Neurowissenschaftler spricht bei „Wissen um elf“ Wer fit bleibt, tut auch etwas für den Geist

Wie kann man dem Alterungsprozess entgegenwirken und auch als Senior seine Leistungsfähigkeit erhalten? Ben Godde, Professor für Neurowissenschaften an der Jacobs University Bremen, empfiehlt: „Bleiben Sie immer bestrebt, Neues zu lernen, bleiben Sie fit, tun Sie etwas für Ihren Körper – dann tun Sie auch etwas für Ihren Geist.“ Denn alterungsbedingte Prozesse im Gehirn, die sich irgendwann auch körperlich bemerkbar machen, können laut Godde beeinflusst werden.
11.05.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Solveig Rixmann

Wie kann man dem Alterungsprozess entgegenwirken und auch als Senior seine Leistungsfähigkeit erhalten? Ben Godde, Professor für Neurowissenschaften an der Jacobs University Bremen, empfiehlt: „Bleiben Sie immer bestrebt, Neues zu lernen, bleiben Sie fit, tun Sie etwas für Ihren Körper – dann tun Sie auch etwas für Ihren Geist.“ Denn alterungsbedingte Prozesse im Gehirn, die sich irgendwann auch körperlich bemerkbar machen, können laut Godde beeinflusst werden.

Die Lebenserwartung der Menschen ist heute höher als je zuvor, doch der Alterungsprozess setzt schon ziemlich früh ein – „so mit 23 bis 30 Jahren“, sagt Ben Godde. Altersbedingte Einbußen seien in allen biologischen Körpersystemen zu finden: so beispielsweise in der Nierenfunktion, der Herz-Kreislauf-Funktion oder der Atemkapazität. Natürlich altere auch das Gehirn. „Und mit dem Gehirn verändern sich Fähigkeiten auf allen Ebenen, besonders auch im Bereich der Kognition, also der geistigen Fähigkeiten“, erklärt Ben Godde in seinem Vortrag „Geistig fit bleiben: Wie sich Altersveränderungen im Gehirn beeinflussen lassen“.

Bei der Wissenschaftsmatinee „Wissen um elf“ im Haus der Wissenschaft berichtet der Professor für Neurowissenschaften an der Jacobs University Bremen, wie sich das Gehirn im Alter verändert und was man tun kann, damit es optimal altert und die Funktion länger erhalten werden kann.

Es würden zwei verschiedene Dimensionen informationsverarbeitender Funktionen des Gehirns unterschieden, berichtet Godde. Zum einen alles, was mit Wissen und Erfahrung zu tun habe. Zum anderen alle Funktionen, die mit grundlegenden biologischen Funktionen zu tun haben und durch Nervenzellen gesteuert werden. Vor allem die Leitgeschwindigkeit und die Informationsweitergabe an die Neuronen durch biochemische Prozesse nähmen mit zunehmendem Alter ab. Und das beginne schon frühzeitig, sagt Godde. Wissen und Erfahrungen blieben dagegen sehr lange erhalten und könnten auch in hohem Alter noch zunehmen. Der Verlust an Nervenzellen sei zwar moderat. Aber entscheidend seien während des Alterns die Verbindungen zwischen Nervenzellen sowie die Produktion der chemischen Botenstoffe. Diese werden mit zunehmendem Alter weniger produziert und sind weniger produktiv. Zudem ist die Blut- und Sauerstoffversorgung des Gehirns beeinträchtigt, weil auch das Herz-Kreislauf-System altert. „All dies zusammen führt dazu, dass das Gehirn weniger aktiviert werden kann“, so Godde.

Die Veränderungen müssten nicht zwangsläufig mit funktionellen Einbußen verbunden sein. Das Gehirn könne Verluste kompensieren, indem Funktionen zum Beispiel in die andere Gehirnhälfte verlagert würden. Das unterscheide die fitten von den weniger fitten Alten – „nämlich, dass die fitten Alten diese Kompensationsprozesse nutzen können“, erklärt Godde. Eine Studie mit Ratten habe gezeigt, dass Gehirnregionen durchaus wieder aktiviert werden könnten.

Reservekapazität wird aufgebaut

Beim Menschen gibt es indes sehr unterschiedliche Entwicklungsverläufe. Die hängen stark von Ressourcen ab – etwa von physischen und psychischen Ressourcen, also der Interaktion mit der Umwelt und der Fähigkeit, mit verschiedenen Bedingungen umzugehen, aber auch von kulturellen Ressourcen wie der Bildung. „Diese Ressourcen sorgen für eine Reservekapazität. Von der wird immer mehr genutzt mit zunehmendem Alter, sodass irgendwann nichts mehr übrig ist und wir dann Funktionseinbußen haben.“

Man kann aber dafür sorgen, dass entweder weniger von diesen Reserven genutzt werden oder dass mehr von diesen Reserven vorhanden sind. Der Abbau des Gehirns sei durch verschiedene Faktoren beeinflussbar, sagt Godde: durch physische Fitness, eine anregende Umgebung, gesunde Ernährung, soziale Interaktionen, emotionale Stabilität und natürlich auch die Abwesenheit von Umweltgiften einschließlich Drogen und zu viel Alkohol.

Godde: „Die Fitness alleine hat schon eine sehr starke Auswirkung.“ Weniger fitte ältere Menschen müssten ihr Gehirn viel mehr aktivieren, um widersprüchliche Informationen zu verarbeiten. Älter zu sein müsse nicht grundsätzlich heißen, dass man nicht mehr lerne. Aus Studien weiß man, dass positive Gefühle die Gedächtnisbildung fördern, auch gesunder Schlaf ist notwendig. Alles in allem heißt das Resümee des Hochschullehrers: Körperliche Fitness, Offenheit und das Bestreben, auch im Alter Neues zu lernen, fördern die Aktivität des Gehirns.

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