Im Grünen Bereich

Wer nichts wird, wird Bienen-Wirt

Es zeichnen sich Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt ab. Die ersten Blühstreifen-Beauftragten sind im Dienst und vielleicht gibt es auch bald schon Bushaltestellen-Gärtner.
07.09.2019, 15:05
Lesedauer: 3 Min
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Wer nichts wird, wird Bienen-Wirt
Von Patricia Brandt
Wer nichts wird, wird Bienen-Wirt
Sabine Rosenbaum

Den Job des Ohrenputzers soll es in China geben. Kaum ein Chinese kommt angeblich noch ohne ihn aus. Wenn der Beruf hierzulande auch wenig verbreitet ist, zeichnen sich auch in unseren Breitengraden zurzeit Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt ab.

Dank des Klimawandels hat in Osterholz-Scharmbeck Frieder Lüße gerade seinen Traumjob als Blühstreifen-Beauftragter gefunden. Er sorgt dafür, dass im Landkreis ausreichend Blühstreifen geschaffen werden, damit Bienen und Co genug Nahrung finden. Lüße gilt übrigens als Idealbesetzung für die neue „Grün-Stelle“, heißt es aus dem Rathaus, da es seine Passion von Kindesbeinen an sei, „Bäume, Sträucher und Stauden im Wachstum zu unterstützen.“ Wir können froh sein, dass es Menschen wie ihn gibt, die Pflanzen beim Wachsen unterstützen, wie auch immer sie das anstellen.

Schulabgänger, die ebenfalls nichts mit Medien, sondern lieber was mit Blühstreifen machen wollen, aber keinen grünen Daumen haben, müssen nicht gleich den Kopf in den Sand stecken. Nicht alle Gärtner kommen mit dieser biologischen Besonderheit auf die Welt. Der Daumen verfärbt sich mitunter auch erst im Laufe jahrelanger, berufsvorbereitender Lehrgänge vom Jobcenter.

Aber es lohnt sich umzusatteln: Weitere Stellenangebote werden in der Region folgen, wenn Bremen erst seine Buswartehäuschen mit Mauerpfeffer und anderen Gewächsen zu Bienenweiden umfunktioniert hat. Wer eine eigene Leiter hat und weniger als fünf Kilo auf die Waage bringt, kann schon mal eine Initiativbewerbung als Bushaltestellen-Gärtner auf den Weg bringen.

Selbstverständlich müssen wir in Zeiten wie diesen den stetig schwindenden Insektenbestand im Auge behalten: Jede Blattlaus zählt! Die Einstellung der ersten Stadtteil-Insektologen ist nur eine Frage der Zeit. Als Mitarbeiter kommt aber nur infrage, wer ein gutes Auge hat und bis Drei zählen kann.Und wer nichts wird, wird eben Bienen-Wirt und baut ein Insektenhotel. Sobald die Bremer Grünen die Todesstrafe für bienenfeindliche Schottergärten eingeführt haben, werden auch jede Menge Schotter-Kontrolleure (m/w/d) gesucht. Sicher eine Aufgabe für Menschen mit Hang zum Denunziantentum. Vorteil: Man muss sich nicht mit den botanischen Namen für das ganze Gestrüpp auskennen. In Schottergärten finden sich höchstens Plastik-Buchskugeln. Nachteil: Der Job ist nicht ganz ungefährlich. Das Berufsrisiko, von uneinsichtigen Gartenbesitzern gesteinigt zu werden, sogar relativ hoch. Freuen können sich Umschüler: Für Knöllchenschreiber gilt eine verkürzte Einarbeitungszeit.

Ehrenvoll ist der – auch in meiner Küche noch zu vergebende – Job eines Bokashi-Eimer-Rausbringers. Ein Bokashi-Eimer ist die neue Alternative zum gängigen Komposthaufen: Man befüllt den Bokashi-Eimer mit Gemüseresten und lässt ihn in Ruhe neben dem Frühstückstisch fermentieren: Mithilfe von effektiven Mikroorganismen entsteht dann hochwertiger Kompost für bienenfreundliche Pflanzen. Wie der herkömmliche Müll-Rausbringer muss der Bokashi-Eimer-Rausbringer dafür sorgen, dass der ­Eimer geleert wird. Leider sind hoch­motivierte Anwärter heutzutage selten. Der Job ist zwar lange nicht so eklig wie der eines Ohrenputzers. Aber ehrlicherweise muss gesagt werden, dass die Bokashi-­Eimer-Rausbringer in den meisten Haushalten noch weit unter der Mindestlohn-Grenze schuften.

Info

Zur Sache

Martin Renz von der Stadtbibliothek Bremen empfiehlt:

… eine Ausbildung zum FaMI in Erwägung zu ziehen. „Hä?“ denken Sie jetzt vielleicht. FaMI ist die Kurzform für „Fachangestellte*r für Medien- und Informationsdienste“ und eben das, was früher mal „Bibliotheksassistent*in“ hieß. Jaja, so was kann man lernen, nicht nur, aber eben auch bei der Stadtbibliothek Bremen. Wem das Steinschlagrisiko bei Gartenberufen zu hoch ist und wer dann eben doch lieber „irgendwas mit Medien“ – und vor allem „irgendwas mit Menschen“ – machen möchte, ist hier genau richtig. Weitere Infos gibt es auf der Website (stabi-hb.de), Bewerbungstipps – für die Ausbildungsplatzsuche ebenso wie für Führungskräfte – bei „BWL 162“ und die Auflösung, was „BWL 162“ nun wieder heißen soll, in der Stadtbibliothek.

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