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WESER-Strand-Interview DFB-Präsident
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Montagsspiele in der Bundesliga: Grindel verweist Fans an Vereine

Olaf Dorow 03.03.2018 0 Kommentare

Mann am Ball: DFB-Präsident Reinhard Grindel.
Mann am Ball: DFB-Präsident Reinhard Grindel. (Sebi Berens)

Wenn es stimmt, was Fußballer fortlaufend über Fußball sagen, dann ist er ja eine Angelegenheit, in der man über den Kampf ins Spiel finden muss. Dann wird‘s was. Zumindest manchmal. Und vor allem, wenn man es so konsequent wie gut macht. Wenn man das Vom-Kampf-zum-Spiel-Motto aber einfach mal umdreht, kann es auch was werden. Wobei einschränkend zu sagen gilt, dass es sich im vorliegenden Fall nicht um eine Fußball-Partie draußen auf dem Rasen handelte, sondern um eine Partie Fußball-Talk, drinnen im Bauch der ­„Oceana“ an der Bremer Schlachte.

Moderator Axel Brüggemann hatte dort den ranghöchsten Fußballfunktionär des Landes zu Gast, den DFB-Präsidenten Reinhard Grindel. Und wenn man so will, kehrte Brüggemann tatsächlich das Kampf-zum-Spiel-Motto irgendwie um. Um es gleich vorwegzunehmen: mit Erfolg. Die 60 Minuten in der „Oceana“-Talkrunde namens Weserstrand wurden etwas, das man nach 90 Minuten auf dem Rasen ein spannendes und kurzweiliges Spiel nennen würde.

Brüggemann ersparte seinem Gast kein noch so schweres Thema, davon gibt es allein im Zusammenhang mit dem aktuellen Fußballgeschehen reichlich. Polizeikosten, Videobeweis, WM-Affäre, Fanproteste – um nur mal ein paar Beispiele zu nennen. Und Grindel wich keinem Thema aus. Na klar, er floskelte sich bei manchem schweren Thema auch heraus. Aber erstens machte er das recht gekonnt und zweitens versuchte er es deutlich häufiger mit Argumenten als mit Floskeln.

Es begann also mit einem Spiel. Einem Schauspiel. Grindel hatte es einst am Hamburger Helene-Lang-Gymnasium, auch das eine Erkenntnis des Abends, im Fach „Darstellendes Spiel“ auf 14 von 15 möglichen Abiturpunkten gebracht. Und hatte nicht – nächste Erkenntnis – drei Jahre in Wien plus zwei Jahre in Los Angeles Schauspiel-Seminare besucht. Das werde wegen einer fehlerhaften ZDF-Info oft noch verbreitet, sagte Grindel. Brüggemann ließ ihn jedenfalls in einem kleinen Rollenspiel den Mortimer aus „Arsen und Spitzenhäubchen“ spielen. Und der unvorbereitete Grindel („Hier in der Truhe!! Ist eine Leiche!!!“) sprach die Mortimer-Sätze so, dass die einst vergebenen 14 Abi-Punkte im Nachhinein sehr gerechtfertigt erschienen.        

Leichen im Keller – das war dann für Brüggemann die durchaus gewagte Überleitung zum Rededuell mit seinem Gast. Brüggemann hatte sich – um es wieder mit Fußball-Bildern zu schildern – für eine forsche Offensivtaktik entschieden. Und Grindel zeigte, dass er den Verteidigungsmodus so perfekt beherrscht wie gewöhnlich der Italiener den Catenaccio. Die Angriffszüge, die Brüggemann wählte, waren schnell und variabel. Und kaum vorhersehbar. Grindel hatte gut zu tun, aber er blieb, um weiter in diesem Bild zu verweilen, immer Herr im eigenen Strafraum und setzte seinerseits Konter.

Fußball sei kein Grund für Gewalt 

Der Rechtsstreit Bremen gegen DFL wegen der Polizeikosten bei Risikospielen? Der Fußball sei doch nicht der Verursacher der Gewalt. Das wäre ja so, als wenn der Millionär, bei dem eingebrochen wird, in Zukunft die Strafverfolgung selbst zu zahlen hätte. Weil er ja die Einbrecher angelockt habe. Das eigentliche Ziel müsse doch sein, die Polizeikosten zu reduzieren, und da müsste man sich die Sache in Bremen mal genau anschauen, wo ja nachweislich mehr Polizei eingesetzt würde als anderswo. „Ich bin zuversichtlich, dass das Bundesverwaltungsgericht so entscheidet wie die erste Instanz“, sagte Grindel zum Urteil der zweiten Instanz am Bremer Oberverwaltungsgericht. Das hatte dem Bremer Innensenator Recht gegeben und dessen Gebührenbescheide an die DFL für rechtens erklärt. 

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So oder so ähnlich lief es bei zahlreichen der fast zahllosen Themen des Weserstrand-Talks. Ob es nun um den DFB-Chef oder den ehemaligen CDU-Bundestagsabgeordneten Grindel in seiner – nicht unumstrittenen – Doppelrolle als DFB-Funktionär und Sportausschuss-Mitglied ging. Der wenig geliebte Videobeweis? Ja, der sei in der Hinrunde der Bundesliga zu oft angewendet worden, aber jetzt werde das klarer vermittelt. Der lautstark kritisierte Auftritt einer chinesischen ­Jugend-Auswahl in der Regionalliga? Das sei doch letztendlich nichts anderes als ein Liga-Sponsoring, die Dimension der Kritik sei nicht angemessen gewesen.

Die WM-Vergabe nach Katar? Ja, er hätte, wenn es möglich gewesen wäre, auch nicht für Katar gestimmt, sagte Grindel. Aber die Lage der Bauarbeiter habe sich nach Einschätzung von internationaler Bauarbeitergewerkschaft und auch Transparency International verbessert. Es gebe insofern die Hoffnung, dass die WM einen Effekt auf die Verbesserung der Menschenrechtslage habe. Die WM-Affäre mit den immer noch nicht vollständig aufgeklärten Geldströmen zwischen Fifa, DFB, Franz Beckenbauer und dessen Vertrautem Fedor Radmann? Ja, der neue DFB habe da alles versucht aufzuklären, wie das im alten DFB gelaufen ist. Aber man sei halt keine Staatsanwaltschaft, und der Herr Radmann schweige ja beharrlich.

Reinhard Grindel war gut im Thema, so unverhofft und in flink wechselndem Tempo die Themen kamen. Manches verlor sich dabei in schwer zu durchblickendem Juristen-Deutsch. Etwa, wenn es um Grindels Enthaltung bei einer Gesetzesabstimmung im Bundestag zur Strafbarkeit von Abgeordnetenbestechung ging. Doch in die Gefahr, ins wie soll man sagen, Betriebs-Chinesisch abzudriften, geriet der jüngste Weserstrand nur selten. So machte Grindel zum Beispiel sehr deutlich, was er vom E-Sport hält. Nicht viel.

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Es sei absurd und falsch, E-Sport für gemeinnützig zu erklären. Der Fußball sei nicht dazu da, der Unterhaltungsindustrie Steuervorteile zu verschaffen. Fußball gehöre auf den grünen Rasen, sagte Grindel nicht ohne Vehemenz. Und nannte eine Gefahr für die populärste Sportart im Land. „Die größte Konkurrenz“, sagte der DFB-Boss, „ob Kinder in unsere Vereine kommen, kommt  nicht von anderen Sportarten wie Handball oder Basketball. Sondern vom Befassen mit digitalen Endgeräten.“ Er glaube, dass das eine absolute Verarmung sei.

Grindel in der Position des Verteidigers

Gleichwohl müsse sein Verband auf den digitalen Kanälen unterwegs sein, allein schon, um die Kundschaft der Zukunft nicht zu verlieren. Das war ein paar Minuten später Grindels Argument, warum er sich nun ausgerechnet vom ehemaligen Bild-Chefredakteur Kai Diekmann beraten lässt. Wieder dieses Szenario: Ohne gehässig zu werden, griff Moderator Brüggemann forsch an – der DFB-Chef verteidigte ebenso entschlossen. So lief es auch, als es um die Fanproteste gegen zerfledderte Spieltage und zu viel Kommerz ging.

Grindel zog sich da praktisch auf die Position des neutralen Amts zurück. Dass es mittlerweile bis zu sieben verschiedene Anstoßzeiten an bis zu vier Tage lang währenden Spieltagen gibt, sei doch keine Vorgabe des DFB. Das sei doch letztlich eine Sache der in der DFL organisierten Profivereine. Wenn die auf TV-Geld verzichten, dafür aber fanfreundlich alle sonnabends 15.30 Uhr spielen würden: Da wäre doch weder Fußballbund noch Ligaverband dagegen.

Die unzufriedenen Fans hätten sich also zunächst mal an die Klubs zu wenden. Und wenn sie auch damit nicht glücklich sind, dass sie jetzt  zum Sky-Abo auch noch den Eurosport-Player brauchen, dann wäre das Bundeskartellamt der richtige Adressat. Stichwort: ­No-Single-Buyer-Rule. Die Pay-TV-Rechte dürfen nicht nur an einen einzigen Anbieter vergeben werden.

Um es neudeutsch auszudrücken: Das Weserstrand-Publikum bekam eine Menge Input auf den Heimweg, sowohl zum Amt Grindels als auch zu dessen Person. Und eine versöhnliche Prognose vom Hamburger Grindel bekam der Bremer Zuhörer auch an diesem Abend. Er besuche ja, von seinem Wohnsitz in Rotenburg aus, recht oft das Weserstadion. „Und es ist so, dass ich mich freue, dass es für Werder wohl ganz gut werden wird am Ende“, sagte Grindel.


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Leserkommentare
theface am 18.10.2019 20:54
Das kann so nicht stimmen, sonst wären SPD und Grüne ja nicht mehr in der Landesregierung.
Opferanode am 18.10.2019 20:48
Ich hatte die gleiche Frage. Aber eine vernünftige Antwort würde mir besser gefallen, als so schulmeisterlich daherzukommen, mit der Aufforderung, ...
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