Berater checkt Reihenhaus von Bürgerschaftspräsident Christian Weber / Ab September Termine in Schwachhausen Wenn teure Heizenergie entweicht

Wer als Hauseigentümer seine eigenen vier Wände überprüft, kann Geld sparen und etwas für den Klimaschutz tun. Denn in vielen älteren Häusern gibt es Schwachstellen, durch die teure Heizenergie entweicht. Eine Bremer Klimaschutzagentur co-finanziert nun nacheinander in mehreren Stadtteilen den dafür nötigen Test durch Fachleute. Einer der ersten Ortstermine in Hastedt: Das Reihenhaus von Bürgerschaftspräsident Christian Weber.
29.03.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Marcus Schuster

Wer als Hauseigentümer seine eigenen vier Wände überprüft, kann Geld sparen und etwas für den Klimaschutz tun. Denn in vielen älteren Häusern gibt es Schwachstellen, durch die teure Heizenergie entweicht. Eine Bremer Klimaschutzagentur co-finanziert nun nacheinander in mehreren Stadtteilen den dafür nötigen Test durch Fachleute. Einer der ersten Ortstermine in Hastedt: Das Reihenhaus von Bürgerschaftspräsident Christian Weber.

Hastedt. Jochen Corsten muss sich nicht allzu intensiv umschauen. Zwar klettert der Gebäudeenergieberater schon mal bis auf den Spitzboden, fährt mit einer Mini-Kamera in die Dachverkleidung und leuchtet die Lage aus. Doch im Haus von Christian Weber ist das nicht nötig. Der Präsident der Bremischen Bürgerschaft hat umfangreiches Aktenmaterial auf dem Küchentisch ausgebreitet, außerdem hilft das Baujahr seines dreigeschossigen Reihenhauses weiter: 1928. "Bei der Außenwand haben wir es mit einem zweischaligen Mauerwerk zu tun", sagt Corsten. Eine solche sei kostengünstig und einfach zu dämmen.

Christian Webers Haus könnte somit von außen an mehreren Stellen dezent angebohrt werden. Eine Maschine würde Dämmmaterial in den Hohlraum zwischen den beiden Außenwänden blasen, bis diese voll sind - zum Beispiel fein zerbröseltes Vulkangestein, sogenannte Perlite, Altglasgranulat oder auch Kunststoffkügelchen. Bei einem Reihenhaus könne all das aber unter Umständen die Nachbarn beeinträchtigen, sagt Corsten. Für die Einblasdämmung bei Weber empfiehlt er daher Mineralwolle.

In einem Tag wäre alles erledigt. Weber ist überrascht, "ich dachte, das dauert viel länger". Die Optimierung koste zwischen 30 und 40 Euro pro Quadratmeter, sagt Corsten, eine reine Außendämmung sei da mit rund 150 Euro deutlich teurer. Am Ende ließen sich in Webers Fall rund 20 Prozent der Heizkosten sparen - würde der Bürgerschaftspräsident auch seine Rohre isolieren und sich dann noch um die Fenster kümmern, wären vielleicht bis zu 40 Prozent Einsparung möglich, schätzt Corsten, zusätzlich zu dem, was Weber ohnehin schon macht - "etwa die Heizung runterdrehen, wenn ich das Haus verlasse".

In einer Sparkassenfiliale ist Christian Weber auf den Gebäudeenergie-Check aufmerksam geworden. "Taten statt Warten" heißt die Initiative der Bremer Klimaschutzagentur Energiekonsens - jeweils zwei Monate lang macht sie in verschiedenen Stadtteilen mit Flyern und Infoständen auf das Programm aufmerksam. Nun sind Mitte, die Östliche Vorstadt und Hastedt dran. Der Kurz-Check vom Fachmann kostet 50 Euro, die Hälfte übernimmt Energiekonsens. Ein umfangreicheres Gutachten fördert die Agentur mit bis zu 125 Euro. Die Umsetzungsquote in den Stadtteilen, die bereits an der Reihe waren, liege bei 88 Prozent, sagt Sandra Lachmann von Energiekonsens. Das hätten Befragungen ergeben.

"Der Sanierungsbedarf in Bremen ist groß." Allein in den genannten drei Stadtteilen gibt es rund 15000 Ein- und Zweifamilienhäuser. "Wir überlegen uns, wie wir Hauseigentümer für das Thema Energiesparen sensibilisieren, den Energieverbrauch in Altbauten senken und damit den CO2-Ausstoß reduzieren können." Die Menschen kämen über die Kosten zum Energiesparen, weiß Berater Corsten aus Erfahrung, "nicht über den Klimaschutz." Problematisch seien vor allem die vielen Infos, die rund ums Energiesparen kursieren, sagt Sandra Lachmann. "Wir versuchen, das Chaos zu lichten."

Seit 1986 wohnt Christian Weber in seinem Haus, das Dach hat er bereits vor Jahren voll dämmen lassen. "Eine Dampfsperre", freut sich Corsten, "das erleichtert die Sache." Überhaupt sei das Haus "in einem bauzeitgemäßen Zustand". Da sich die Küche allerdings im Keller befindet, kann Weber den Boden dort nicht ohne weiteres abdämmen. Auch andere Maßnahmen wollen überlegt sein: "Sie könnten natürlich jetzt hergehen und alle Fenster austauschen", sagt Corsten, "aber es sollte immer im Verhältnis zu den Gegebenheiten des Baujahrs stehen."

Jedoch sollte Weber dringend die Abwärme auffangen, die durch Heizungsrohre und Wasserleitungen in seinem Kellerraum neben der Küche verloren geht. Hier sollte gedämmt werden, "auch wenn der Raum dann nicht mehr ganz so schön Wärme abgibt", wie Weber anmerkt. "Ihr Haus bietet Möglichkeiten, die Energiekosten zu verringern", resümiert der Berater. "Ein sehr gutes Bremer Haus", sagt Weber. Er weiß nun, dass es noch besser geht.

Der Energie-Check in Mitte, Östlicher Vorstadt und Hastedt läuft bis zum 15. Mai. Im September geht es in Schwachhausen weiter. Informationen gibt es unter Telefon 83588822 (Dienstag bis Donnerstag von 10 bis 16 Uhr) oder im Internet unter www.bremer-modernisieren.de.

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