Ildikó von Kürthy zu Gast beim WESER-Strand

„Ich bin sehr durchschnittlich“

Bestseller-Autorin Ildikó von Kürthy war zu Gast im Café Sand, beim WESER-Strand-Talk. Eine Stunde sprach sie mit Bärbel Schäfer über ihre Hündin Hilde, ihr aktuelles und ihr kommendes Buch.
06.09.2020, 08:28
Lesedauer: 4 Min
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Von Christian Kuhaupt (Fotos) und Maurice Arndt (Text)
„Ich bin sehr durchschnittlich“

Ildikó von Kürthy und Bärbel Schäfer haben sich bereits bei einer Lesung der Autorin eine Bühne geteilt – bloß mit vertauschten Rollen.

Christina Kuhaupt

Eine Rampensau ist sie nicht. Zumindest sagt Bestseller-Autorin Ildikó von Kürthy das über sich selbst. Freitagabend war sie Gast beim WESER-Strand-Talk. Mit Moderatorin Bärbel Schäfer spricht sie über Hündin Hilde, Corona, ihre aktuellen Bücher – und beweist, dass sie sich sehr wohl auf der Bühne wohlfühlt.

„Es ist schön, wieder unter Menschen zu sein“, freut sich von Kürthy gleich zu Beginn. Damit dürfte sie einigen Besuchern der geschlossenen Veranstaltung, zu der aufgrund der Corona-Pandemie nur geladene Gäste und Gewinner einer Verlosung kommen konnten, aus der Seele gesprochen haben. Allzu schlimm fand sie die Zeit des Zuhause-Seins jedoch nicht. Sie habe viel gekocht und drei Viertel davon selbst gegessen. Außerdem: „Meine Liebsten waren zu Hause. Das war sehr entspannend, weil ich mich immer um sie sorge, wenn sie nicht daheim sind.“ Wie schlimm diese Sorge ist? „Ich bin gerne im Urlaub, aber möglichst nie weit weg – und auch nur da, wo ich schon mal war.“

Nur zwei Nachteile fallen ihr ein, wenn sie an die Zeit des Lockdowns denkt. Einerseits das Homeschooling ihrer zwei Kinder, denn so hätten die beiden Söhne herausgefunden, was sie alles nicht wisse. In Oberstufen-Mathematik sei sie gänzlich aufgeschmissen. Aber auch in Deutsch könne sie nicht wirklich helfen. Sie gesteht ehrlich: „Kommas richtig zu setzen ist nicht das, was mir beim Schreiben am wichtigsten ist.“

Keine Hilfe bei Deutsch-Hausaufgaben

Andererseits fehlte ihr die Arbeit. Denn: Ihr Arbeitsplatz ist – anders, als man vermuten könnte – nicht der heimische Schreibtisch, sondern die Hamburger Jurabibliothek. Ein spezieller Ort für sie: Hier weint und lacht sie mit den Charakteren ihrer Bücher – so nah ist sie ihren Protagonisten. „Die Juristen haben sich daran gewöhnt, aber sie müssen mich anfangs für bekloppt gehalten habe.“

Wie kam sie zum Schreiben? Immerhin 20 Jahre ist sie nun Autorin. Mit dem Buch „Mondscheintarif“ fing alles an. „Das war eigentlich Notwehr“, sagt sie heute. Ihr Vater war blind, deshalb hatte sie sich mit ihm nie mit Blicken verständigen können. Worte waren immer wichtig. Auch ihre Mutter dürfte an ihrem Karriereweg nicht unschuldig sein, immerhin war sie Buchhändlerin.

„Was schenkt dir das Schreiben?“, fragt Moderatorin Bärbel Schäfer. Hier fällt von Kür­thys Antwort weniger romantisch aus: „Zunächst einmal Geld“, bekennt sie. Aber auch: „Schreiben ist die Möglichkeit, über sich hinauszuwachsen. Durch das Aufschreiben wird vieles erst greifbar.“ Manchmal habe sie nach dem Schreiben das Gefühl, klüger zu sein, als sie es vorher geahnt habe.

Kein Wunder: Thematisch bedient sie sich seit jeher am Leben – sowohl dem eigenen als auch dem anderer. Außer natürlich, das gibt keine spannenden Geschichten her. Dann denkt sie sich auch mal etwas aus. Ihre Romane seien „erlebt, erlogen und erklaut von anderen Leben“. So wie auch bei ihrem aktuellen Buch „Es wird Zeit“. Bloß, dass sie sich dieses Mal getraut habe, „alles kompromisslos aufzuschreiben“.

WESER-Strand Talk mit Ildikó von Kürthy und Bärbel Schäfer im Café Sand

Bärbel Schäfer sprach mit Ildikó von Kürthy über ihre Verbindung zu ihren Buchprotagonisten.

Foto: Christina Kuhaupt

Angst, kompromisslos zu schreiben

Etwas, vor dem sie bisher Angst hatte. Zumal das Thema – älter zu werden – schon an sich kein leichtes ist. Doch ihre Fans hätten das Thema angenommen. „Ich glaube, sie haben sich mit mir entwickelt.“ Da sie ohnehin Bücher so schreibe, dass zuallererst sie selbst sie möge und nicht für Bestseller-Ranglisten, habe sie offenbar einen Nerv getroffen. Sie erklärt: „Ich halte mich selbst für sehr durchschnittlich – im positiven Sinn. Mag ich etwas, mögen es also oft auch viele andere.“

Gespielt wurde auch: „Verfolgst du, was deine Konkurrenz macht?“, fragt Schäfer. „Nein“, behauptet die Autorin zunächst. Muss aber einräumen: Sie liest schon Romane anderer Autorinnen. Das zeigt auch das Spiel. Es galt, Buchcover den Urheberinnen zuzuordnen: „Ausgemustert“ zu Susanne Fröhlich, „Eine Handvoll Männlichkeit“ zu Gaby Hauptmann oder „Sturmzeit“ zu Charlotte Link, deren Bücher ihr eigentlich zu gruselig sind. Die meisten Cover verteilte sie, ohne mit der Wimper zu zucken. Die Erklärung folgt hinterher: „Ich lese die Bücher aus Interesse, nicht um mich zu vergleichen.“

Besonders unterhaltsam wurde es gegen Mitte der Veranstaltung. Bärbel Schäfer, die von Kürthy auch persönlich gut kennt, wollte sich revanchieren: Auf einer ihrer Lesungen hatte die Autorin die Moderatorin singen lassen. Dieses Mal drehte Schäfer den Spieß um. Doch von Kürthy, die eigentlich Angst davor hat, alleine auf der Bühne im Rampenlicht zu stehen, bewies ihre Bühnenqualitäten. Sie sang die Lieder von Madonna bis Helene Fischer achtbar. Dabei trug sie – wie bei ihren Lesungen – einen Bademantel. Den hatte Schäfer extra dafür mitgebracht. Ganz nebenbei machte von Kürthy noch ein Spiel draus: Für jeden richtig erratenen Titel bekam die jeweilige Person aus dem Publikum ein Hundespielzeug geschenkt.

WESER-Strand Talk mit Ildikó von Kürthy und Bärbel Schäfer im Café Sand

Hündin Hilde war nicht vor Ort.

Foto: Christina Kuhaupt

Zwei stolze Hundebesitzerinnen

Hundespielzeug? Das war vorgesehen, falls sich noch ein dritter Gast zum einstündigen Talk gesellt hätte: Hilde, ihre Teppichfluse, wie von Kürthy ihre Hündin nennt. Ein verbindendes Thema für die beiden Frauen, schließlich ist auch Schäfer stolze Hundebesitzerin. Für von Kürthy gehören Hunde zu einer kompletten Familie einfach dazu. Deshalb hat sie sich gegen ihren Mann durchgesetzt, der mit Hilde nicht recht etwas anzufangen weiß. „Ich hatte die Hoffnung, dass die großen Welpenaugen ihn überzeugen würden.“ Taten sie nicht. Hilde ist trotzdem eingezogen und wurde Teil der Familie. „Ich bin mit Hunden aufgewachsen. Da mein Vater blind war, hatten wir einen Blindenhund“, erzählt die Autorin.

Zum Abschluss sprach Ildikó von Kürthy über ihr neuestes Buch. Zum ersten Mal ist es eine Fortsetzung – zumindest im weitesten Sinne. „Ich wollte das Buch noch nicht gehen lassen“, sagt sie. Deshalb folgt im Dezember das „Es wird Zeit“-Tagebuch. Tatsächlich gibt es eine ganze Familie zum ursprünglichen Buch. Auch ein Podcast ist Teil dieses Universums. Damit stellt sie sich noch einmal einer neuen Herausforderung und beweist sich, dass es auch nach dem 50. Lebensjahr noch Premieren im Leben gibt. Allerdings unterscheidet sich ein Podcast auch zu Auftritten auf der Bühne. An die hat sie sich – zumindest, wenn sie die nicht alleine bestreiten muss – mittlerweile gewöhnt. An das virtuelle Talkformat hingegen noch nicht. Und davor hat sie dann doch etwas Angst.

Der WESER-Strand-Talk fand nur vor einem kleinen Publikum statt. Er wurde allerdings aufgezeichnet. Wer nicht vor Ort war, kann auf dem Youtube-Kanal des WESER-KURIER das Gespräch von Bärbel Schäfer mit Ildikó von Kürthy nachschauen.

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