"Tau"

Wenn das Eigenheim zur Todesfalle wird

In dem Thriller "Tau" geht es um eine künstliche Intelligenz und deren Schöpfer Alex, der die Welt revolutionieren will. Hierfür hält er mit Taus Hilfe die einsame Julia gefangen, um an ihr Experimente durchzuführen.
14.07.2018, 21:22
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Wenn das Eigenheim zur Todesfalle wird
Von Helge Hommers
Wenn das Eigenheim zur Todesfalle wird

Es Skrein und Maika Monroe in einer Szene aus dem Film „Tau“, der aktuell bei Netflix zu sehen ist.

Netflix

Die furchteinflößendsten Filmbösewichte sind die, die auf der Leinwand gar nicht zu sehen sind. So war es zum Beispiel in Steven Spielbergs „Der weiße Hai“, der vor allem gruselte, wenn der Zuschauer aus Sicht des Knorpelfisches seine Opfer zerfleischte. Federico D’Alessandro, bisher vor allem für Storyboards von Superheldenfilmen wie „Doktor Strange“ verantwortlich, geht in seinem Regiedebüt sogar noch einen Schritt weiter: Skrupelloser Handlanger eines psychopathischen Wissenschaftlers ist in „Tau“ die gleichnamige, in ein Smart Home integrierte Künstliche Intelligenz, die nur als Stimme von Gary Oldman („Die dunkelste Stunde“) auftritt – also in etwa so wie eine Synthese aus Alexa und dem Superschurken HAL aus Stanley Kubricks „2001: Odyssee im Weltraum“.

Heldin des auf Netflix verfügbaren Thrillers ist die einsame Julia, die sich in einer nicht weit entfernten Zukunft mit Diebstählen über Wasser hält. Plötzlich findet sie sich im Keller eines Smart Homes in der Gewalt des irren Genies Alex wieder. Ihr Fluchtversuch scheitert am gewissenlosen Tau, der jeden Befehl seines Schöpfers Alex befolgt und dafür über Leichen geht.

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Alex braucht Julia für Experimente, mit deren Ergebnissen er die Welt revolutionieren will. Wenn er nicht Julias Emotionen studiert, bewacht Tau den unfreiwilligen Gast. Julia aber hält an ihren Ausbruchsplänen fest und begreift, dass Tau manipulierbar ist. Während sich das Ende von Alex Forschungsarbeit nähert, versucht sie, Tau auf ihre Seite zu ziehen – ein Wettlauf um Leben und Tod beginnt.

Es ist ein kompliziertes Beziehungsgefüge, das sich um die drei bildet: Tau vergöttert Alex, der verguckt sich in sein Opfer Julia und die wiederum bandelt mit Tau an, der peu à peu menschlichere Züge aufweist. Neben Oldmans Stimme, die entweder befiehlt oder wie ein neugieriges Kind Fragen stellt, zeigen sich Ed Skrein („Game of Thrones“) und Maika Monroe („Independence Day: Wiederkehr“) äußerst spielfreudig. Sowohl psychisch als auch physisch bekämpfen sie sich glaubhaft bis aufs Blut.

Weniger überzeugend kommt das Drehbuch daher: Taus Sinneswandel wird zu einfach eingeleitet und erfolgt viel zu schnell. Auch die bahnbrechende Erkenntnis, für die der empathielose Alex tötet, bleibt ein Rätsel. Seine starken Momente hat „Tau“, wenn das Trio sich auszuspielen versucht – und die Rollen tauscht: Tau wird zum Mitleid empfindenden Menschen, Julia zur manipulativen Überlebensmaschine und der rational denkende Alex zum Gefühlswesen.

Die Filme, die D’Alessandros Werk zum Vorbild hat, sind offensichtlich: Neben „2001“ erinnert der Plot an „Ex Machina“, das Verhältnis von Tau und Julia an „Her“ und das dystopische Setting an „Blade Runner“. Doch an diese Klassiker des Science-Fiction-Kinos reicht der streckenweise zwar spannende, über die meiste Zeit hingegen tempolose „Tau“ nicht heran. Auch der Ansatz, die potenzielle Gefährlichkeit von Smart Homes und das bedingungslose Vertrauen in Alexa zu hinterfragen, verpufft mit zunehmender Laufzeit.

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