Wegen Selke-Werbung im Schaufenster Werder-Friseur wird bedroht und beleidigt

Weil er mit einem Bild von Davie Selke im Schaufenster wirbt, ist "Werder-Friseur" Farshad Morilotfi bedroht und beleidigt worden. Der Friseur hat das Bild entfernt - und die Vorfälle der Polizei gemeldet.
02.04.2015, 15:34
Lesedauer: 3 Min
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Werder-Friseur wird bedroht und beleidigt
Von Michael Kerzel

Er wurde auf übelste Weise beleidigt, dazu drohten ihm mehrere Facebook-Nutzer Gewalt an. Fußgänger bespuckten die Fensterfront seines Friseursalons in der Bahnhofsstraße. Und das alles nur, weil Farshad Morilotfi mit einem Bild von Davie Selke beziehungsweise dessen Frisur wirbt, der nun zum Zweitligisten RB Leipzig wechselt. „Mir wurde gesagt, dass Davie und ich platt gemacht werden, wenn ich das Foto nicht sofort aus dem Schaufenster nehme“, berichtet Morilotfi.

Exemplarisch steht ein Kommentar auf der Facebook-Seite von „Lotfis Friseur“. Dort schreibt ein Nutzer „Mach das Bild von den Judas von dein Geschäft ab sonst machen wir das“. Mehr als 100 solcher Nachrichten – einige mit üblen Beleidigungen – hat Morilotfi dokumentiert und der Polizei gemeldet. Die habe ihm geraten, das Foto von Davie Selke abzunehmen. „Das habe ich auch getan“, sagt der Friseurmeister. Polizeisprecherin Kirsten Dambek berichtet, dass in solchen Fällen die Besatzungen der Streifenwagen über die Situation aufgeklärt würden, um über die potenzielle Gefahr Bescheid zu wissen.

In der Admiralstraße in Findorff hat Morilotfi einen zweiten Salon, dort prangt Selkes Frisur noch auf einem Foto vor dem Friseurladen. „Da ist es ruhiger, aber ich werde es wohl auch dort abnehmen“, sagt Morilotfi. In der Bahnhofsstraße habe er eine Kamera installiert. So wolle er verhindern, dass seine Scheiben eingeschlagen werden. Das hätten mehrere Personen angekündigt.

Schlechte Erfahrungen mit Arnautovic-Aufkleber

Für die Aufnahmen gibt es jedoch Bedingungen, erklärt der stellvertretende Landesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit, Harald Stelljes. Beispielsweise dürfe öffentlicher Raum nur dann von einer Privatperson überwacht werden, wenn eine Gefahr – bestätigt von einem Datenschutzbeauftragten – bestehe, der nicht anderweitig entgegnet werden könne. Zudem müsse das Videomaterial nach drei Tagen gelöscht werden, und die Aufnahmen dürften nicht mehr als einen halben Meter vor dem Schaufenster einschließen. „Ein Hinweis, dass der Bereich videoüberwacht wird, muss in Augenhöhe angebracht werden“, sagt Stelljes.

Farshad Morilotfi musste die Erfahrung mit eingeschlagenen Scheiben bereits machen. Vor rund zwei Jahren demolierten Unbekannte seine Fenster. Damals blickte Marko Arnautovics Konterfeit den Menschen entgegen. Und der Österreicher war aufgrund einer Eskapade von Werder Bremen suspendiert worden. Die Wut der Fans bekam Morilotfi zu spüren. „Ich habe schon Angst davor, dass hier wieder etwas kaputt gemacht wird“, sagt Morilotfi.

Selke-Haarschnitt ist weiterhin gefragt

Sein Friseursalon ist nahezu komplett mit Werder-Utensilien dekoriert. In dem Salon hängen Selke-Trikots und Bilder von Morilotfi mit dem Werder-Stürmer. „Er ist mein Freund, und ich werde die Sachen mit ihm hier behalten“, sagt der Friseurmeister. Er bedauere den Wechsel nach Leipzig. „Aber so ist Fußball nunmal“, meint er. Das sehen auch viele Werder-Fans so. Auf Morilotfis Facebook-Seite stehen auch diverse Kommentare, die sich klar von den Drohungen und Beleidigungen distanzieren. „Es ist einfach widerlich, wer sich gerade als Fan schimpft und dann so ausfallend wird“, heißt es dort beispielsweise.

Wer Selke als Werbefigur ersetzt, weiß Morilotfi noch nicht genau. Er habe einige Werder-Talente im Auge. Nach Arnautovic und Selke werde er genau überlegen, wen er als nächstes anspricht, sagt der Friseurmeister. „Die Frisuren der Beiden sind bei unseren Kunden aber immer noch gefragt“, berichtet Morilotfi. Am Donnerstag, Tag eins nach dem Selke-Wechsel, wollten drei Kunden die Selke-Frisur – und da war es erst 13 Uhr.

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