Finanzielle Auswirkungen

Werder sieht Bremen bei Abstieg in der Pflicht

Der Abstieg in die 2. Bundesliga hätte für Werder und die Stadt Bremen enorme finanzielle Auswirkungen. So drohen Liquiditätslücken für Stadion-Kredite. In einem Gespräch sollen Lösungen diskutiert werden.
19.02.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Christoph Sonnenberg, Jean-Julien Beer und Mathias Sonnenberg
Werder sieht Bremen bei Abstieg in der Pflicht

Die Stadt Bremen und Werder sind zu jeweils 50 Prozent Gesellschafter der Bremer Weser-Stadion GmbH.

Christina Kuhaupt

Fünf Punkte Rückstand hat Werder Bremen in der Bundesliga bereits auf den Nichtabstiegsplatz 15, und die sportliche Tendenz ist seit Wochen negativ. Das Szenario eines zweiten Abstiegs nach 1980 wird mit jeder weiteren Niederlage wahrscheinlicher. Ein Gang in die 2. Bundesliga aber hätte für Werder und die Stadt Bremen enorme finanzielle Auswirkungen. Diese würden auch die Bremer Weser-Stadion GmbH (BWS) betreffen, in der die Stadt Bremen und Werder zu jeweils 50 Prozent Gesellschafter sind.

Auf rund 45 Millionen Euro würden sich die Mindereinnahmen Werders bei einem Abstieg in die Zweitklassigkeit summieren. Davon würden die reduzierten Fernseheinnahmen mit 30 Millionen Euro den größten Teil ausmachen. Es käme darüber hinaus zu weniger Sponsorenerlösen, aber auch bei Ticketing, Einnahmen aus dem Logenbereich und der Bandenwerbung drohen für den Fall deutliche Einbußen. Aus diesen Einnahmen werden die Kredite bedient, mit denen die BWS den mehrfachen Umbau des Weserstadions finanziert. Beim Abstieg droht eine Liquiditätslücke – und die gilt es zu schließen.

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Werder sieht hier die Stadt Bremen durchaus in der finanziellen Pflicht. „Wir müssen mit der Stadt als gleichberechtigtem Gesellschafter Gespräche führen, um eine vernünftige Lösung für die beiden Gesellschafter zu finden, wie das dort entstehende Loch zu füllen ist“, sagt Klaus Filbry, Vorsitzender der Geschäftsführung des Klubs, dem WESER-­KURIER. Laut Gesellschaftervertrag muss sich die Stadt zur Hälfte an den Mehrkosten beteiligen.

Bisher sieht die Regelung vor, dass exakt bezifferte Prozentsätze der Einnahmen aus Bandenwerbung, Logen und Ticketverkauf an die BWS weitergereicht werden. Aus den gesamten Einnahmen der Bandenwerbung sind das beispielsweise ein Drittel. Der Erlös aus dem Verkauf der Namensrechte an ein Immobilien-Unternehmen, immerhin drei Millionen Euro pro Jahr, fließt gar komplett an die BWS. Hinzu kommen prozentuale Abgaben aus den Bereichen Hospitality und Ticketing. In allen Bereichen hätte ein Abstieg deutliche Mindereinnahmen zur Folge.

Abstieg zieht Anpassung von Preisen nach sich

Der Sponsorenvertrag über den Verkauf der Namensrechte gilt bei Abstieg zu denselben Konditionen, hier drohen keine Einbußen. Bandenwerbung in der 2. Bundesliga ist für Unternehmen aber deutlich weniger attraktiv, was zu reduzierten Erlösen führen würde. Die Logen des Weserstadions müssten zu günstigeren Konditionen vermietet werden, gleiches gilt für das Angebot im Catering-Bereich. Und nicht zuletzt müssten auch die Ticketpreise gegen Sandhausen, Aue oder Regensburg dem sportlichen Wert angepasst werden. Karten wären deutlich günstiger zu haben als gegen den FC Bayern, Borussia Dortmund oder Schalke 04.

Die Mindereinnahmen aus all diesen Bereichen, ein mittlerer einstelliger Millionen-Betrag, hätten zur Folge, das im Haushalt der BWS eine Unterdeckung entstehen würde. Insgesamt beläuft sich die Summe nach Informationen des WESER-KURIER auf einen Fehlbetrag zwischen einer Million und 1,5 Millionen Euro. Geklärt werden muss jetzt, wer diesen zu welchen Teilen ausgleicht.

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Der Politik ist das Problem bekannt, schon bald soll es zu einem Gespräch kommen, um Lösungen zu diskutieren. Kai Stührenberg, Pressesprecher der Senatorin für Wirtschaft, Arbeit und Europa, Kristina Vogt, sagt: „Im März wird sich der Aufsichtsrat der BWS in seiner turnusmäßigen Aufsichtsratssitzung mit dem Szenario ,2. Liga‘ beschäftigen. Im Kontext der Aufsichtsratssitzung werden sich die Gesellschafter mit der Finanzierungsfrage der Liquiditätslücke und den Möglichkeiten dieser zu begegnen, beschäftigen müssen. Ob ei­ne Gesellschaftereinlage sinnvoll ist, werden wir in diesem Kontext mit Werder und der BWS besprechen.“

Jede Lösung kostet Geld

Denkbar sind verschiedene We­ge, den veränderten Einnahmen Rechnung zu tragen. Zum einen könnte das Geld über einen Kredit finanziert werden, der irgendwann zurückgezahlt werden müsste. Denkbar wäre auch, die prozentualen Abgaben an die BWS so zu erhöhen, dass man am Ende auf dieselben Summen kommen würde. Am Ende kostet jede der jeweiligen Lösungen Geld – und die Frage ist, zu welchen Teilen die zusätzlichen Kosten auf die beiden Gesellschafter der BWS, Werder und die Stadt Bremen, verteilt werden.

Bisher hat Werder die volle Belastung getragen. Angesichts des finanziellen Kraftaktes, den ein Abstieg in die 2. Bundesliga darstellen würde, ist der Klub dazu künftig offenbar nicht mehr bereit.

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