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Führung durch den U-Boot-Bunker Valentin

Sebastian Krüger 04.05.2019 0 Kommentare

Bis 2010 hat die Bundeswehr den Bunker als Depot für Marinematerial genutzt.
Bis 2010 hat die Bundeswehr den Bunker als Depot für Marinematerial genutzt. (Illustration: JUAN Palacio)

Ich habe Geschichte studiert und meinen Master „Geschichte in der Öffentlichkeit“ in Bremen gemacht. Am Denkort Bunker Valentin hatte ich mein Pflichtpraktikum und dort gab es ein Projekt zu den Zwangsarbeiterinnen. Das passte, da ich während des Studiums meinen Schwerpunkt auf Frauenforschung gelegt hatte. Außerdem komme ich aus Bremen-Nord und konnte so in meiner Region arbeiten. Die Gedenkstätte wurde erst im November 2015 eröffnet und ist also noch relativ jung. Bis 2010 hat die Bundeswehr den Bunker als Depot für Marinematerial genutzt.

Seit Studienende arbeite ich als freie Mitarbeiterin im Bunker. Die Landeszentrale für politische Bildung ist der Träger des Denkortes. Gedenkstätten erhalten nicht viel Geld, wenn sie nicht zu den großen gehören. Hier gibt es dreieinhalb feste Stellen. Die freien Mitarbeiter werden durch Drittmittel und den Verein „Erinnern für die Zukunft“ finanziert. Neben der bestehenden Finanzierung sind wir aber auch auf Spenden angewiesen.

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Mittlerweile arbeite ich hier auch als Guide und führe Gruppen durch die Gedenkstätte oder leite Seminare. Unser Konzept ist, dass wir den Besuchern Raum, Zeit und die Möglichkeit geben wollen, sich ihre eigenen Gedanken zum Bunker zu machen. Daher freuen wir uns, wenn ein Dialog entsteht und viele Fragen aufkommen.

Ksenja Holzmann arbeitet als freie Mitarbeiterin in der Gedenkstätte Bunker Valentin in Bremen-Farge. Besuchergruppen werden von ihr in rund einandhalb Stunden durch die Bunkeranlage geführt.
Ksenja Holzmann arbeitet als freie Mitarbeiterin in der Gedenkstätte Bunker Valentin in Bremen-Farge. Besuchergruppen werden von ihr in rund einandhalb Stunden durch die Bunkeranlage geführt. (Bernd Kramer)

Jeder Guide legt eigene Schwerpunkte

Bevor ich allein Gruppen führen konnte, bin ich bei Kollegen mitgegangen und habe mir ihre Führungen angeschaut. Jeder Guide macht es auf seine Weise und legt eigene Schwerpunkte. Bei mir gibt es mehr Schwerpunkte zu Frauen, die hier zur Arbeit gezwungen wurden. Vor der Premiere gab es zwei Trockenführungen mit pädagogischen Mitarbeiterin der Stätte und anschließende Feedbackgespräche. Es muss im Sommer 2018 gewesen sein, als ich zum ersten Mal allein eine Gruppe durch den Bunker geführt habe. Ich war schon aufgeregt, schließlich wusste ich nicht, ob mein Konzept für die Führung so funktioniert, wie ich es mir vorher vorgestellt habe. Vor mir standen etwa 25 Bundeswehrangehörige in Zivil. Die Gruppe war groß, die Teilnehmer unruhig. Viele Fragen haben sie nicht gestellt, sodass ich nicht viel ausprobieren konnte.

Aber ich habe gleich etwas Wichtiges gelernt: Seit dem ersten Mal bin ich flexibler und passe mich mehr der jeweiligen Gruppe an. Bei Kindern muss ich die Geschichte natürlich anders vermitteln als bei anderen
Gruppen. Führungen dauern in der Regel 90 Minuten und finden zum Großteil im Freien statt und nicht nur im Inneren des Bunkers. Daher muss ich auch darauf reagieren, wenn das Wetter nicht mitspielt.

Fotostrecke: Der Bunker Valentin wird zum Denkort

Heute bin ich deutlich entspannter vor den Gruppen. Am Ende geben sie meist ein Feedback. Wirklich schlechte Rückmeldungen habe ich noch nie bekommen. Es stört mich auch nicht mehr, wenn Gruppen unruhig sind – irgendetwas kommt unterbewusst immer an. Manchmal interessieren sich Besucher nur für die technischen Daten vom Bunker oder von den U-Booten. Aber das Thema der Führungen ist nun einmal Zwangsarbeit. Hin und wieder versuchen Besucher, die Verbrechen hinter dem Bunker zu relativieren, aber mit richtig unangenehmen Teilnehmern hatte ich bisher zum Glück nicht zu tun.

Ich habe mich in die Arbeit verliebt. Es ist ein schöner Beruf, der viel Spaß macht. Ich vermittle gern mein Wissen und sehe darin durchaus eine gewisse Verantwortung: Es ist wichtig, zu erinnern und zu mahnen. Wir müssen diesen Ort zum Sprechen bringen – lange Zeit ist es ruhig um ihn gewesen.

Auch in der Forschung gibt es nach wie vor eine Menge zu tun. Besonders, was die Zwangsarbeiterinnen angeht: Am Anfang meiner Tätigkeit hier lagen uns nur Hinweise auf fünf Frauen vor. Mittlerweile wissen wir von 700 Zwangsarbeiterinnen, hauptsächlich Polinnen und Russinnen, aber auch Französinnen und Italienerinnen. Noch ist nicht klar, was genau sie hier gemacht haben. Aber irgendwie wurden die Frauen gezwungen, am Aufbau des Bunkers mitzuwirken. Wie genau, möchte ich herausfinden. Wenn ich die Zeit und die Möglichkeit habe, möchte ich da unbedingt weiterforschen.

Aufgezeichnet von Sebastian Krüger.

Zur Person

Ksenja Holzmann, 29, ist studierte Historikerin und stammt aus Bremen-Nord. An der Uni Bremen hat sie ihren Master in „Geschichte und Öffentlichkeit“ gemacht. Seit einem Praktikum am neu geschaffenen Denkort Bunker Valentin forscht sie zum Thema Zwangsarbeiterinnen und leitet Führungen durch die riesige Anlage.


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Leserkommentare
suziwolf am 21.10.2019 12:19
Und dann ... @kretschmar -
[auch wieder] eine gemeinsame Währung -

Das britische £ - Sterling -
europaweit jetzt ...
suziwolf am 21.10.2019 12:01
Warum dieser einfache Hinweis
auf www.spiegel.de
[ ,auf Erweiterung der Information‘ ]
mit „👎“ bewertet wird,
erklärt sich ...
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