Nach Wahlkampfauftritt in Bremen Wenn Merkel nur noch der Tod gewünscht wird

„Lügnerin“, „Schlampe“, „Volksverräterin“ - Bundeskanzlerin Merkel wurde nach ihrem Wahlkampfauftritt in Bremen in den sozialen Netzwerken übel beleidigt - auch auf der WESER-KURIER-Facebookseite.
17.08.2017, 07:45
Lesedauer: 3 Min
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Wenn Merkel nur noch der Tod gewünscht wird
Von Jan Oppel

„Lügnerin“, „Schlampe“, „Volksverräterin“ – das sind noch die harmloseren Beschreibungen, mit denen Bundeskanzlerin Angela Merkel nach ihrem Wahlkampfauftritt auf dem Bremer Marktplatz in den Kommentarspalten der sozialen Netzwerke beschimpft wird. Allein unter dem entsprechenden Video-Beitrag auf der Facebook-Seite des WESER-KURIER fanden sich mehr als 3500 Kommentare. Aus vielen schlägt der Kanzlerin blanker Hass entgegen. Die Tiraden reichen bis hin zu Mordaufrufen: „Wenn jemand ein Held werden will, erschießt sie“, schreibt ein Nutzer.

Beiträge dieser Art sind für Cornelia Holsten, Direktorin der Bremischen Landesmedienanstalt, nichts Neues. „Solche Hasskommentare haben genau wie die Social-Media-Nutzung an sich deutlich zugenommen“, sagt sie. Bei den Verfassern unterscheidet die Expertin zwei Gruppen: Jene, die sich der Tragweite ihrer Aussagen gar nicht bewusst sind und solche, die sich mit ihren Attacken in den sozialen Netzwerken ganz gezielt an den äußersten Grenzen der Meinungsfreiheit bewegen.

Urheber von Hass-Postings wollen sich nicht äußern

Die Mitarbeiter der Landesmedienanstalten in Deutschland durchsuchen das Netz regelmäßig nach volksverhetzenden Inhalten, Mordaufrufen und Beiträgen, die zu Gewalt anstacheln. In Extremfällen werden Strafanzeigen gegen die Verfasser gestellt. Die Bremer Landesmedienanstalt setzt aber in erster Linie auf Prävention. Unter anderem versuchen die Experten an Schulen, Kinder und Jugendliche aufzuklären. „Solche Beiträge sind schnell getippt und hochgeladen“, sagt Holsten. „Die Sensibilität scheint bei vielen völlig verloren gegangen zu sein“. Die Wenigsten seien sich darüber im Klaren, was ihre Beleidigungen für die Betroffenen bedeuteten.

Im Netz lassen die Kommentatoren ihren Aggressionen gegen die Kanzlerin freien Lauf. Auf Nachfrage des WESER-KURIER wollen sich die Urheber der Hass-Postings aber nicht dazu äußern. Mehr als 40 Anfragen der Redaktion blieben am Mittwoch unbeantwortet. Bei den Facebook-Attacken gegen Angela Merkel sind vor allem rechtsradikale und frauenfeindliche Beiträge sehr präsent. Das seien auch bei anderen Anlässen die thematischen Schwerpunkte dieser Klientel, so Holsten. Deren Wut richte sich aber nicht nur gegen Politiker: „Das kann jeden treffen, der im Fokus der Öffentlichkeit steht“.

Elisabeth Motschmann für härteres Vorgehen

Zuletzt hatte die ZDF-Moderatorin Dunja Hayali durch ihren Umgang mit Hasskommentaren für Aufsehen gesorgt. Ein Nutzer hatte Hayali auf deren Facebook-Seite beschimpft und in brüchiger Rechtschreibung die Frage aufgeworfen, wieso sie „so ein hass auf türken“ habe. Eine ihrer Sendungen sei eine „anti türkei schow“ gewesen. Drohend heißt es: „so lappen wie ihr solltet euch ­besser nicht mit uns anlegen“. Hayali begegnete dem Hass-Posting mit demselben Tonfall: „Emre . . . warum so ein hass auf deutsche?? Hat man ja gesehen bei deiner letzten anti deutschen text so loser wie ihr solltet euch besser nicht mit uns anlegen. Wir können auch ziemlich gemein sein Wenn wir wollen..!!“. Facebook hatte den Beitrag zeitweise gelöscht, entschuldigte sich aber später für diese Reaktion.

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Bei Merkels Auftritt in Bremen stand die Bremer CDU-Bundestagsabgeordnete ­Elisabeth Motschmann direkt neben der Kanzlerin auf der Bühne. Pfiffe und Buhrufe sei man in Bremen bereits gewöhnt, sagt sie. Aber auch Motschmann hat schon Erfahrungen mit dem wachsenden Hass im Netz gesammelt. „Ich werde mich damit nicht abfinden und dagegen vorgehen“, sagt sie. Motschmann beklagt vor allem die ­Verrohung der Sprache im Netz: „Eine aggressive Wortwahl führt am Ende zu aggressiven Taten“. Hasskommentatoren müssten, fordert Motschmann, für ihre Taten hart bestraft werden.

Ende Juni hat der Bundestag das umstrittene Netzwerkdurchsetzungsgesetz beschlossen, das Online-Netzwerke zu einem härteren Vorgehen gegen Hetze verpflichten soll. Es sieht vor, dass Facebook, Twitter und Co. strafbare Inhalte binnen 24 Stunden nach einem Hinweis darauf löschen müssen. Für nicht eindeutige Fälle ist eine Frist von sieben Tagen vorgesehen.

Am Montag wird der SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz auf seiner Wahlkampftour in Bremen haltmachen. Medienexpertin Holsten schließt dann ein ähnliches Echo wie beim Merkel-Auftritt nicht aus. „Jeder, der im Wahlkampf öffentlich Positionen bezieht, muss sich auf Hasskommentare in den sozialen Netzwerken einstellen“, betont sie.

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