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So war der WESER-Strand mit Sieling und Meyer-Heder

Nina Willborn 05.04.2019 3 Kommentare

Trafen am Freitagabend im WESER-Strand aufeinander: Carsten Meyer-Heder und Carsten Sieling.
Trafen am Freitagabend im WESER-Strand aufeinander: Carsten Meyer-Heder und Carsten Sieling. (Nina Willborn)

Wir sind Helden oder Scorpions? Der eine ist „gekommen, um zu bleiben“, der andere hätte gerne, dass nach der Wahl am 26. Mai ein „Wind of Change“ durch die Bremer Bürgerschaft weht – beides Lieder mit Ohrwurm-Potenzial, die das WESER-Strand-Team Bürgermeister Carsten Sieling (SPD) und seinem Herausforderer Carsten Meyer-Heder (CDU) als Einlaufmusiken ausgesucht hatte. Und der Stolz aufs Erreichte, das Festhaltenwollen am jahrzehntelang Bewährten auf der einen Seite und der Wunsch nach Veränderungen auf der anderen sind es ja auch, die die grundlegenden Positionen der politischen Kontrahenten ausmachen.

Egal ob in Fragen der Bildungspolitik, den Finanzen, zur Planung von Verkehrsprojekten: „Weiter so, es läuft gut“, sagt der politisch rote Carsten, „es ist viel zu wenig passiert“ der politisch schwarze – das war in den ersten beiden direkten Rededuellen von Sieling und Meyer-Heder so, und auch am Freitagabend auf der Bühne im mit etwa 100 Gästen vollbesetzten Café Sand machen sie ihre Positionen deutlich. Nicht immer ausführlich, aber das ist mehr dem Zeitlimit von gut einer Stunde geschuldet und dem Ehrgeiz von Moderatorin Bärbel Schäfer, beide zu möglichst vielen Themen, die den Bremern vor der Wahl "unter den Nägeln brennen", zu befragen. Und weil im WESER-Strand traditionell auch Raum ist für das Persönliche, wird es auch noch um Tränen gehen und Vorlieben im Haushalt. Aber vor der Kür kommt die Pflicht.

Wie das also ist mit den Baustellen und dem nicht immer konfliktfreien Verhältnis der verschiedenen Verkehrsteilnehmer, fragt Moderatorin Bärbel Schäfer, die das Talk-Format WESER-Strand zum zweiten Mal moderierte. "Bremen ist eine wachsende Stadt. Wir haben 30 000 Einwohner mehr", sagte Sieling. „Nicht nur unsere Kassen entwickeln sich, sondern auch die des Bundes, und damit ist endlich das da, was sich viele gewünscht haben, nämlich, dass Straßen repariert werden. Und das passiert. Aber zwischen dem Geld und der schönen, fertigen Straße ist leider die Baustelle." Meyer-Heder kritisiert: „In der Vergangenheit sind grundsätzliche Dinge nicht angegangen worden. Wir sind die einzige Stadt mit mehr als 500 000 Einwohnern, die den Ringschluss mit der Autobahn nicht hat. Die A 281 wird seit, ich glaube, 1985 geplant – das ist ewig her.“

Der Bürgermeister verteidigt, der Herausforderer greift an: Besonders deutlich wird das beim nächsten der Themen, nämlich der Frage nach der künftigen Finanzpolitik. Sieling verweist auf den Erfolg der rot-grünen Koalition, der Bremen ab 2020 "richtig finanziellen Spielraum" ermögliche. "Alle wissen, dass Bremen entscheidende Schritte gemacht hat, um von den Schulden wegzukommen und den Haushalt in Ordnung zu bringen", sagt er. "Wir tilgen schon in diesem Jahr und wir können stark investieren. Und das nur deshalb, weil wir eine so solide Finanzpolitik gemacht haben." Meyer-Heder dagegen sieht keinen Effekt der bisherigen Finanzpolitik. "Wir haben immer noch die höchste Arbeitslosigkeit und die höchste soziale Armut im Bundesvergleich", sagt er. Darauf Sieling: "Die Arbeitslosigkeit sinkt, und wir haben 20 000 neue Arbeitsplätze geschaffen. Wenn das alles so schlecht ist, dann verstehe ich nicht, warum Bremen in der Wirtschaftsentwicklung das wachstumsstärkste Bundesland im Norden ist. Man muss in die Zukunft investieren." Konter Meyer-Heder: "Sie haben zwölf Jahre lang nichts investiert. Jetzt haben wir den Salat, einen riesigen Investitionsstau!"

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Bildung, auch so ein ewiges Bremer Streitthema. "Es fehlt an Erzieherinnen, an Lehrern, an Plätzen in den Schulen. Wir haben in unterschiedlichen Stadtteilen ein unterschiedliches Lernniveau", eröffnet Schäfer. Dieses Mal legt Meyer-Heder vor. "Ich glaube, dass wir dieses Thema neu denken müssen", sagt er. Die Forderungen seiner Partei: unter anderem beitragsfreie Kitas ("das hat die SPD ja jetzt auch aufgenommen"), die Leistungsüberprüfung nach Noten und die Rückkehr von Fibeln, statt die Schüler nach Gehör schreiben lernen zu lassen. Fibeln? Sieling verweist auf den Digitalisierungspakt und die ersten Effekte der Erhöhung des Bildungsetats auf eine Milliarde Euro. "Fibeln und Noten passen da nicht mehr. Gerade mit der Digitalisierung werden Schüler auf ganz neue Art in den Mittelpunkt gestellt und die Lehrer bekommen viel stärker eine Lernentwicklungsrolle. Ich verstehe diese rückwärtsgewandten Dinge nicht."

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Apropos rückwärtsgewandt: Eher als retro, das weiß man nun, lässt sich der Filmgeschmack von Carsten Meyer-Heder bezeichnen – zumindest bei solchen, die ihn berührt haben. Er weine bei "E-Mail für Dich", verriet der CDU-Politiker; der Streifen mit Meg Ryan und Tom Hanks stammt aus dem Jahr 1998. Auch Carsten Sieling erzählt, was viele Bremer wahrscheinlich noch nicht über ihren Bürgermeister wissen: Auf seinem Nachttisch liegt zurzeit Yuval Noah Hararis Bestseller "Eine kurze Geschichte der Menschheit", und das nicht nur zur Zierde. Und bei der Aufgabenteilung im Sielingschen Haushalt übernimmt er gerne die Frühschicht samt Tischdecken und Müll rausbringen. Zusammen Werder gucken würden beide Spitzenkandidaten übrigens schon – nur gegen wen im Halbfinale des DFB-Pokals? Sieling bevorzugt den HSV, Meyer-Heder die Bayern ("der HSV wird zu teuer"). Zumindest diese Entscheidung liegt außerhalb ihres Einflusses.

Den WESER-Strand Talk mit Carsten Sieling und Carsten Meyer-Heder gibt es nun ebenfalls als Audiostream zum Nachhören:


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Leserkommentare
onkelhenry am 19.10.2019 18:12
74 Jahre SPD!

Nirgendwo ist die Kluft zwischen arm und reich größer.
Schlechte Wirtschaft, schlechte Bildung ... von vielen ...
peteris am 19.10.2019 17:47
Das Affentheater geht also in die nächste Runde. ...
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