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Waschsalons
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Große Wäsche in Walle

Silke Hellwig 16.03.2019 1 Kommentar

Wer in Walle wohnt und keine eigene Waschmaschine besitzt, der kann seine Wäsche einfach im Waschsalon waschen.
Wer in Walle wohnt und keine eigene Waschmaschine besitzt, der kann seine Wäsche einfach im Waschsalon waschen. (Anne Werner)

Der Unterschied zwischen reinem Weiß und schmutzigem Grau wird in der Wartburgstraße, Ecke Melanchthonstraße an diesem Morgen überdeutlich: Während sich in den großen Maschinen weiße und bunte Textilien sauber oder trocken turnen, breitet sich hinter den großen Fenstern des Waschcenters der März-Himmel aus – eine graue Fläche mit kleinen und großen helleren und dunkleren Flecken, aber ohne Falten.

Hinten ums Eck warten Astrid Rossa und Fred Behrens darauf, dass die beiden Maschinen, die sie beladen haben, zum Ende des Waschgangs kommen. Immer mittwochs und stets zu zweit betreten sie mit einem Korb und einigen Tüten schmutziger Wäsche die gefliesten Räume. „In unserer Wohnung ist kein Platz für eine Waschmaschine“, sagt Astrid Rossa.

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Im Waschcenter wurde Platz gemacht, nicht nur für eine, sondern für eine ganze Waschmaschinen- und Trocknerfamilie, von 1 bis 31 durchnummeriert: Vorne stehen sechs kleine, dann folgen zehn mittlere, und hinten warten zwei enorme Maschinen auf die ganz große Wäsche, Fassungsvolumen: 14 Kilo. Eingangs steht eine Doppelreihe von insgesamt zwölf Trocknern, eine Mangel gibt es auch und runde Wäschekörbe auf Rollen, zum Transport von W nach T, vom Waschen zum Trocknen.

Waschsalons – die gibt es noch? Ja, es gibt sie. Schließlich handelt es sich, wie auf der Homepage des Kreditvermittlers „Auxmoney“ zu lesen ist, um ein „konjunkturunabhängiges Geschäft“, das „bei einem richtig gewählten Standort gute wirtschaftliche Erfolgsaussichten“ habe. Obgleich nach Angaben des Statistischen Bundesamts rund 95 Prozent der deutschen Haushalte mit Waschmaschinen ausgestattet sind, gibt es in Deutschland laut „Auxmoney“ 500 bis 800 Waschcenter.

Ein Kundenstamm aus Durchreisenden und Studenten

Der Rat der Vermittler: „Wenn Sie einen Waschsalon eröffnen, werden hauptsächlich Durchreisende, Studenten und Bewohner von Einpersonenhaushalten Ihre Waschmaschinen nutzen wollen. Diese Zielgruppen finden Sie in großen Städten.“ Wie in Fort Worth. Den Zusammenhang erläutert die Internet-Enzyklopädie Wikipedia: Danach wurde „am 18. April 1934 der erste öffentliche Waschsalon eröffnet, wahrscheinlich in Fort Worth im US-Bundesstaat Texas (andere Quellen nennen Chicago).“

„Wie die Jungfrau zum Kind“ sei ihr Mann vor knapp einem Dutzend Jahren zu den Waschcentern gekommen, sagt Annette Becker, die sich gemeinsam mit ihm um sie kümmert. Ihm gehörte ein Haus, in dem sich ein Waschsalon befand. Als ein Eigentümerwechsel anstand, nahm Jörg Becker, der einen Metallbaubetrieb besitzt, die Gelegenheit wahr, „nach dem Motto: Probieren kann man das ja mal“, erzählt seine Frau. Und da es gut lief, erweiterten Beckers die Zahl der Waschcenter. Zu schaffen machten ihnen allein mutwillige Beschädigungen. Die Münzautomaten würden täglich geleert, es gebe in allen Salons Sicherheitsvorkehrungen, dennoch seien Aufbrüche  zu beklagen.

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Mit der Inneneinrichtung haben sich Beckers Mühe gegeben, in dem Rahmen, den ein Waschsalon zulässt. An den Fenstern prangen Aufkleber mit dem Text „Ich liebe mein Waschcenter“ – ein Bekenntnis, das verdient werden will. Hinten steht ein kleines Regal mit Büchern zum Zeitvertreib, an den Wänden hängen Duplikate historischer Waschmittel-Werbemittel aus Blech: „Henkels selbsttätiges Waschmittel“ steht darauf oder „Persil spart Kohle, Arbeit, Zeit und Geld“.

Waschcenter hingegen schenken Zeit, sofern man sie anzunehmen bereit ist: Viele Kunden lassen ihre Textilien nicht aus den Augen. Manche nutzen die Zeit, die ein Waschgang in Anspruch nimmt, um zu lesen oder Musik zu hören, vor sich hin zu träumen und aus dem Fenster auf die belebte Wartburgstraße zu schauen. Gleichmäßige Geräusche erfüllen den Raum, ein Rauschen, ein Dröhnen, das sich steigert, wenn die Maschinen in den Schleudergang schalten.

Vorteil gegenüber der eigenen Waschmaschine: Mehr Fassungsvermögen

Für Astrid Rossa und ihren Mann liegt der Vorteil des Waschens außer Haus auf der Hand: Die Maschinen hätten deutlich mehr Fassungsvermögen als ihre kleinen Schwestern in Privathaushalten. Die Wartezeit gehe schnell herum, wenn man jemanden an seiner Seite habe, der nicht nur anfasse, sondern mit dem es sich auch gut plaudern lasse. Und so ist seit etwa 20 Jahren das Waschcenter in Walle eine feste Adresse für das Paar.

In Bremen gibt es nach dem Wissen von Beckers, die derzeit fünf und bald sechs solcher Einrichtungen besitzen, an die zehn Waschsalons, ihre eingerechnet. Der Kundenkreis sei größer als gemeinhin angenommen, sagt Annette Becker. Dazu gehörten Menschen mit Tieren, die ihre Hundekörbchen oder Pferdedecken in den Waschsalon trügen. Federbetten passten ebenfalls oft nicht in die Standardmaschinen für den Privathaushalt. Auch gewerblich werden Waschcenter genutzt: von Caterern beispielsweise oder auch von Dekorateuren, die Vorhänge zu reinigen hätten. Manche Kunden kämen, um ihre Wäsche zu trocknen, weil in ihrer Wohnung kein Platz ist und ein Balkon oder Garten fehlen.

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Ein Software-Entwickler sitzt in der Nähe des Eingangs. Sein Name tue nichts zur Sache, sagt er. Er komme einmal in der Woche zum Waschen, seit seine eigene Maschine kaputt ging. „Es ist hier sehr sauber, die Maschinen sind gut und man trifft nette Leute“, sagt er. „Waschsalons sind eine gute Idee für alle.“

Waschsalons setzen auf Selbstbedienung. Beckers haben für manche Salons Mitarbeiter, die nach dem Rechten sehen und behilflich sind, aber grundsätzlich gilt: Selbst ist der Kunde. Wer neu ist, wird schriftlich und mit selbst angefertigten Bildern angeleitet. Die Anweisungen sind knapp und klar: „Wäsche in die Maschine! Geld einwerfen! (...) Programm wählen!“ und so weiter und so fort.

Industriemaschinen sind schneller

Jemand stellt sein Rad im Fahrradständer direkt am Fenster ab. Eine Sporttasche verrät sein Ziel. Der Mann betritt den Waschsalon. Er kennt sich aus, füttert ein Gerät, nimmt auf einer der langen Bänke Platz und vertieft sich in ein grünes Taschenbuch. Auch Anja Rietig hat ihre Wäsche in die Maschinen gestopft und sich von nebenan Kaffee und Gebäck geholt. Sie wäscht im Salon, um Zeit zu sparen. „Zu Hause dauert eine Wäsche bei 60 Grad zwei Stunden“. Die Industriemaschinen sind schneller, zudem habe man keine Scherereien mit Reparaturen, Flusensieben und möglichen Überschwemmungen.

Waschcenter sind nicht vom Aussterben bedroht, sie können sogar von sich reden machen: Vor einem Jahr sorgten Corinna und Theresa Williams für Aufmerksamkeit, als sie einen Waschsalon namens „Celsious“ im New Yorker Stadtteil Brooklyn eröffneten. Die „Welt“ berichtete: „New York ist das Mekka des Mode-Shoppings – aber die Wüste des Waschens.

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Eine Waschmaschine in der Wohnung ist Luxus, Waschsalons sind oft muffig und die Klamotten nachher oft dreckiger als vorher. Das muss doch besser gehen, dachten sich zwei Schwestern aus Bayern.“ Im Kölner „Cleanicum“ konnte man eine Zeit lang nicht nur Klamotten waschen, sondern auch kaufen. Und die Bühne der Comedy-Sendung „Nightwash“ des Westdeutschen Rundfunks steht wo? Klar, in einem Waschsalon.

Astrid Rossa und Fred Behrens haben die große Wäsche erledigt. Gemeinsam tragen sie einen Wäschekorb aus dem Salon. In zwei Wochen kehren alle drei zurück.


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Leserkommentare
werderfan am 23.10.2019 21:15
Ich versuche das mal kurz für die Demokratiefreunde zu erläutern:
1. Der Umweltausschuss des Beirats Blumenthal tagt am nächsten Montag ...
IhrenNamen am 23.10.2019 21:02
Ich bin mal sehr gespannt wie sich das auf die Spendensumme auswirkt.
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