Projekt von Bremer Forschern

Wenn der Roboter im Supermarkt die Regale einräumt

Mit dem dreijährigen Forschungsprojekt „Knowledge4Retail“ wollen Bremer Forscher herausfinden, wie der Einzelhandel in Zukunft Künstliche Intelligenz einsetzen kann.
13.02.2020, 20:06
Lesedauer: 3 Min
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Wenn der Roboter im Supermarkt die Regale einräumt
Von Ivonne Wolfgramm
Wenn der Roboter im Supermarkt die Regale einräumt

Künstliche Intelligenz für den Einzelhandel: Donbot soll die Regale scannen, die dortigen Waren erkennen und im Idealfall auch einräumen.

Christina Kuhaupt

Die Bedingungen unter denen „Donbot“ arbeiten muss, sind fast real. Als Roboter ist er am Institut für Künstliche Intelligenz (IAI) der Universität Bremen beschäftigt. Sein Arbeitsplatz ist zwar ein Labor des Instituts, das aber wie ein kleiner Drogeriemarkt aufgebaut ist. Im Regal stehen Pflaster, Putzmittel und Zahnbürsten – und gleich daneben Donbot. Eines Tages soll er die Regale scannen, Waren erkennen und im Idealfall auch einräumen. Und er soll vor allem eines: den Wissenschaftlern zeigen, wie Robotik und Künstliche Intelligenz (KI) dem Einzelhandel in Zukunft nutzen können.

Noch braucht Donbot für Anweisungen Zeit, bis er sich das Produkt aus dem Regal greift. Das zeigt sich, als am Donnerstag Michael Beetz, Direktor des IAI, Andreas Wulfes vom Bremer Softwareunternehmen Team Neusta, Niels Will vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) und Jonas Reiling, Regionalleiter der Drogeriemarktkette DM, das Projekt „Knowledge4Retail“ (kurz: K4R) vorstellen. „Für den Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort Bremen ist der Zuschlag für das Projekt ein großer Erfolg“, sagt Beetz über K4R, das vom Bundeswirtschaftsministerium mit 13 Millionen Euro gefördert wird. Für Beetz gab es auch am Dienstag Grund zur Freude: Der Wissenschaftler gehört laut einem internationalen Ranking zu den weltweit einflussreichsten Forschern auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz.

An dem Forschungsvorhaben sind neben dem IAI zwölf weitere Unternehmen und Einrichtungen beteiligt, darunter neben Team Neusta, dem DFKI, DM auch die Fraunhofer-Gesellschaft. Mehr als die Hälfte der Partner kommt aus Bremen. Damit ist das Projekt aus Sicht der Beteiligten ein gutes Beispiel der Zusammenarbeit zwischen Forschungseinrichtungen der Universität, dem Bremer Standort des DFKI und führenden Bremer Softwareunternehmen.

Projekt „Knowledge4Retail“ - Künstliche Intelligenz für den Einzelhandel - DFKI

Professor Michael Beetz, Direktor des Instituts für Künstliche Intelligenz (IAI) an der Universität Bremen, mit dem Donbot.

Foto: Christina Kuhaupt

„Mit K4R wollen wir neue Möglichkeiten zur besseren Verbindung von Online- und stationärem Handel schaffen“, erklärt Beetz. In anderen Worten: Von den Vorteilen des Onlinehandels soll auch der Einzelhandel vor Ort profitieren. Dafür wollen sich die Forscher die Robotik und Künstliche Intelligenz zunutze machen. Eines der Einsatzgebiete könnte die Logistik sein. Um hier Effizienz zu steigern, könnte eine Künstliche Intelligenz helfen, die verschiedenen Wareneingänge des Einzelhändlers zu sortieren – je nach Platzierung und Bedarf der Filiale. Leere Regalflächen sollen zuerst bearbeitet und bestückt werden, während nicht nachzufüllende Artikel im Lager verbleiben. Die Mitarbeiter hätten durch den intelligenten Helfer mehr Zeit für den Kundenkontakt. Die KI soll zudem genutzt werden, um das Angebot in den Filialen zu verbessern. Auf der Grundlage von Filial-, Kunden-, Abverkaufs- und Geomarketingdaten soll das Sortiment bestmöglich auf die Kundenbedürfnisse abgestimmt werden.

Ein weiterer denkbarer Einsatz: Die KI könnte die Warenregale und Produkte scannen und virtuell erfassbar machen. Sucht der Kunde nun im Supermarkt nach bestimmten Produkten, beispielsweise veganen Lebensmitteln, kann er sich diese via App anzeigen lassen, die wiederum auf die erfassten Daten der KI zurückgreift. „Es geht nicht darum, Arbeitsplätze wegzurationalisieren. Der Kern ist, dass diese Technologie Dinge ermöglicht, die vorher nicht möglich waren“, sagt Beetz. Das Erproben von konkreten Anwendungen für Händler und Kunden ist jedoch nicht Ziel des Forschungsprojektes. Vielmehr geht es darum, technische Grundlagen zu schaffen, auf denen andere Anwendungen in naher Zukunft aufbauen können.

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Jonas Reiling ist vom Nutzen der KI für den Einzelhandel bereits jetzt überzeugt. Daher beteilige sich die Drogeriemarktkette auch an dem Vorhaben und statte das Forschungslabor mit einer entsprechenden Test-Umgebung aus. „Die Filialen sind wenig digitalisiert, gleichzeitig gibt es viele Datentöpfe, die nicht zusammengebracht werden“, sagt der Regionalleiter. Mit neuen KI-basierten Ansätzen könnten seiner Meinung nach die unterschiedlichen Daten zusammengebracht und genutzt werden. „Für Mitarbeiter und Kunden wäre das ein großer Gewinn.“

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