Erinnern an die NS-Opfer Wenn Geschichte wieder aktuell wird

Der Senat hatte am Donnerstag ins Rathaus eingeladen, um der NS-Opfer zu gedenken. Gut 150 Gäste hörten mahnende Worte von Petra Rosenberg, Vorsitzende des Landesverbandes Deutscher Sinti und Roma.
25.01.2018, 22:04
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Von Olga Gala

„Auschwitz war ein Reich des Mordens, der Gewalt und Entmenschlichung.“ Mit diesen Worten hat Bürgermeisterin Karoline Linnert (Grüne) der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Der Bremer Senat hatte am Donnerstagabend ins Rathaus eingeladen und gut 150 Gäste waren gekommen.

Dieses Jahr steht besonders die Verfolgung der Sinti und Roma im Fokus – vor 75 Jahren begannen die systematischen Deportationen der Volksgruppe in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Petra Rosenberg, Vorsitzende des Landesverbandes Deutscher Sinti und Roma Berlin-Brandenburg, schilderte in ihrer Festrede die Erinnerungen ihres Vaters Otto Rosenberg an die Ankunft in dem Lager und das Grauen dort. Sie sprach von der schrecklichen Gewalt und Entmenschlichung der damaligen Zeit, aber auch von eigenen Erfahrungen der Diskriminierung während ihrer Schulzeit in der Nachkriegszeit. Rosenberg sagte, die Verteidigung der Demokratie sei in Hinblick auf stärker werdenden Rechtspopulismus auch heute eine große Herausforderung. Sie mahnte zudem, die Erinnerung an die Opfer wachzuhalten, um Lehren aus der Geschichte zu ziehen.

Dringlichkeitsantrag beschlossen

Für das Gedenken will sich auch Karoline Linnert stark machen. Die Politikerin der Grünen betonte, dass das Erinnern entscheidend sei für die demokratische Kultur Deutschlands: „Es bedeutet, niemanden aus der Gemeinschaft auszuschließen und die Würde und Integrität eines jeden in seiner Andersheit zu achten.“ Nichtsdestotrotz seien Diskriminierung und nationalistisches Gedankengut immer noch Realität in Deutschland. Linnert forderte deshalb: „Wir müssen noch entschiedener für Demokratie, Freiheit, Gerechtigkeit und Menschenwürde kämpfen.“

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Auch die Bürgerschaftsfraktionen der Grünen, Linken, FDP, SPD und CDU sehen darin ein aktuelles Thema. Immer wieder seien jüdische Mitbürger von Anfeindungen und sogar Übergriffen betroffen, heißt es in einem Dringlichkeitsantrag der Parteien, der am Donnerstag in der Bürgerschaft beschlossen wurde. Ein aktuelles Beispiel seien Hakenkreuz-Schmierereien an der Bremerhavener Synagoge und das rechte Graffiti am Jenny-Ries-Platz in Blumenthal. Um dem Antisemitismus in Bremen entgegen zu treten, forderten die Abgeordneten den Senat unter anderem dazu auf, ein ressortübergreifendes Handlungskonzept zur Prävention und Bekämpfung des Antisemitismus mit besonderem Fokus auf junge Menschen umzusetzen.

Am 27. Januar 1945 befreiten sowjetische Soldaten die Überlebenden des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau. Mittlerweile ist der 27. Januar ein internationaler Gedenktag. An diesem Datum soll nicht nur an alle Opfer der Nationalsozialisten erinnert, sondern auch Bezug genommen werden auf aktuelle Entwicklungen in Hinblick auf Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Begleitprogramm zum Gedenktag

In Bremen wird jedes Jahr rund um den Gedenktag ein Begleitprogramm organisiert. Die von der Landeszentrale für politische Bildung und vom Verein Erinnern für die Zukunft koordinierten Veranstaltungen bieten noch bis Mitte März mehr als 45 Vorträge, Filmvorführungen, Diskussionen, Ausstellungen, Lesungen und Führungen. Dazu gehört zum Beispiel am Sonntag, 28. Januar, um 17 Uhr im Forum Kirche in der Hollerallee eine Medieninstallation zum Thema Reichspogromnacht in Bremen mit anschließendem Gespräch mit dem Künstler Matthias Duderstadt.

Am 14. Februar wird zudem die Ausstellung „Vergiss die Fotos nicht, das ist wichtig“ im Wall-Saal der Stadtbibliothek Bremen eröffnet. Der Fotojournalist Hanns Weltzel hatte Anfang der 1930er-Jahre Sinti und Roma in Dessau porträtiert. Die britische Professorin Eve Rosenhaft und Jana Müller vom Alternativen Jugendzentrum Dessau werden bei der Ausstellungseröffnung über den Versuch sprechen, möglichst viele der Fotografierten zu identifizieren.

Das Programm der Veranstaltungsreihe und weitere Informationen gibt es auf der Internetseite des Vereins Erinnern für die Zukunft. www.erinnernfuerdiezukunft.de.

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