Bremer Bäder-Geschäftsführerin Martina Baden im WESER-KURIER-Interview

"Wenn es Bedarf gibt, dann öffnen wir"

Bremen. Am Sonnabend beginnt die Freibadsaison – zuvor aber hat es aus den Reihen des Parlaments und der Regierungsfraktion Kritik für die städtische Bremer Bäder GmbH gegeben Grund: An den Osterfeiertagen sind Bäder geschlossen geblieben.
26.04.2012, 05:00
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"Wenn es Bedarf gibt, dann öffnen wir"

Martina Baden, Geschäftsführerin der Bremer Bäder: „Wir überprüfen ständig die Entwicklung der Besucherzahlen.R

Christina Kuhaupt

Bremen. Am Sonnabend beginnt die Freibadsaison – zuvor aber ist die städtische Bremer Bäder GmbH nicht von Kritik aus den Reihen des Parlaments und dort auch der Regierungsfraktion verschont geblieben. Grund: An den Osterfeiertagen sind Bäder geschlossen geblieben. Wigbert Gerling hat mit der neuen Geschäftsführerin Martina Baden gesprochen.

Kundschaft stört – ist das die Haltung der Bremer Bäder GmbH, die an den familienfreundlichen Ostertagen manche ihrer Einrichtungen schloss und damit auf heftige Kritik auch in Parlamentskreisen stieß?

Martina Baden: An den Osterfeiertagen sind die Bäder erfahrungsgemäß im Vergleich zu normalen Sonntagen deutlich weniger frequentiert. Der Bedarf ist einfach nicht da – die Leute schlafen länger, gehen irgendwo frühstücken oder besuchen Verwandte. Außerdem haben wir dafür gesorgt, dass im Stadtgebiet auch über die Feiertage immer drei Bäder geöffnet sind.

Ist nicht mehr Flexibilität nötig? Zu Ostern 2012 war schlechtes Wetter angesagt – da könnten die Bremer Bäder reagieren und anders als früher doch öffnen.

Grundsätzlich müssen wir mit einem Vorlauf von einer Woche entscheiden, welche Bäder wir öffnen. Die Öffnungszeiten basieren auf jahrelangen Erfahrungen und Vergleichswerten. Darauf basierend werden jeweils zum Ende des Jahres für das kommende Jahr verlässliche Öffnungszeiten festgelegt. Wir überprüfen folglich ständig die Entwicklung der Besucherzahlen – und ich kann nur sagen, dass wir seit mindestens zehn Jahren hier vergleichsweise schwache Frequenzen haben. Trotzdem halten wir ein gutes Angebot mit drei Bädern bereit.

Aus der Politik kam der Vorschlag zu einem Probelauf im kommenden Jahr mit Öffnung über die Feiertage, flankiert von Werbemaßnahmen und attraktiven Sonderaktionen in den Bädern.

Das Besucherverhalten ist sehr genau erforscht, und ich bin sicher, dass Werbung hier nicht viel verändern würde – einmal ganz abgesehen davon, dass wir für große Werbeaktionen nicht das entsprechende Budget haben.

Besucher stehen bei der Bremer Bäder Gesellschaft an Feiertagen vor verschlossenen Türen – da kann man eben nichts machen?

Nein, das ist keine zulässige Zusammenfassung. Wir haben das Besucherverhalten auch weiterhin sehr genau im Blick und beobachten, ob sich Veränderungen abzeichnen. Wenn es Bedarf gibt, dann öffnen wir. Nichts ist bei uns starr und in Stein gemeißelt. Aber derzeit ist der Bedarf, weitere Bäder über Ostern zu öffnen, nicht da.

Sie waren vor Ihrem Wechsel in die Stadt Bremen die Kurdirektorin in Carolinensiel. Dort sind die Freizeiteinrichtungen beispielsweise auch über die Osterfeiertage durchweg geöffnet. Ist das für Sie das kommende Bremer Modell?

Das kann man nicht vergleichen. In Carolinensiel sind im Jahr etwa 900.000 Übernachtungen zu registrieren. Gerade über Ostern ist dort Hauptsaison und das Kurzentrum genießt einen Alleinstellungsstatus. In Bremen hingegen gibt es zahlreiche Bäder im Abstand von nur wenigen Kilometern, während andere genannte Einrichtungen manchmal einen Einzugsbereich von bis zu 60 Kilometern genießen.

Die Bremer Bäder sorgen seit Jahren regelmäßig auch politisch für Aufmerksamkeit, weil das Geld wieder nicht reicht. Ist das nicht Grund genug, die Bäder zu öffnen, weil jeder Euro willkommen sein muss?

Wir müssen übrigens auch im Interesse des Steuerzahlers wirtschaftlich denken. Und wenn die Kundenresonanz zu gering ist, dann lohnt sich die Öffnung nicht. Schließlich muss das Personal und auch die Energie bezahlt werden.

Kann man das so verstehen, dass die Gehälter so hoch sind, dass man besser schließt, weil das Geld über die Gäste nicht in die Kasse kommt? Oder gibt es zu viele Bäder?

Die Gehälter bei uns sind auf gar keinen Fall zu hoch und liegen erkennbar unter dem Niveau im öffentlichen Dienst. Wir können ja auch nicht weniger Personal einsetzen, weil dies mit den Anforderungen an einen sicheren Badebetrieb nicht vereinbar wäre. Es muss der goldene Mittelweg gefunden werden: passende Öffnungszeiten, gute Serviceleistung für die Bevölkerung - und das zu Preisen, die bezahlbar sind. In Bremen gibt es viele Bäder, aber nicht zu viele. Ich finde, die Hansestadt kann stolz auf ihre Bäder sein, die jährlich 1,9 Millionen Besucher anziehen.

Wie ist der Auftakt der Freibadsaison?

Jetzt am Sonnabend um 13 Uhr ist der Auftakt zunächst im Stadionbad und zur selben Zeit im Freizeitbad Vegesack. Wir erwarten schönes Wetter und hoffen, dass viele Bremerinnen und Bremer kommen. Die Öffnung weiterer Bäder richtet sich dann nach der Witterung.

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