Kommentar zur Lage der Bremer CDU

Wenn einer kandidiert

Die Bremer CDU verliert Mitglieder, will aber trotzdem nach der nächsten Bürgerschaftswahl regieren. Moritz Döbler ist skeptisch, dass dieser Plan aufgeht – auch mit Blick auf den absehbaren Spitzenkandidaten.
10.01.2018, 22:32
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Wenn einer kandidiert
Von Moritz Döbler
Wenn einer kandidiert

Unbekümmert und leidenschaftlich geht Carsten Meyer-Heder auf die sich abzeichnende Aufgabe zu.

Christina Kuhaupt

Politik ist wieder ein Thema, es wird gestritten und gerungen. Die Bremer Parteien spüren das an dem Zulauf des vergangenen Jahres – eine allerdings nicht: die CDU. Das ist doppelt erstaunlich. Denn es gibt durchaus breite Kritik an Rot-Grün, weder die SPD noch die Grünen stehen in Umfragen besonders gut da. Das müsste der CDU eigentlich Schub geben. Zum anderen erhebt sie den Anspruch, nach der Bürgerschaftswahl im nächsten Jahr zu regieren. Auch das müsste ihr Mitglieder zutreiben.

Gemach, sagen einem die CDU-Granden. Es fließe bis dahin noch viel Wasser die Weser hinunter, und der Kandidat werde das Bild wenden. Der Kandidat? Ja, den gibt es wohl schon. Parteichef Jörg Kastendiek und Fraktionschef Thomas Röwekamp wollen es auch diesmal nicht wissen, sie haben sich in ihren bequemen Rollen eingerichtet. Einer wollte unbedingt, aber den wollten sie nicht: Jens Eckhoff, das politische Schwergewicht mit Vergangenheit.

Und so läuft es auf den Unternehmer Carsten Meyer-Heder zu, der über keine nennenswerte politische Erfahrung und kein Netzwerk in der CDU verfügt. Unbekümmert und leidenschaftlich geht er auf die sich abzeichnende Aufgabe zu. Ein großer, kantiger Mann, der gewohnt ist, in seinem Unternehmen Entscheidungen durchzusetzen. Dass in der Politik gute Ideen nicht zwangsläufig zu Gesetzen werden, kann er allenfalls ahnen.

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Wenn die CDU mit ihm als Kandidat tatsächlich stärkste Fraktion werden soll, muss noch viel passieren. Rot-Grün müsste die Mehrheit verlieren, was in den Umfragen im alten Jahr so aussah, aber keineswegs sicher ist. Doch es geht um mehr als Arithmetik: Will die CDU gewinnen, darf sie nicht polarisieren, sondern muss den Zwei-Städte-Staat einen. Mit pointierten Unternehmerpositionen wird Meyer-Heder nicht punkten, denn die Mehrheit stellen Menschen, die dafür eher wenig empfänglich sind: Staatsbedienstete, Rentner, Geringverdiener und Arbeitslose. Es geht bei der nächsten Wahl um Versöhnung.

Die Vorstellung, die CDU könne mit diesem – durchaus ehrenwerten, vorzeigbaren – Mann und in dieser Ausgangslage in die Nähe ihres besten Nachkriegsergebnisses von gut 37 Prozent im Jahr 1999 kommen, mutet vermessen an. Sind es aber viel weniger oder gar nur 20 oder 22 Prozent wie zuletzt, reicht es für gar nichts. Denn die SPD wartet nicht auf einen Juniorpartner CDU. Verfestigt sich dieses Bild, ist das Rennen wieder einmal gelaufen, bevor es überhaupt begonnen hat.

moritz.doebler@weser-kurier.de

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