Trend zum Alleinwohnen Weniger Mietwohnungen

Bremen. Mietwohnungen in der Stadt sind durchschnittlich teurer und rarer geworden. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie.
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Weniger Mietwohnungen
Von Max Polonyi

Mietwohnungen in der Stadt sind durchschnittlich teurer und rarer geworden. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des Statistischen Landesamtes und des Instituts Empirica im Auftrag der Arbeitnehmerkammer Bremen. Die Forscher befragten insgesamt 6500 Haushalte im Buntentor, in Neu-Schwachhausen, Gete, Gartenstadt Vahr, Findorff-Bürgerweide und Walle. Die Untersuchung zeige auch, so Ingo Schierenbeck, Hauptgeschäftsführer der Arbeitnehmerkammer, dass zunehmend mehr Bremerinnen und Bremer alleine lebten und die Mietbelastung für Menschen mit geringerem Einkommen hoch sei.

„Der allgemeine Mietpreisanstieg wird besonders bei Neubauten deutlich“, berichtet Schierenbeck. Laut Studie kosteten neue Wohnungen 2006 durchschnittlich 6,80 Euro pro Quadratmeter – heute seien es im Schnitt 10,90 Euro. „Auch insgesamt haben sich die Mietpreise erhöht“, sagt der Hauptgeschäftsführer. „Der Quadratmeter kostet in Bremen aktuell durchschnittlich 6,43 Euro und ist im Vergleich zu den Vorjahren 2011 um 4,5 Prozent und 2012 noch einmal um 2,2 Prozent gestiegen.“

Besonders tief müssten Mieter im Alter von 18 bis 30 Jahren, Senioren und Alleinerziehende in die Tasche greifen, erläutert Markus Habig vom Statistischen Landesamt. „Gerade junge Haushalte dürften durch ihre geringe Wohndauer von zweieinhalb Jahren nur selten in den Genuss vergleichsweise geringer Bestandsmieten kommen.“ Alleinerziehende und junge Leute stünden auf dem Markt zudem in direkter Konkurrenz zu kinderlosen Paaren, die nur 29 Prozent ihres Einkommens für Miete ausgeben würden. Bei Alleinerziehenden liege der Anteil des Mietpreises am Nettoeinkommen bei durchschnittlich 41 Prozent, bei Senioren bei 40 Prozent.

Der Anteil von Mietwohnungen auf dem Bremer Markt sei seit 1987 um elf Prozent auf insgesamt rund 57 Prozent gesunken. Dafür habe sich die Zahl der Eigentümerhaushalte deutlich erhöht – von rund 275000 auf 305800, so Schierenbeck. „Die Eigentumsquote liegt bei 39 Prozent und ist damit relativ hoch.“ In Hamburg und Berlin hätten dagegen Eigentümerhaushalte mit 24 Prozent beziehungsweise rund 15 Prozent einen vergleichsweise geringen Anteil auf dem Markt.

„Dahinter steckt der Trend zum Alleinwohnen“, sagt Schierenbeck. Laut Studie hat sich die Zahl der Einpersonenhaushalte in Bremen seit 2005 von 150000 auf rund 162000 erhöht. „Mehr Singles bewegen sich auf dem Markt und fragen kleinere Wohnungen nach, die aber nicht ausreichend vorhanden sind und höhere Quadratmeterpreise erzielen.“ Dagegen habe sich die Zahl der Familien, die in der Stadt zur Miete wohnen, von 65000 auf etwa 60000 verringert.

Auf der Grundlage der Studie fordert die Arbeitnehmerkammer jetzt Reaktionen aus der Politik. „Die Untersuchung zeigt eine soziale Schieflage“, so Schierenbeck. Deshalb sollten unter anderem Mietsteigerungen gedeckelt und leer stehende Gebäude vermietet werden. „Die Politik hat dem Markt in den letzten Jahren freie Hand gelassen“, sagt Schierenbeck. Nun müsse sie mehr eingreifen.

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