Öffentliche Toiletten Weniger nette Toiletten

Wer in Bremen eine kostenlose Toilette sucht, ist mitunter lange unterwegs. Von ehemals 18 „netten Toiletten“ im Innenstadtbereich sind heute noch zehn übrig.
12.01.2018, 19:57
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Weniger nette Toiletten
Von Ina Bullwinkel

Erst sorgte es für Gestank und Diskussionen, jetzt ist es weg – das grüne Pissoir vor dem Überseemuseum. Das Urinal, dessen Form an eine Schnecke erinnerte, hat nach kurzer Zeit ausgedient. Mit ihm verschwindet die letzte öffentliche Toilette in Bahnhofsnähe. Drei von ihnen gibt es in Bremen noch: eine im Kontorhaus in der Langenstraße, eine in der Markthalle Acht am Domshof und eine an der Schlachte.

Öffentlich heißt allerdings nicht kostenlos, sondern lediglich frei zugänglich, erläutert Ludwig Ellermann, zuständig für öffentliche Toiletten in der Baubehörde. Während die Markthalle Acht an sieben Tagen die Woche geöffnet ist und auch der automatische WC-Container an der Schlachte rund um die Uhr genutzt werden kann, steht die Toilette im Kontorhaus nur während der Geschäftszeiten zur Verfügung. Wirklich öffentlich ist sie damit nicht.

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Um eine Toilette zu finden, die nichts kostet, muss man unter Umständen weite Wege zurücklegen. Zwar gibt es in Bremen seit einigen Jahren das Konzept der „netten ­Toilette“, bei dem Gastronomen ihr WC auch denjenigen Besuchern gratis zur Verfügung stellen, die nichts bei ihnen verzehren. Aber in der Innenstadt finden sich immer weniger Lokale, die eine solche Toilette anbieten. Die Liste im Internet oder in der App der „netten Toilette“ ist nicht auf dem neuesten Stand. Acht der aufgeführten Gastronomien und Einzelhandelsgeschäfte gibt es nicht mehr, oder sie nehmen an der Aktion nicht mehr teil. Im Bereich der Altstadt sind heute von ehemals 17 noch neun „nette Toiletten“ übrig.

Auch Seraz Cafer, Betreiber des Döner-Restaurants Öz Urfa in der Hutfilterstraße, bietet seine Toilette nicht mehr kostenlos an. „So etwas machen wir nie wieder“, sagt er. Durch die „nette Toilette“ habe es eine Atmosphäre wie im Bahnhof gegeben, da viele Leute ein- und ausgingen und die Restaurantgäste störten. „Wir haben viele unserer Stammkunden verloren“, sagt Cafer.

Pro Monat erhalten die teilnehmenden Restaurants einen Betrag von der Stadt von bis zu 200 Euro – je nach Lage und Größe. Nicht genug findet der Betreiber des Döner-Restaurants. Der Schaden sei zu groß. Andere Gastronomen wie Curt-Uwe Richter vom Gasthof Kaiser Friedrich im Schnoor sehen die Situation entspannter.

„Zu Weihnachten ist viel los, aber das ist normal“, sagt er. An der Klotür hängt bei ihm trotzdem ein Schild mit der Bitte um 50 Cent für die Nutzung. Das habe er während der Weihnachtszeit angebracht, weil so viele gekommen seien. Gezahlt hätten aber nicht alle. Die Stadt wolle mit der „netten Toilette“ vor allem Steuergeld sparen, erklärt Jens Tittmann, Sprecher der Baubehörde.

„Ein Netz aus öffentlichen Toiletten, ähnlich zu dem der ‚netten Toilette‘, würde die Stadt pro Jahr einen siebenstelligen Betrag kosten“, sagt er. Er habe Verständnis, wenn Gastronomen in besonders stark frequentierten Gegenden wie dem Marktplatz abspringen.„Trotzdem glauben wir immer noch an den Erfolg des Konzepts“, so Tittmann. Es sei schlicht nicht realisierbar, kostenlose Toiletten aus Steuergeldern zu finanzieren. Außerdem gebe es viele Gastronomen, die Bremern und Touristen gern den Zugang zu ihrem WC gewährten.

Einen Anspruch darauf, eine Toilette kostenlos zu nutzen, hat man übrigens nicht. Selbst dann nicht, wenn man in ein Restaurant einkehrt und zahlender Gast ist. Es liegt im Ermessen des Betreibers, ob er seine Sanitäranlagen kostenlos zur Verfügung stellt oder nicht. Gesetzlich ist nur geregelt, ob und wie viele Toiletten bereitgestellt werden müssen.

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