WESER-Strand-Talk mit Johannes Strate

Revolverheld-Sänger mit Heimspiel im Café Sand

Der Sänger von Revolverheld ist gebürtiger Bremer und bekennender Werder-Fan. Kein Wunder, dass sein Auftritt im Café Sand für Begeisterung im Publikum sorgte. Mit Video- und Audio-Mitschnitt.
04.10.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Revolverheld-Sänger mit Heimspiel im Café Sand
Von Simon Wilke
Revolverheld-Sänger mit Heimspiel im Café Sand

Natürlich musste er auch singen: Johannes Strate performt "Das W auf dem Trikot" auf der WESER-Strand-Couch.

Frank Thomas Koch

Er war der richtige Gast zur richtigen Zeit im WESER-Strand-Talk, das war nach einer guten Stunde auf der Couch von Moderatorin Bär­bel Schäfer deutlich zu merken: Sänger Johannes Strate. Zu Beginn der Veranstaltung hatte sich Joerg Helge Wagner, der als Mitglied der WESER-KURIER-Chefredaktion den Frontmann der Pop-Band Revolverheld willkommen hieß, einen Abend erhofft, der allen Zuschauerinnen und Zuschauern ein Stück Normalität nahe bringt.

Und wer am Ende die Gespräche der Gäste belauschte, konnte sich sicher sein: Strate hatte allenthalben für Begeisterung gesorgt und Diskussionen um Teilnehmerbegrenzungen, Abstandsregeln und Maskenpflicht vorübergehend vergessen gemacht.

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Dabei war das alles andere als selbstverständlich. Als Vertreter der durch die Pandemie arg gebeutelten Veranstaltungsbranche sprach der Sänger immer wieder die Probleme an, die ein Jahr ohne Live-Konzerte für viele Kollegen mit sich gebracht hat. Er selbst sei tatsächlich „irgendwann in ein Loch gefallen“, sei sich aber auch bewusst, dass es ihm im Verhältnis zu vielen anderen noch gut ergangen ist. Beispiel: Ein Tontechniker, der ihn sonst regelmäßig auf Tour begleitet, arbeite mittlerweile in einem Baumarkt, um weiterhin seine Miete zahlen zu können.

Auch Strate selbst habe sich erstmals seit Jahren wieder Gedanken über seine berufliche Zukunft gemacht. Doch wie so häufig an diesem Abend verstand es der Sänger, auch in diesem Moment Humor zu beweisen: Auf die Frage, ob er nicht noch umschulen wolle, fragte der 40-Jährige zurück: „Wer nimmt mich denn noch?“

Die Lacher auf seiner Seite

Vielleicht war es diese Selbstironie, die es den Gästen im Café Sand so einfach machte, mit dem Sänger zu sympathisieren. Mal pa­rodierte er in breitestem Plattdeutsch die Ansagen des verstorbenen Schauspielers Jan Fedder in Regionalzügen („Die Fahrt endet hier – schade!“), mal erzählte er von den ersten Band-Auftritten im Jugendzentrum in Rotenburg („Wir waren sechs Bands, ein Pressevertreter und null zahlende Gäste“), und jedes Mal hatte er die Lacher auf seiner Seite.

Strate ist gebürtiger Bremer, aufgewachsen „um die Ecke“ vom Café Sand, mittlerweile wohnhaft in Hamburg und nach eigenem Bekunden „sehr norddeutsch“. Das musste er auch gleich unter Beweis stellen, beim ersten Spiel des Abends: Insulaner. Kein Problem für den Sänger, dessen Vater Eckart seit Jahren auf Spiekeroog das sogenannte Dünensingen veranstaltet, oder wie Sohn Johannes es formuliert: „Der sitzt da seit 1966 – natürlich nicht am Stück.“

Weser Strand Talk mit Moderatorin Bärbel Schäfer und Gast Johannes Strate

Das Hygienekonzept erlaubte nur wenige Gäste im Café Sand. Die hatten allerdings umso mehr Spaß.

Foto: Frank Thomas Koch

Den kompletten Talk mit Johannes Strate sehen Sie hier.

Dann ging es auf die Couch. Moderatorin Bärbel Schäfer machte mit dem Sänger einen Streifzug durch die ältere und jüngere Vergangenheit. Strate erzählte von den ersten Ausflügen in die neuen Bundesländer, als die Familie zwei Wochen mit dem Auto durch die ehemalige DDR reiste. Und von seinem 40. Geburtstag im März, der eigentlich groß hätte gefeiert werden sollen, wäre da nicht der pandemiebedingte Lockdown gewesen. Eine Zeit, die Strate nach eigenem Bekunden zum Schreiben von Liedern genutzt hat („Alles fürchterlich depressive Sachen“). Manchmal habe er sich aber auch abends im Trainingsanzug bei dem Gedanken erwischt, dass es sich jetzt ohnehin nicht mehr lohnen würde zu duschen.

So war es an diesem Abend: eine Mischung aus Ernst und Spaß und manchmal ungewöhnlich politisch für den Auftritt eines Pop­sängers. Strate machte keinen Hehl aus seiner Abneigung gegen rechte Parteien, erklärte, warum seine Band vor zwei Jahren gegen die Rodung des Hambacher Forsts demonstrierte, und bekundete seine Sympathie zum ­Grünen-Bundesvorsitzenden Robert Habeck. Man merkte: Haltung zu zeigen und politische Po­sition zu beziehen, damit hat Johannes Strate kein ­Problem. Ganz im Gegensatz zu vielen seiner ­Kollegen – die würden niemanden vor den Kopf stoßen wollen, erklärte der Sänger. Doch: „Wenn man sieht, dass vieles falsch läuft, dann muss man auch mal seine Stimme erheben.“

80er-Synthiepop mit rockigem Einschlag

Aber es ging nicht nur um ihn, auch über die Band wurde gesprochen. Gerade hat Revolverheld ihren neuen Song „Leichter“ veröffentlicht, entstanden während der Pandemie. Alle Mitglieder seien in ihrer Art sehr unterschiedlich, und jeder bringe eigene persönlichen Vorzüge ein – ob Computer-Fähigkeiten, Orga­nisationstalent oder Macherqualitäten. Und am Ende halte auch bei Problemen nicht einer den Kopf hin, sondern alle. Und musikalisch? Wahnsinnig laut seien sie zu Beginn ihrer ­Karriere gewesen („2007 beim Rock am Ring: Halleluja, waren wir Proleten!“), sagte Strate. Mittlerweile gleiche ihr Sound aber eher einer Art 80er-Synthiepop mit rockigem Einschlag.

Und den hörte man kurz darauf, denn natürlich musste der Sänger sein Talent an diesem Abend ebenfalls unter Beweis stellen, auch wenn er sich zunächst ein wenig zierte. Doch zumindest ganz kurz hallte das obligatorische „W auf dem Trikot“ durch die Räume des Café Sand – ein Lied, das Strate in einer Neuauflage zum 120-jährigen Bestehen seines Lieblingsvereins Werder aufgenommen hat.

Am Ende des Abends hat Strate nicht nur Inseln erraten, Bremer Klubs an ihren Eingangsbereichen erkannt, Stadien aus aller Welt benannt und bei „Für dich lass ich das Licht an“ verschiedene Gegenstände ertasten müssen, sondern traditionsgemäß auch die Frage seiner WESER-Strand-Vorgängerin Ildikó von Kürthy beantwortet. „Hörst du bei Liebeskummer manchmal deine eigenen Lieder?“, wollte die Autorin wissen. Strates Antwort: „Wow, niemals! Wie eitel müsste ich sein?“

Es ist der Eindruck, der bleibt: Strate ist ein bodenständiger Popstar, der mit einer großen Portion Unterhaltungskunst das Publikum in seiner alten Heimat auf seine Seite ziehen kann – ein Heimspiel sozusagen. Und so wunderten sich nicht nur die Gäste, als Bärbel Schäfer zur Abmoderation ansetzte, sondern auch Strate selbst („Krass, schon fertig?“). Doch einmal noch hatte er das Wort, denn auch er musste eine Frage stellen – an den nächsten Gast beim WESER-Strand-Talk: Fynn Kliemann.

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