„With my body“, das neueste Projekt von De Loopers, als rundum gelungenes Gesamtkunstwerk

Wenn der Körper die Seele bewegt

Ostertor. „Bewegen wir unseren Körper, dann bewegen wir unsere Seele. Wir drücken uns selbst aus, wir kommunizieren, kämpfen, lieben, erobern die Welt.
18.02.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Sigrid Schuer

„Bewegen wir unseren Körper, dann bewegen wir unsere Seele. Wir drücken uns selbst aus, wir kommunizieren, kämpfen, lieben, erobern die Welt. Wenn wir singen und tanzen, singt und tanzt das ganze Universum mit uns!“ Das ist das Credo von Amaya Lubeigt und Wilfried van Poppel, der 2003 das Tanztheater De Loopers für Kinder und Jugendliche gegründet hat. Schon mehrfach zeigten die beiden ehemaligen Tänzer des Bremer Tanztheaters ihre „De Loopers-Dance2gether“-Projekte unter anderem in Kooperation mit der Kunsthalle im Theater Bremen. Die Tanzpädagogen bringen verschiedene Generationen gemeinsam zum Tanzen.

Wie es aussieht, wenn das Tanzkollektiv kommuniziert, kämpft, liebt und die Welt erobert, konnte das Publikum im ausverkauften Theater am Goetheplatz in ihrer neuesten, aufwendigen Produktion „With my body“ erleben. 80 Tänzerinnen und Tänzer aus allen Generationen erzählten mit ihren Körpern keine stringente Geschichte, sondern formten ausdrucksstark gemeinsam Bilder und Skulpturen.

Der Hauptteil des Tanzkollektivs setzt sich aus Schülerinnen und Schülern aus verschiedenen Bremer Schulen und verschiedenen Alters zusammen. Sie gestalten in individuellen Bewegungssprachen und in verschiedenen Konstellationen, die von Lubeigt und van Poppel in eine Gesamtchoreografie gegossen werden, einen getanzten Lobgesang auf die Einzigartigkeit und Kostbarkeit des Körpers.

Das Besondere an „With my body“: Eigens für die Produktion ist das ebenso einfühlsam wie engagiert aufspielende „With my body“-Orchester gegründet worden. Und noch eine Premiere gab es an diesem umjubelten Nachmittag: Der virtuose, vielstimmige Chorgesang von Into-Nation, dem Chor der Hochschule Bremen, hüllte die Körper des tanzenden Kollektivs ein.

Die Dirigenten Julio Fernández und Mikolaj Kapala spornten gemeinsam mit dem Choreografen-Duo alle Beteiligten, darunter auch die Gesangssolisten Réka Kristóf, Daniela Dehne, Benno Wachtler, Matthias Kopp und Benjamin Malcolm (Knabensolo), zu einem rundum gelungenen Gesamtkunstwerk an. Das ist keine Selbstverständlichkeit angesichts der anspruchsvollen Musikauswahl. Abwechselnd wurden Auszüge aus Leonard Bernsteins „Chichester Psalms“ und den „Knee Plays“, die die Akte von Philip Glass’ Oper „Einstein on the Beach“ verbinden, gespielt. Außerdem wurde zu Ola Gjeilos „Dark night of the soul“ getanzt. Dabei gestaltete sich der Kontrast zwischen Bernsteins an Klangfarben reicher Vertonung alttestamentarischer Bibelverse und dem eher monotonen, zuweilen lautmalerisch summenden Chorgesang, der sich in Glass’ Komposition aus Silben, Nummern und enigmatischen Versen zusammensetzt, äußerst reizvoll.

Dem Into-Nation-Chor glückten facettenreich und dynamisch bis ins Pianissimo abgestufte Klangvaleurs. Wunderbar, wie sich die Tänzerinnen und Tänzer, mal in friedlichem Auf- und Abwogen, dann wieder in eckigen Kampfkunst-Anleihen zu „Adonai, Adonai“ bewegten: „Herr, Herr, mein Herz ist nicht hochmütig, meine Augen sind nicht stolz, ich versuche mich nicht an großen Dingen und wunderbaren Zielen, die ich nicht verstehe“, heißt es dort.

Mal gehen die Akteurinnen und Akteure nachdenklich über die Bühne, dann wieder stampfen sie energisch auf oder wirbeln in akrobatischen Figuren herum. Ein Teil findet sich in einem Kreis zu einer abwechslungsreichen Choreografie zusammen. Da werden Kinder von der Menge empor gehoben, die ihre Hände gen Himmel reckt. Oder die Arme einer Reihe hintereinander aufgereihter Tänzerinnen entfalten sich, wie beim indischen Kathak-Tanz, wie eine Lotusblüte. Zuweilen finden sich junge Tänzerinnen zum Pas de trois, um dann skulptural in einer Pose zu erstarren.

„Siehe, wie gut und angenehm es ist, wenn Brüder leben zusammen in Eintracht“: Das Tanzkollektiv brachte schließlich auch dieses Bibelzitat aus den „Chichester Psalms“ sehr glaubhaft auf die Bühne des Theaters am Goetheplatz.

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