffen. Die Bremer Straßenbahn AG (BSAG) erklärte am Freitag, dass derzeit nicht an einen Ausbau von WLAN in den Fahrzeugen gedacht werde. Anders in Niedersachsen: Voraussichtlich im April wird unter dem Motto „Internet für alle“ ein neues Förderprogramm an den Start gehen, das den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) einschließt. Davon unabhängig haben die Verkehrsbetriebe Üstra in Hannover Geld vom Land bekommen, um bis 2022 sämtliche Bahnen und Busse mit WLAN auszurüsten.

„Wer künftig in Hannover mit der Stadtbahn fährt, wird durchgängig und kostenlos Zugang zum Internet haben“, sagt Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU). Die Üstra setze damit neue Maßstäbe im ÖPNV. „Mit der Förderung dieses Projekts schlagen wir zwei Fliegen mit einer Klappe: Wir verbessern die digitale Infrastruktur in Hannover und machen Busse und Bahnen für viele Menschen attraktiver“, so der Minister.

WLAN in 30 Bussen und Bahnen

In Bremen gibt es solche Pläne nicht. Die BSAG hatte im September 2016 einen Test gestartet und ist bis heute auf demselben Stand geblieben. In 30 Bussen und zehn Straßenbahnen wurde WLAN eingerichtet, allerdings auf einem sehr niedrigen Niveau. Pro Tag und Fahrgast stehen lediglich 50 Megabyte zur Verfügung – genug vielleicht, um Mails abzurufen, für mehr aber nicht.

„Ein größeres Datenvolumen wäre immens teurer gewesen“, sagt BSAG-Sprecher Jens-­Christian Meyer. Nach seiner Beobachtung würden die Fahrgäste ohnehin auf eigene Rechnung im Internet unterwegs sein, mit preisgünstigen Flatrates. „Wir haben in der Stadt eine komplette Netzabdeckung, da ist das kein Problem“, so Meyer.

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Zusammen mit der Bremischen Landesmedienanstalt hatte die BSAG wenige Monate nach Beginn der Probephase eine Studie erstellt. Rund 1400 Fahrgäste wurden danach gefragt, wie sie mit dem neuen Angebot umgehen und ob sie damit zufrieden sind. Ergebnis war, dass drei von fünf Kunden in den entsprechend ausgestatteten Bussen und Bahnen das WLAN nutzen und es grundsätzlich positiv bewerten. Kritisiert wurden technische Probleme, zum Beispiel beim Einloggen, die geringe Zahl von internetfähigen Fahrzeugen und das begrenzte Datenvolumen. 50 Megabyte waren damals schon wenig, mittlerweile ist das eine Größe, die bei Internetnutzern kaum noch ins Gewicht fällt. Genutzt wird das WLAN bei der BSAG trotzdem, das Unternehmen weiß aber nicht, in welchem Umfang. „Aus Datenschutzgründen haben wir da keinen Einblick“, erklärt Meyer.

Internet an der Haltestelle

Niedersachsen treibt ganz allgemein den öffentlichen WLAN-Ausbau voran und zielt dabei unter anderem auf die Haltestellen des ÖPNV – landesweit und speziell in Hannover. Die Üstra will an allen Haltepunkten, die in der Regel überdacht sind und mit Strom versorgt werden, offenes Internet installieren. Bremen hat technisch die gleiche Option, Pläne dafür gibt es aber keine. „Wir wären sofort mit dabei, können das selbst aber nicht stemmen“, sagt der BSAG-Sprecher. Die Initiative und das Geld müssten von der Stadt kommen.

Sollte Bremen sich zu diesem Schritt entschließen und überall Hotspots einrichten, könnte laut Meyer auch sein Unternehmen davon profitieren: „Jetzt ist es so, dass wir die Daten für unsere Fahrzeuge erst mit dem WLAN auf dem Betriebshof aktualisieren können, statt unterwegs und damit kontinuierlich.“ Sollten also zum Beispiel die rund 1500 Haltestellen in Bremen ins Spiel kommen, hätte das nicht nur einen Nutzen für die Fahrgäste, sondern auch für die BSAG.

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Nachrichten zum WLAN gibt es in Niedersachsen auch von der Landesnahverkehrsgesellschaft (LNVG). „Wir bauen das Angebot in Nahverkehrszügen derzeit deutlich aus“, erklärt ein LNVG-Sprecher. Bei fast der Hälfte der bestellten Verkehrsangebote sei WLAN bereits vorgesehen. „Wenn wir neue Fahrzeuge kaufen, ist das selbstverständlich.“ Nach und nach würden zudem 220 Doppelstockwagen erneuert und dabei mit WLAN ausgerüstet. Deren Modernisierung dauert ­allerdings bis 2026. Mit diesen Zugmodellen fährt der Metronom auf den Strecken Göttingen-Hannover-Hamburg und Hamburg-Bremen.

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